Neue CO2-Grenzwerte Verkehrsminister fordert von Autobauern Strategiewechsel

Im Streit um niedrigere CO2-Grenzwerte wollte die Bundesregierung zuletzt nicht mehr den Schutzengel für Daimler, VW und Co spielen. Jetzt fordert Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer die Konzerne auf, ihre Strategien und Geschäftsmodelle schneller anzupassen.
"Da wird es auch eine Veränderung von Strategien geben müssen": Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer

"Da wird es auch eine Veränderung von Strategien geben müssen": Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer

Foto: Carsten Rehder/ dpa

Im Streit mit anderen EU-Staaten um niedrigere CO2-Grenzwerte für Neuwagen hatte die Bundesregierung quasi im Zieleinlauf der Beratungen ihre sonst schützende Hand über die Autoindustrie nicht mehr ausgebreitet. Wohl auch, weil selbst Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) langsam dämmert, dass ohne Druck bei den Autobauern nicht wirklich etwas zu erreichen ist.

Nach den gestern vom EU-Parlament nun verabschiedeten höheren Grenzwerten hat Scheuer (CSU) die Autoindustrie angesichts verschärfter Klimaschutzvorgaben der EU zum Handeln aufgefordert. "Da wird es auch eine Veränderung von Strategien geben müssen", sagte er Deutschen Presse-Agentur und sprach von einer "großen Herausforderung".

Bis 2030 soll die Autobranche die Emissionen des Treibhausgases CO2 bei Neuwagen im Schnitt um 37,5 Prozent absenken - gegenüber dem für 2021 angepeilten Niveau. Die Bundesregierung wollte eigentlich nur eine Minderung von 30 Prozent, hatte hier zuletzt aber keinen Widerstand mehr geleistet.

VW-Konzernchef Herbert Diess hatte als Reaktion ein noch weitergehendes Umbauprogramm für den Konzern in Richtung E-Mobilität angekündigt. Mit der Verschärfung des Flottenziels müsse der Konzern den Anteil der E-Autos am Gesamtabsatz bis 2030 auf über 40 Prozent hieven.

Scheuer sagte, die "ideologisch Geprägten" seien bei einer Senkung der CO2-Emissionen bis 2030 bei 50 Prozent gestartet, jetzt sei eine Verringerung von 37,5 Prozent herausgekommen. Ohne den zuletzt stark in die Kritik geratenen Diesel-Motor wäre das aber nicht zu schaffen, verdeutlichte Scheuer zugleich.

Scheuer bricht erneut eine Lanze für den Dieselmotor

Die deutsche Autoindustrie ist auf den Diesel angewiesen, wenn sie die CO2-Ziele erreichen will. Diesel stoßen bei gleicher Motorleistung weniger CO2 aus als Benziner. Die Diesel-Neuzulassungen sind aber wegen des Abgasskandals und drohender Fahrverbote in großen Städten wegen der Stickoxidbelastung auf Talfahrt.

Mit Blick auf die Dieselkrise riet Scheuer den Autobauern: "Da empfehle ich das Jahr 2019 vor allem für die deutschen Hersteller als ein Jahr, um Vertrauen zurückzugewinnen und Image wieder aufzubauen, vor allem bei den Hunderttausenden von Dieselkunden."

rei mit Nachrichtenagenturen
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