Reduzierung der Fixkosten VW einigt sich mit Betriebsrat auf weiteren Stellenabbau

Bereits im Dezember hatte der Aufsichtsrat von VW das neue Sparprogramm von Vorstandschef Herbert Diess genehmigt. Nun haben Arbeitgeber und Arbeitnehmer die Details beschlossen.
Niedrigere Fixkosten: Volkswagen produziert im Vergleich zur Konkurrenz immer noch viel zu teuer

Niedrigere Fixkosten: Volkswagen produziert im Vergleich zur Konkurrenz immer noch viel zu teuer

Foto: Julian Stratenschulte/ DPA

Volkswagen hat sich mit dem Betriebsrat des Autobauers auf weitere Schritte zum Stellenabbau geeinigt. Demnach werden bestehende Angebote zur Altersteilzeit nun auch für den Jahrgang 1964 geöffnet. Zudem sollen den Jahrgängen 1956 bis 1960 neue Angebote für einen Vorruhestand unterbreitet werden. Das teilte Volkswagen am Sonntag in Wolfsburg mit. Zuvor hatte das "Handelsblatt" darüber berichtet. Die Eckpunkte gelten für die Hauptmarke VW mit den sechs westdeutschen Werken mit rund 120.000 Mitarbeitern.

Wie viele Stellen auf diese Weise eingespart werden, hängt davon ab, wie viele Arbeitnehmer die Angebote letztlich annehmen. In einer internen Mitarbeiterinformation, die der DPA vorliegt, rechnet der Betriebsrat vor, dass über die zusätzlichen Altersteilzeitprogramme "eine niedrige vierstellige Zahl von Beschäftigten" aufhören könnte. Zudem könnten erfahrungsgemäß mit den neuen Vorruhestandsregelungen bis zu 900 Beschäftigte kurzfristig in Rente gehen. Auch die Nachrichtenagentur Reuters berichtet unter Berufung auf Insider, dass durch die Vereinbarungen etwa 3000 bis 4000 Arbeitsplätze abgebaut werden könnten. Eine VW-Sprecherin und ein Sprecher des Betriebsrates betonten übereinstimmend, dass es sich nicht um eine neue Runde des Stellenabbaus handele.

Die Höhe der Einsparungen hängt davon ab, wie viele Mitarbeiter die neuen Angebote annehmen. Sie dürften sich nach Reuters-Berechnungen in der Größenordnung von 400 Millionen Euro bewegen, wenn man den Abbau von 4000 Stellen unterstellt. Mit den Einsparungen will der Autobauer für die teure Umstellung  auf Elektroautos Kosten senken.

Einstellungsstopp wird verlängert

Hintergrund der Beschlüsse ist das sogenannte "Fixkostenprogramm", mit dem bis 2023 die Fixkosten im Unternehmen um insgesamt 5 Prozent fallen sollen. Der Aufsichtsrat von VW hatte Vorstandschef Herbert Diess (62) vor Weihnachten prinzipiell Rückendeckung für dieses Vorhaben gegeben. Als Etappensieg des Betriebsrats galt dabei bereits die Zusage des Managements, mögliche neue Einsparungen nur im Rahmen bestehender Programme umzusetzen. Bei Volkswagen können Stellen nur "sozialverträglich" abgebaut werden, weil im Unternehmen bis 2029 Beschäftigungssicherung gilt.

Zu den aktuellen Vereinbarungen zählt auch eine Verlängerung des Einstellungsstopps bis zum Jahresende. Dies sei ein "wichtiger Hebel, um die interne Transformation des Unternehmens zu beschleunigen, da die Nachbesetzung der Stellen zuerst über den internen Arbeitsmarkt erfolgen muss".

Volkswagen-Personalvorstand Gunnar Kilian (46) erklärte: "Wir stärken die interne Transformation unserer Belegschaft und bauen in den Zukunftsbereichen Stellen auf – sowohl durch Qualifizierung als auch gezielte externe Besetzung. Vor diesem Hintergrund erhöhen wir auch das Qualifizierungsbudget um 40 Millionen Euro auf 200 Millionen Euro." Der Einstellungsstopp gilt nicht für die Zukunftsbereiche Elektrifizierung, Digitalisierung und Batteriezellentwicklung. Hier sind auch Neueinstellungen von außen möglich. Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Bernd Osterloh (64) zeigte sich zufrieden mit den Vereinbarungen. "Der Betriebsrat hat vorgesorgt, dass die Abgänge nicht auf dem Rücken der übrigen Beschäftigten erfolgen", erklärte er.

mg/dpa-afx, Reuters
Mehr lesen über Verwandte Artikel