Fünfjahresplan - 44 Milliarden für E-Mobility und autonomes Fahren VW investiert 30 Milliarden Euro in Elektroautos

Fertigung des E-Golfs in Wolfsburg: VW investiert bis 2023 30 Milliarden Euro in Elektromobilitäts-Projekte

Fertigung des E-Golfs in Wolfsburg: VW investiert bis 2023 30 Milliarden Euro in Elektromobilitäts-Projekte

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Details zu geplanten Elektroauto-Modellen: So will VW in die neue Elektro-Ära starten

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Der Autobauer Volkswagen  greift für den Wandel zum Anbieter von Elektroautos tiefer in die Tasche. In den nächsten fünf Jahren will der weltgrößte Autobauer 44 Milliarden Euro in die Elektromobilität, das autonome Fahren, Mobilitätsdienste und die Digitalisierung investieren. Das beschloss der Aufsichtsrat am Freitag.

Für den letzten fünfjährigen Planungszeitraum (2018 bis 2022) hatte VW noch ein Investitionsvolumen von 34 Milliarden Euro für diese Themen festgelegt. Die neue Summe entspreche nun etwa einem Drittel der für den Zeitraum geplanten Gesamtausgaben. "Wir nehmen uns vor, VW zur globalen Nummer eins in der E-Mobilität zu machen", sagte Konzernvorstand Herbert Diess in Wolfsburg. Rund 30 der insgesamt 44 Milliarden seien für Elektromobilitäts-Investitionen eingeplant, erklärte Diess auf Nachfrage.

Das Geld dafür will sich Volkswagen selbst erarbeiten - im Klartext durch milliardenschwere Sparprogramme bei mehreren Marken. In den nächsten zwei Jahren würden die Kosten für die selbst verursachte Diesel-Krise noch belasten. Dennoch hält der Konzern an seinem Ziel fest, jährlich einen Cashflow von mindestens zehn Milliarden Euro zu erzielen. "Die finanzielle Ausgangslage für den Konzern für die nächsten Jahre ist grundsolide und robust", sagte Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch.

Werke in Emden, Zwickau und Hannover sollen E-Autos produzieren

Die drei Werke Emden, Zwickau und Hannover sollen für die Produktion von E-Autos umgerüstet werden. In Zwickau hat dieser Umbau schon begonnen. Dadurch würden auch Arbeitsplätze verloren gehen, sagte VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh. Aber es sei ein Erfolg, dass E-Autos künftig überhaupt in Deutschland produziert würden.

Für den Bau eines Elektromotors braucht man weniger Mitarbeiter als für die Herstellung eins Verbrennungsmotors. Ab 2022 plant VW ein zusätzliches Werk in Osteuropa.

Beteiligung an Batteriezellenfertigung

Um für die Steigerung der Zahl an Elektroautos die nötige Menge an Energiespeichern zur Verfügung zu haben, denkt VW auch über eine eigene Beteiligung an einer Batteriezellenfertigung nach, wie Diess bestätigte. Bisher bezieht der Konzern seine Batteriezellen von den asiatischen Zulieferern LG Chem, Samsung und CATL, künftig auch von der südkoreanischen SK Innovation.

Doch auch die Bundesregierung befürchtet eine zu große Abhängigkeit der deutschen Autobauer von Asien in dieser Technologie - und will deshalb den Aufbau einer Batteriezellen-Produktion in Deutschland fördern.

SK habe sich gegenüber VW sehr offen gezeigt, gemeinsam in eine neue Art der Zellchemie zu investieren, erläuterte Diess. Allerdings werde der Bedarf für Batteriezellen so groß sein, dass VW auch für weitere Partnerschaften offen sei.

30 neue Elektromodelle für China - und Diess soll auch China leiten

VW startet auch in China durch. Zusammen mit Partnern wollten die Wolfsburger in der Volksrepublik mehr als vier Milliarden Euro etwa in Elektro-Autos, autonomes Fahren und Mobilitätsdienstleistungen investieren, gab der scheidende VW-China-Chef Jochem Heizmann im Rahmen der Guangzhou Motor Show bekannt. Bis zum Jahr 2020 wolle VW in China das größte Angebot an elektrifizierten Modellen auf dem Markt haben - 30 neue Elektromodelle planen die Wolfsburger dafür, die Hälfte davon aus lokaler Produktion. So sollen 2020 rund 400.000 elektrifizierte Modelle in China ausgeliefert werden, bis 2025 dann 1,5 Millionen Fahrzeuge.

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Heizmann geht Anfang nächsten Jahres in den Ruhestand, dann wird das Geschäft auf dem wichtigsten Einzelmarkt von VW zur Chefsache: VW-Konzernchef Diess wird selbst die Leitung übernehmen. "Die chinesische Regierung erwartet, dass die Konzernspitze regelmäßig in China präsent ist", sagte ein Insider. Daher habe man sich zu dieser hochrangigen Besetzung entschieden.

Keine Kapitalbeteiligung mit Ford geplant

Die vor kurzem verkündete Allianz von Volkswagen und Ford bei leichten Nutzfahrzeugen soll deutliche Kosteneinsparungen für beide Autobauer bringen und womöglich noch ausgebaut werden. Eine gegenseitige Kapitalbeteiligung hat Diess jedoch ausgeschlossen. Das sei kein Ziel der Gespräche und in auch kein Teil der Überlegungen der Wolfsburger, sagte Diess.

Mit Ford spricht VW derzeit vor allem über eine Zusammenarbeit bei leichten Nutzfahrzeugen, um Kosten zu sparen. Mehrere Modelle sollten auf gemeinsamen Plattformen produziert werden. Bei der Kooperation, die bis Ende des Jahres unter Dach und Fach gebracht werden solle, gehe es um mehrere Modelle wie etwa Transporter.

In dem Geschäft seien Volkswagen und Ford alleine aus globaler Sicht eher klein, sagte Diess. Der Manager rechnet bis Jahresende mit ersten Ergebnissen, danach könne man über weitere Schritte nachdenken. Darüber hinaus kann sich VW auch vorstellen, in anderen Bereichen mit Ford zu kooperieren, wie zum Beispiel bei Elektroantrieben oder autonome Transport- oder Fahrdienstleistungen.

Marge soll trotz Investitionen weiter bei 7 Prozent bleiben

Ford-Chef Jim Hackett hatte sich dazu in dieser Woche gegenüber Reuters vorsichtiger geäußert und von einer Gratwanderung gesprochen, weil Ford und VW auch Konkurrenten seien. "Selbstverständlich bleiben wir Wettbewerber", sagte Diess. Deshalb sollten bei der Partnerschaft Marketing oder Preisstrategie außen vor bleiben.

Die operative Marge im Konzern sieht Diess auch in den kommenden Jahren bei rund 7 Prozent. Es sei aber sehr harte Arbeit, diese auch zu erreichen. Derzeit arbeite Volkswagen bei allen Marken und Gesellschaften an der Ergebnisverbesserung. Im laufenden Jahr strebt VW vor Sondereinflüssen eine Umsatzrendite vor Zinsen und Steuern von 6,5 bis 7,5 Prozent an.

la/wed/dpa/reuters
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