Dienstag, 25. Juni 2019

Verdacht auf Marktmanipulation Staatsanwalt ermittelt gegen Winterkorn und Diess - neue Milliardenrisiken für Volkswagen

Im Fokus der Ermittler: Ex-VW-Chef Winterkorn (l.) und der amtierende Markenchef Diess

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt im Abgas-Skandal wegen des Verdachts der Marktmanipulation gegen den zurückgetretenen VW-Konzernchef Martin Winterkorn. Das teilte die Behörde am Montag in Braunschweig mit. Zudem stehe eine weitere Person im Fokus. Dazu teilte die Staatsanwaltschaft lediglich mit, es handele sich um einen "damaligen Vorstand" von Volkswagen, aber nicht um den derzeit amtierenden Aufsichtsratsvorsitzenden Hans Dieter Pötsch, der seinerzeit Finanzchef des Unternehmens war.

Wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet, ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen möglicher Marktmanipulation auch gegen den amtierenden VW-Markenchef Herbert Diess. Das erfuhr die Agentur eigenen Angaben zufolge aus mehreren voneinander unabhängigen Quellen. Ein Volkswagen-Sprecher wollte sich dazu nicht äußern.

Die Ermittlungen seien aufgrund einer Anzeige der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) eingeleitet worden, so die Staatsanwaltschaft. Es gehe es um den Vorwurf, dass Volkswagen die Finanzwelt womöglich zu spät über die Abgasaffäre informiert habe.

Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft sagte, er könne noch nicht absehen, wie lange das Ermittlungsverfahren dauere. "Wir müssen die Beteiligten jetzt natürlich anhören und weitere Zeugen vernehmen", sagte er. Die Staatsanwaltschaft betonte: "Ob sich der genannte Anfangsverdacht verdichtet oder entkräften lässt, hängt von dem Ergebnis der erforderlichen weiteren Ermittlungen ab." Es gelte die Unschuldsvermutung.

Die Anzeige der Finanzaufsicht BaFin wegen des Verdachts der Marktmanipulation ist ein Etappensieg für die zahlreichen Aktionäre, die wegen des Kursverlusts infolge der Diesel-Affäre Klagen gegen den Konzern vorbereiten. Spezialisierte Anwälte bereiten bereits Sammelklagen vor, deren Streitwert voraussichtlich mehrere Milliarden Euro betragen wird.

Volkswagen hatte die Börse am 22. September über die Abgasmanipulationen informiert. Es bestünden allerdings zureichende Anhaltspunkte dafür, dass diese Pflicht zu einer Mitteilung über die zu erwartenden erheblichen finanziellen Verluste des Konzerns bereits zu einem früheren Zeitpunkt bestanden habe, so die Staatsanwaltschaft. Am 17. September, einen Tag bevor die zuständige US-Behörde EPA ihre Vorwürfe gegen VW öffentlich machte, stand der Kurs der VW-Vorzugsaktie bei rund 167,80 Euro. Am 22. September, als der Konzern den Fall bekannt gemacht hatte, sackte der Kurs auf 106,00 Euro ab.

Die Behörde arbeitet eng mit der Finanzaufsicht BaFin zusammen, die den Fall seit Monaten untersucht. Die Ermittlungen fußten auf den Erkenntnissen der BaFin, sagte deren Sprecherin Anja Schuchardt der Nachrichtenagentur Bloomberg. In den vergangenen Wochen habe die BaFin umfangreiche Datensätze nach Braunschweig geschickt.

Pötsch wurde im Oktober an die Spitze des Aufsichtsrats berufen. Winterkorn war im Zuge des Skandals zurückgetreten. Dabei hatte er erklärt, er tue dies im Interesse des Unternehmens, obwohl er sich keines Fehlverhaltens bewusst sei.

dpa, Reuters, soc, cr

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