Nicole Mommsen Neue Konzernsprecherin muss Volkswagens Führungschaos erklären

Volkswagen-Konzernboss Herbert Diess verliert seinen langjährigen Kommunikationschef Peik von Bestenbostel mitten im Machtkampf. Bestenbostels Nachfolgerin bringt Erfahrung aus der Bankbranche mit.
Stimme von Wolfsburg: Nicole Mommsen soll ab 1. Januar 2021 die Kommunikation des Volkswagen-Konzerns leiten

Stimme von Wolfsburg: Nicole Mommsen soll ab 1. Januar 2021 die Kommunikation des Volkswagen-Konzerns leiten

Foto: Volkswagen

Inmitten eines Streits um seine vorzeitige Vertragsverlängerung verliert Volkswagen-Chef Herbert Diess (62) seinen langjährigen Sprecher. Der Leiter der Konzernkommunikation, Peik von Bestenbostel (62), werde seinen Posten zum 1. Januar an Nicole Mommsen (46) abgeben, teilte der Wolfsburger Autokonzern mit.

Mommsen war erst im August zu Volkswagen gekommen und leitet seither die Unternehmenskommunikation. Diess würdigte Bestenbostel als kompetenten und loyalen Berater, der die Kommunikation in Zeiten der Dieselkrise, der Transformation und der Corona-Pandemie sicher gesteuert habe. Bestenbostel werde zum Jahresende im Rahmen einer geplanten Altersregelung mit 62 Jahren aus dem Unternehmen ausscheiden.

Seine Nachfolgerin sei mit ihrem internationalen Hintergrund und der Kapitalmarkterfahrung als frühere Kommunikationsleiterin von Goldman Sachs die ideale Besetzung, erklärte Diess.

Diess drängt aktuell und ziemlich öffentlich um einen Vertrauensbeweis vonseiten des Präsidiums, des höchsten Gremiums des Volkswagen-Aufsichtsrats. Denn in den vergangenen Wochen war der Streit zwischen Diess und dem Betriebsrat wieder aufgeflammt und hatte den Konzern an den Rand einer Führungskrise gebracht. Als Auslöser der Debatte wird in Wolfsburg ein Beitrag des manager magazins gesehen .

Diess hatte Insidern zufolge nach zermürbendem Streit mit Betriebsratschef Bernd Osterloh (64) eine vorzeitige Verlängerung seines bis 2023 laufenden Vertrags als Vertrauensbeweis gefordert, dass der Aufsichtsrat seinen Kurs unterstütze. Aufgebrochen war der neuerliche Konflikt Eingeweihten zufolge an Diess' Wunsch, Schlüsselressorts im Konzernvorstand mit Managern zu besetzen, mit denen er glaubt, Volkswagen schneller zu einem Technologiekonzern umbauen zu können.

Diess spricht von Erfüllung seines Vertrags - nicht von Verlängerung

In einem Interview mit der "Wirtschaftswoche"  versuchte Diess nun, den Eindruck eines kräftigen Krachs mit dem Betriebsrat zu zerstreuen. "Ich spiele nicht gegen Herrn Osterloh", sagte er dem Magazin. Er und Osterloh spielten in der gleichen Mannschaft, bemühte er Fußballanalogien. Auf unterschiedlichen Positionen zwar, "aber wir versuchen, uns überwiegend Bälle zuzuspielen." Es liege in der Natur der Sache, dass er und Osterloh "bei einigen Themen unterschiedliche Meinungen vertreten".

Bei den laut manager-magazin-Informationen strittigen Besetzungen des Finanz- und des Einkaufsvorstands  strebe er eine schnelle Entscheidung an. Solche Personalien seien eine "komplexe Sache, bei der die verschiedenen Stakeholder mitgenommen werden wollen". so Diess. "Ich bestreite nicht, dass jetzt wichtige Entscheidungen anstehen", erklärte Diess. Er habe "großes Interesse, sie bald zu lösen".

Die Einberufung einer Investorenkonferenz durch den Betriebsrat fand Diess in dem Wirtschaftswoche-Interview "sogar positiv". Es sei gut, dass sich die Arbeitnehmerseite den Fragen von Analysten stelle. "Wir haben mit Bernd Osterloh einen Betriebsratschef, der das kann. Er denkt unternehmerisch und kommt gut an", so Diess.

Zu einer möglichen vorzeitigen Verlängerung seines bis 2023 laufenden Vorstandsvertrags sagte Diess nur: "So wie ich es verstehe, will man mit einer strategischen Weichenstellung dem Ganzen eine Kontinuität und Perspektive geben. Wobei mein Vertrag noch bis 2023 läuft. Und ich habe vor, diesen Vertrag zu erfüllen."

"System Wolfsburg" zeigt dem Manager seine Grenzen

Diess selbst hatte vor Kurzem mit einem Beitrag auf dem Online-Netzwerk Linkedin  für Aufregung gesorgt, in dem er eigene Schwierigkeiten mit dem "System Wolfsburg" einräumte, zugleich aber seine Art der Führung verteidigte und stärkere Teamarbeit in Aussicht stellte.

Konzernbeobachtern zufolge hatte Diess in seiner Kommunikationsstrategie zuletzt versucht, den Reformdruck durch öffentliche Vorwürfe zu erhöhen. In den vorangegangenen Monaten hatte es im Umfeld des Aufsichtsrats Unmut über angeblich von Volkswagen angestoßene Medienberichte gegeben.

Der gelernte Journalist Bestenbostel arbeitete zwölf Jahre bei VW, zuerst als Leiter der Unternehmenskommunikation. Nach einem mehrjährigen Zwischenspiel bei der tschechischen VW-Tochter Skoda kehrte er als Sprecher der Hauptmarke VW nach Wolfsburg zurück und wurde 2018 mit den Aufstieg von Diess zum Konzernchef dessen rechte Hand in der Kommunikation. Vor seinem Eintritt bei Volkswagen arbeitete er in leitenden Positionen in der Unternehmenskommunikation von BMW und Siemens.

wed/Reuters
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