Batteriestreit in den USA Volkswagen fürchtet "katastrophale Lieferunterbrechungen" bei E-Autos

Belastungsprobe für die noch junge Elektroauto-Kooperation von Volkswagen und Ford: Ein Rechtsstreit in den USA gefährdet die Versorgung mit Batterien. Der Fall illustriert eins der zentralen Probleme der Elektromobilität.
Zündet noch nicht: Elektromodell von Volkswagen

Zündet noch nicht: Elektromodell von Volkswagen

Foto: Andreas Arnold/ dpa

Die Autobauer Volkswagen und Ford befürchten wegen des Rechtsstreits zwischen den Batterieproduzenten LG Chem und SK Innovation (SKI) in den USA Verzögerungen bei der Elektroautoproduktion. In Stellungnahmen an die in dem Verfahren zuständige Internationale Handelskommission (ITC) setzten sie sich dafür ein, SKI die Fertigung von Batterien in der neuen Fabrik im US-Bundesstaat Georgia zu ermöglichen. Sonst drohten "katastrophale Lieferunterbrechungen", hieß es in der Stellungnahme von Volkswagen vom Mai an die ITC, die Reuters am Dienstag vorlag. Es dürfe durch mögliche Auflagen der Behörde nicht zu Kollateralschäden bei den Kunden von SKI kommen. Ford warnte, das verschärfe mitten in der Corona-Pandemie noch die Gefahr von Arbeitsplatzverlusten.

Die Warnung wirft ein Schlaglicht auf einen der am stärksten umkämpften Märkte der Autobranche: Die ausreichende Verfügbarkeit großer Batterien ist das zentrale Problem der Elektromobilität. Deutschlands Premiumhersteller hatten zuletzt Elektromodell um Elektromodell angekündigt, die Verkaufsziele von Hoffnungsträgern wie Daimlers EQC scheiterten allerdings am Batterienachschub.

Entsprechend groß ist der Druck, sich über Kooperationen und Beteiligungen abzusichern: Volkswagen stieg im vergangenen Jahr etwa beim schwedischen Akku-Start-up Northvolt ein, zuletzt diversifizierte auch BMW seinen Batteriezell-Einkauf mit einem Auftrag an die Schweden. Daimler beteiligte sich jüngst am chinesischen Zulieferer Farasis. Dominiert wird der Weltmarkt von Herstellern aus Fernost; auf den größten Marktanteil kam im vergangenen Jahr mit gut 28 Prozent Panasonic - die Japaner arbeiten mit Tesla  zusammen.

Koreas Zellenproduzenten liefern sich brutalen Rechtsstreit in den USA

In den USA tobt seit dem vergangenen Jahr ein Rechtsstreit zwischen den beiden koreanischen Batterieherstellern. SKI hatte dem größeren Rivalen LG Chem den Auftrag von Volkswagen zur Lieferung von E-Auto-Batterien in den USA 2018 abgejagt. Anfang 2019 begann SKI den Bau einer 1,7 Milliarden Dollar teuren Fabrik in Georgia mit einer Kapazität von 200.000 Antrieben im Jahr. Von dort sollen ab 2022 Batterien an das rund 200 Kilometer entfernte VW-Werk in Chattanooga geliefert werden. Eine zweite Batteriefabrik zur Belieferung von Ford ist im Bau.

LG verklagte SKI vor der ITC im April 2019 mit dem Vorwurf, Geschäftsgeheimnisse gestohlen und gegen Patente verstoßen zu haben. Denn SKI hatte fast 80 Mitarbeiter für das Projekt von LG abgeworben. Das beklagte Unternehmen bestritt das mit Verweis auf Vereinbarungen, dass die gewechselten Beschäftigten keine Informationen des vorherigen Arbeitgebers nutzen dürften. Die ITC gab in einer vorläufigen Entscheidung im Februar LG Chem Recht. SKI könnte dann keine Teile für die Produktion in die USA einführen. Ein abschließender Spruch ist für den 5. Oktober angekündigt.

VW und Ford besiegelten im Juni ihre Zusammenarbeit bei Elektroautos. Der Wolfsburger Konzern bezieht derzeit von den drei großen koreanischen Herstellern - LG, SKI und Samsung - sowie von CATL aus China Batterien. Ford widersprach gegenüber der ITC der Behauptung von LG Chem, in den USA den Auftrag von SKI übernehmen zu können. Die Vorbereitungszeit dafür sei zu knapp.

luk / Reuters