Freitag, 22. November 2019

Ausbau des Mobilitätdiensts "Audi on demand" Warum Audi und Sixt nun Autoverleih-Partner werden

Schriftzug von Sixt Share, dem neuen Carsharing-Angebot des Autovermieters, an einem Elektroauto
ddp images/Sven Simon
Schriftzug von Sixt Share, dem neuen Carsharing-Angebot des Autovermieters, an einem Elektroauto

Im Interview mit manager magazin hatte es Audi-Chef Bram Schot bereits als eine mögliche Option angedeutet, auf der Hauptversammlung des Autobauers hat er es nun bestätigt: Die Ingolstädter weiten ihren Mobilitätsdienst "Audi on demand" kräftig aus und machen dabei gemeinsame Sache mit dem Autovermieter Sixt.

Der Münchner Autoverleiher hat im März seine Mobilitätsplattform "One" gestartet, die klassische Autovermietung und die carsharing-typische Kurzzeitmiete miteinander verschmilzt. Sixt-Kunden können nun via App in wenigen Klicks längerfristig ein Auto buchen - oder sich binnen Sekunden per Handy eines der hunderten Sixt-Autos mieten und aufschließen, die bislang in drei deutschen Metropolen herumstehen. Die Minutenpreise variieren dabei je nach Gebiet, verwendetem Gerät, Tageszeit und Automodell. (Lesen Sie hier das Porträt der beiden neuen mächtigen Männer bei Sixt - und wie sie gegen Uber, Lyft und andere Milliardenkonzerne bestehen wollen: Die Sixt-Brothers)

Gestartet hat Sixt sein eigenes Carsharing-Angebot im März in Berlin, mittlerweile steht Sixts Carsharing-Flotte auch in Hamburg und München im Innenstadtgebiet zur Verfügung. In acht weiteren Städten gibt es klassische Anmietstationen, bei denen Kunden mithilfe der App mieten und Autos aufschließen können. Die Sixt'sche Vorwärtsstrategie ist damit noch längst nicht am Ende, der Autovermieter will gegen Mobilitäts-Start-ups wie Uber anfahren.


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Audi will nun gemeinsam mit dem Autovermieter-Riesen aus Pullach das bisher vor sich hin dümpelnde Mobilitätsangebot "Audi on Demand" kräftig ausbauen. Bislang war der Dienst in Deutschland auf gerade mal zwei Standorte beschränkt - den Flughafen München und die Bundesgartenschau in Heilbronn. Allzu flexibel ist das Angebot nicht: Am Airport München lassen sich zahlreiche Audi-Modelle von einem bis drei Tage mieten, in Heilbronn steht ausschließlich der Elektro-SUV e-tron zur Verfügung - da auf Wunsch aber auch mal nur für eine Stunde.

Das Zusammenrotten mit Sixt hat für die Ingolstädter einen großen Vorteil: Geschwindigkeit. Mit ihrem neuen Sharing-Angebot haben die Münchner vorgezeigt, wie ein schneller Start eines Carsharing-Dienstes aussehen kann. Nun gibt auch Audi einen ehrgeizigen Zeitplan vor, "Audi on Demand" soll im Handumdrehen besser, größer und flexibler werden: Ab dem vierten Quartal dieses Jahres sollen via "Audi on Demand" bis zu 10.000 Fahrzeuge in zehn europäischen Ländern flexibel zur Verfügung stehen. Starten will Audi mit der kräftigen Ausweitung in Deutschland, danach sollen Standorte in westlichen EU-Ländern hinzukommen - von Frankreich über die Niederlande bis hin zu Österreich und Luxemburg.

Audi-Händler mosern über Sixt-Beteiligung

Die Audi-Händler werden Teil des Angebots, erklärten die Ingolstädter. Als Ergänzung zu den Handelsstandorten werden neue Audi-Fahrzeuge aber auch in Sixt-Vermietstationen verfügbar sein. Über die Audi on Demand App können Kunden eben künftig auf die bestehenden Audi-Modelle der Sixt-Flotte zugreifen und sie flexibel mieten. Starten soll das Angebot mit bis zu 100 Verleihstationen alleine in Deutschland.

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Die Kooperation mit Sixt ist laut Audi vor allem für Kurzzeitmieten zuständig. Bei den Händlern sollen Kunden Fahrzeuge für längere Mietdauern beziehen können - etwa für Tagestouren, für ein Wochenende, mehrere Wochen oder Monate. Mit Sixt plant Audi aber noch eine weiterer Partnerschaft für den Einsatz von Vernetzungstechnologie. Ziel ist es dabei, dass Kunden künftig nicht mehr am Sixt-Tresen den Autoschlüssel für ihren Audi abholen müssen - sondern direkt zum Fahrzeug gehen und losfahren können. Ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem Autovermieter plant Audi jedoch ausdrücklich nicht.

Gegenüber Fachmedien zeigten sich Audi-Händlervertreter gleich mal verärgert über den Schritt: Mit Sixt werde ein Mitbewerber an Bord genommen, der sich mit weniger Ertrag für die Marke Kunden sichere, wetterte ein Verbandschef gegenüber der Onlinelausgabe von "kfz-betrieb". Grundsätzlich mache Audi on Demand als neuer Kanal für Mobilitätsaktivitäten der Autohäuser aber Sinn.

Die Kooperation mit Sixt ist für Audi der zweite Erfolg im Marketingbereich innerhalb weniger Tage. Erst vor wenigen Tagen erklärte der FC Bayern, dass Audi weiterhin der Hauptsponsor des deutschen Fußball-Rekordchampions bleiben werde.

Konkurrent BMW hatte sich monatelang um einen langfristigen Sponsoringvertrag mit dem FC Bayern München bemüht. Audis bisheriger Vertrag läuft 2025 aus.

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