Toyota steigt bei Uber ein VW beteiligt sich mit 300 Millionen Dollar an Taxi-App Gett

Taxi-Protest gegen Uber in Brüssel: Künftig auch Volkswagen als Herausforderer

Taxi-Protest gegen Uber in Brüssel: Künftig auch Volkswagen als Herausforderer

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Autobauer suchen im digitalen Wandel ihres Geschäfts weltweit die Nähe zu Online-Fahrdiensten. Im Zuge seines geplanten Konzernumbaus steigt Volkswagen mit 300 Millionen Dollar (267 Millionen Euro) bei der Taxi-App Gett ein. Wenig später gab der japanische Branchenriese Toyota seinen Einstieg beim führenden Fahrdienst-Vermittler Uber bekannt.

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Daimler, BMW, Volkswagen und Co.: Wie die Autokonzerne das Geschäft mit der Mobilität neu erfinden

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VW-Chef Matthias Müller bewertete den Gett-Einstieg beim Kurznachrichtendienst Twitter als ist ersten "Meilenstein für uns auf dem Weg zu ganzheitlichen Mobilitätslösungen".

Das bereits 2010 gegründete Gett.com ist einer der älteren Spieler auf dem Markt. Die Firma vermittelt ähnlich wie die umstrittene US-Firma Uber Fahrdienstleistungen auf Abruf, ähnlich wie Daimlers Mytaxi-App aber auch Taxifahrten.

Das Startup, das bereits in Russland, Großbritannien, USA und Israel aktiv ist - unter anderem in Großstädten wie New York und London - ist nach eigenen Angaben einer der führenden Anbieter auf dem Markt. Und hat nach eigenen Angaben bereits mehr als 50 Millionen Passagiere befördert.

In New York lieferte sich Gett.com über längere Zeit mit Uber einen regelrechten Preiskampf und einen Konkurrenzkampf um die Fahrer. Im Großteil von Manhattan bietet die Firma Fahrten zu einem Flatrate-Tarif von zehn Dollar an und sorgte damit für Aufsehen.

Toyota will Autos verkaufen - und lernen

Rechnet man das aktuelle Investment von VW dazu, hat Gett.com in den sechs Jahren seit seiner Gründung mehr als eine halbe Milliarde US-Dollar eingesammelt. Zu den Investoren gehören neben Volkswagen Accel Industries und Kreos Capital, von denen letzterer auch bei Delivery hero, dem Kochkisten-Anbieter Marley Spoon und Kreditech investiert ist.

Toyota, die bereits seit längerem mit Uber kooperieren - nannte anders als VW die Höhe seines Anteilserwerbs nicht. Der Finanzdienst Bloomberg berichtete, die Investition sei niedrig und Toyota habe keine Absicht, einen großen Anteil zu kaufen oder Kontrolle zu übernehmen.

Dafür will der Autobauer im Rahmen des Deals unter anderem Uber-Fahrern seine Fahrzeuge per Leasing anbieten oder verkaufen. Außerdem soll die gemeinsame Entwicklung von Apps für Fahrer ausgelotet werden.

Der Autokonzern wolle mehr darüber erfahren, wie Verbraucher Fahrdienste nutzen, und könne leicht wieder aussteigen, wenn die Partner getrennte Wege gehen wollten, hieß es unter Berufung auf eine informierte Person.

Uber ist die Nummer eins unter den Fahrdienst-Vermittlern. Das Unternehmen aus San Francisco besorgte sich mehr als fünf Milliarden Dollar bei Investoren und soll in Finanzierungsrunden zuletzt mit über 60 Milliarden Dollar bewertet worden seien. Zugleich legte sich Uber bei der weltweiten Expansion mit Behörden und der Taxi-Branche an.

Volkswagen schmiedet Zukunftspläne

Volkswagen macht keinen Hehl daraus, dass es dabei auch um eine Zukunft mit Roboter-Taxis geht: Die Vermittlungs-Plattform von Gett.com könne "auch als Grundlage dienen, um tragfähige Modelle für den On-Demand-Betrieb selbstfahrender Autos zu entwickeln", erklärte der Konzern am späten Dienstag.

VW hatte auch als Reaktion auf den Abgasskandal angekündigt, sich zu einem "Mobilitätsdienstleister" zu wandeln. Dies ist Teil einer neuen Strategie, die Volkswagen-Chef Matthias Müller noch im Sommer vorstellen will und zu der auch mehr Elektromobilität gehört.

Branchenexperten halten Geschäftsmodelle, in denen Autos im weitesten Sinne mit anderen geteilt werden, für einen wichtigen Zugang zum Zukunftsmarkt der Mobilitätsdienstleistungen.

Vor allem die jüngeren Generationen wollen Autos zunehmend nur nutzen, statt besitzen. Das verändert das klassische Geschäftsmodell von Autobauern grundlegend, schließlich werden damit weniger Autos benötigt.

Deshalb weiten auch andere Autobauer ihre Mobilitätsangebote aus, steigen verstärkt ins Geschäft der Fahrdienste ein. Daimler  ist etwa mit der Tochter Mytaxi aktiv und nach Recherchen von manager magazin auch mit Uber im Gespräch über einen Großauftrag. Die Opel-Mutter General Motors  will mit einer Beteiligung an Uber-Rivale Lyft autonom fahrende Taxis entwickeln. Daimler und BMW  sind auch im wachsenden Carsharing-Markt unterwegs.

mit dpa-afx