Donnerstag, 18. Juli 2019

Volkswagen-Konzernmarke nutzt Ex-Karmann-Werk Skoda wird ein wenig deutscher - mit einem Modell

Der Kompakt-SUV Skoda Karoq wird künftig auch in Osnabrück montiert

"Simply Clever" ist der Leitspruch der tschechischen Automarke Skoda. Das passt, denn in den vergangenen 25 Jahren erwiesen sich die Tschechen als ebenso geschickt wie geschäftstüchtig: Sie schaffen den Sprung von der maroden Ostblock-Ikone zur Weltmarke. Möglich machte dies der Volkswagen-Konzern, der 1991 die darniederliegende Automarke samt maroder Fabriken übernahm.

In der Folge floss einiges Geld nach Mlada Boleslav, dem Hauptsitz von Skoda. Zudem konnten sich die Tschechen früh aus den Baukästen und Regalen des Volkswagen-Konzerns bedienen - und machten das mit viel Geschick. Heute lässt Skoda seine Fahrzeuge längst nicht nur mehr in Tschechien fertigen, sie laufen auch in VWs Werken in China oder Russland vom Band.

In Deutschland hingegen wurden die Skoda-Fahrzeuge bislang ausschließlich importiert. Schließlich ist das tschechische Stammwerk ja nicht allzu weit von der deutschen Grenze entfernt. Doch das ändert sich in Kürze, wenn auch nur in eher kleinem Rahmen: Skoda wird erstmals Fahrzeuge in Deutschland herstellen lassen.

Ein Teil der Produktion des SUVs Skoda Karoq werde künftig im niedersächsischen Osnabrück endmontiert, berichtete die Zeitung "Lidove noviny" aus Prag. Es sei geplant, dort bis zum Jahresende die ersten 2500 Exemplare des Yeti-Nachfolgers vom Band laufen zu lassen.

Neue Aufgabe für ehemaliges Karmann-Werk

"Um die erhöhte Nachfrage nach unserem neuesten Modell, dem Karoq, abzudecken, haben wir uns entschieden, Fertigungskapazitäten im Rahmen des VW -Konzerns zu nutzen", sagte die Skoda-Sprecherin Kamila Biddle dem Blatt. Der Schwerpunkt der Marke bleibe aber im Stammwerk Mlada Boleslav und in den anderen tschechischen Werken. Im März hatte bereits die "Osnabrücker Zeitung" über die Pläne für den Karoq informiert.

In Osnabrück wird bereits heute das Kleinwagenmodell Fabia lackiert. Im dortigen Werk, das VW nach der Insolvenz des Cabrio-Spezialisten Karmann übernommen hatte, arbeiten mehr als 2300 Mitarbeiter.

Skoda hatte im vorigen Jahr die Rekordzahl von insgesamt 1,2 Millionen Fahrzeugen ausgeliefert. Ein Vorstoß der Firmenleitung bei den jüngsten Tarifverhandlungen, die Arbeitszeiten im tschechischen Stammwerk Mlada Boleslav auf das Wochenende auszudehnen, war von den Gewerkschaften abgelehnt worden. Letztlich einigten sich die Tarifparteien auf 12 Prozent mehr Lohn und eine Einmalzahlung.

In Europa seien die Kapazitäten der Skoda-Werke vollständig ausgelastet, sagte Skoda-Vorstandschef Bernard Maier vor kurzem dem tschechischen Nachrichtenportal "auto.cz". Als mögliche Lösungen würden der Bau einer neuen Fabrik, eine Restrukturierung der bestehenden Prozesse und weitere Alternativen in Erwägung gezogen. Eine Lösung im kleineren Rahmen für den deutschen Markt ist nun offensichtlich gefunden.

wed/dpa

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