Sonntag, 15. Dezember 2019

Volkswagen überrascht mit guten Zahlen Wie VW der Branchenkrise entkommt, wo Hürden lauern

VW-Mitarbeiter mit einem Logo: Während bei vielen die Zeichen auf Krise stehen, funkelt die Zwischenbilanz von VW
Julian Stratenschulte/ DPA
VW-Mitarbeiter mit einem Logo: Während bei vielen die Zeichen auf Krise stehen, funkelt die Zwischenbilanz von VW

Daimler, BMW und die großen Autozulieferer müssen reihenweise Prognosen senken. Der Autoriese Volkswagen zeigt sich hingegen in höchst robuster Form und überrascht mit guten Zahlen. Der gute Lauf wird Konzernchef Herbert Diess beim Konzernumbau helfen - doch Hürden bleiben.

Oft waren es in den vergangenen Jahren selbstgelegte Stolpersteine, die den Volkswagen-Konzern bremsten. Zuvorderst die Dieselaffäre, die bis heute 30 Milliarden Euro gekostet hat. Oder das Debakel um neue Abgas- und Verbrauchstests, weswegen viele Modelle monatelang gar nicht zu kaufen waren.

Nun steht aber gerade Volkswagen im größten Branchenabschwung seit der Finanzkrise als glänzender Vertreter der deutschen Autoindustrie da. Viele namhafte Hersteller und Zulieferer mussten schon Gewinnwarnungen ausgeben, darunter BMW, Continental und Daimler.

Volkswagen Börsen-Chart zeigen hingegen liegt nach sechs Monaten beim operativen Gewinn über den Planungen. Dabei rechnet der Konzern zwar die Milliarde, die auch dieses Jahr schon auf das Dieselkonto floss, heraus. Dennoch: Im Tagesgeschäft läuft es für den Konzern mit seinen zwölf Fahrzeugmarken rund.

Volkswagen-Finanzchef Frank Witter hat trotzdem guten Grund, vorsichtig zu bleiben. "Wir reden hier von Gegenwind, nicht von Rückenwind", beschrieb er die Lage am Donnerstag.

In China, dem wichtigsten Einzelmarkt von VW, gab es zwar im Juni seit längerem wieder einen Aufschwung bei den ausgelieferten Autos, doch der Konzern führt das auf anstehende Gesetzesänderungen zurück und bleibt skeptisch. In Europa sind die Pkw-Märkte ebenfalls unter Druck, und auch der US-Markt hat schon bessere Zeiten gesehen.

Zwischenbilanz stärkt Konzernchef Diess den Rücken

Doch die Zahlen bisher sind ordentlich: fast sieben Prozent Umsatzplus auf 65,2 Milliarden Euro, obwohl weniger Autos ausgeliefert wurden. Grund sind die teureren SUV-Modelle, deren Anteil VW stetig steigert. Der Konzern war spät dran mit den protzigen und beliebten Autos. Jetzt aber verkauften sich etwa T-Roc und T-Cross in Europa sowie der riesige Atlas in den USA prächtig, sagte Vertriebsmanager Jens Effenberger. Das hilft in der Flaute, weil VW genau das Segment stärker anbietet, das noch Käufer findet.

Unter dem Strich stand sogar ein deutliches Gewinnplus von fast einem Viertel auf 4,1 Milliarden Euro. Das aber vor allem, weil im Vorjahr 1,6 Milliarden Euro für den Dieselskandal anfielen.

Die Zwischenbilanz stärkt VW-Konzernchef Diess. Der Manager ist mit der Elektro-Offensive des Autoriesen zum Erfolg verdammt, weil spätestens 2021 Strafen wegen zu hohen CO2-Ausstoßes drohen.

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