Aufsichtsrat hat entschieden VW-Konzernchef Diess bekommt neuen Vertrag bis Herbst 2025

Herbert Diess wird den Volkswagen-Konzern bis Oktober 2025 führen. Der Topmanager bekommt einen neuen Vertrag. Das Mandat für vier weitere Jahre gilt als Kompromiss.
Herbert Diess: Der Volkswagen-Chef darf weitermachen bis Herbst 2025

Herbert Diess: Der Volkswagen-Chef darf weitermachen bis Herbst 2025

Foto: MATTHIAS RIETSCHEL / REUTERS

Nach zwei Anläufen wird der Vertrag von VW-Konzernchef Herbert Diess (62) doch noch vorzeitig verlängert. "Herbert Diess steht bis Oktober 2025 an der Spitze des Volkswagen-Konzerns", teilte der Aufsichtsrat von Volkswagen am Freitagabend mit. Der Topmanager wird einen neuen Vertrag über rund vier weitere Jahre erhalten, hieß es aus dem Kontrollgremium. Bisher war Diess bis zum Frühjahr 2023 als Vorstandsvorsitzender des größten europäischen Autobauers bestellt. Formal handelt es sich jetzt um einen neuen Kontrakt, der bis zum Oktober 2025 laufen soll.

Die Festlegung auf den früheren BMW-Entwicklungschef, der im Sommer 2015 zunächst als Leiter der Kernmarke zu Volkswagen gewechselt war, dürfte zum augenblicklichen Zeitpunkt so manchen in der Branche überraschen. Im vergangenen Jahr hatte es noch hitzige Diskussionen über eine mögliche vorzeitige Vertragsverlängerung gegeben, die Diess nach Darstellung mehrerer Insider aus dem Konzernumfeld selbst eingefordert haben soll. Üblicherweise wird auch in Wolfsburg erst ab einem Jahr vor dem Auslaufen über eine Fortsetzung verhandelt.

Die nun getroffene Vereinbarung gilt als Bekenntnis der Eigentümer zu Diess' Kurs, der am Freitag mit hervorragenden Halbjahreszahlen die Märkte überraschte. Diess baut die VW-Gruppe umfassend in Richtung E-Mobilität und Digitalisierung um. Ende Oktober 2025 wird er 67 Jahre alt sein.

Diess hatte bereits zwei Mal im vergangenen Jahr einen Vorstoß zu einer vorzeitigen Verlängerung seines bis 2023 laufenden Vertrages unternommen. Dagegen stemmte sich der frühere VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh (64). Dieser ist inzwischen als Personalvorstand ins Management der Volkswagen-Truckholding Traton gewechselt. Seine Nachfolgerin Daniela Cavallo (46) hatte sich bisher in dieser Frage nicht offen positioniert. Derzeit erscheint die Position von Herbert Diess im Konzern unangefochten. Die Arbeitnehmerseite im Aufsichtsrat könnte aber im Gegenzug für eine Vertragsverlängerung Zugeständnisse herausgehandelt haben. Ein Mandat für weitere vier Jahre gilt als Kompromiss. Diess wollte wohl für fünf Jahre bestellt werden, andere im Aufsichtsrat wollten ihm drei Jahre gewähren.

In der Vergangenheit war es zwischen Diess und den Arbeitnehmervertretern mehrfach zu Konflikten gekommen über das vom Konzernchef forcierte Tempo beim Umschwung des Autoherstellers zu Elektromobilität. Denn das geht mit dem Wegfall von Arbeitsplätzen einher. Doch auch die Eignerfamilien Porsche und Piëch hatten sich in der Vergangenheit reserviert zu einer vorzeitigen Vertragsverlängerung verhalten, obwohl sie Diess' Pläne prinzipiell unterstützen, wie Insider sagten. Das Land Niedersachsen als weiterer Großaktionär mit Vetomacht gilt als aufgeschlossen.

Auch Aufsichtsratschef Pötsch soll länger bleiben

Bereits Anfang Juni hatte der Aufsichtsrat beschlossen, seinen seit 2015 amtierenden Vorsitzenden Hans Dieter Pötsch (70) der Hauptversammlung am 22. Juli für weitere fünf Jahre vorzuschlagen. Beide Personalien zusammen bedeuten mehrere Jahre Kontinuität an der Spitze der Konzernführung.

Mit der Verlängerung bis 2025 in der Tasche kann Diess nun die Weichen stellen für den Weg des weltweit zweitgrößten Autokonzerns zu CO2-neutralen Produkten und Produktion. Der ehemalige BMW-Manager war Mitte 2015 - wenige Monate vor Bekanntwerden des VW-Dieselskandals - als Chef der Hauptmarke VW nach Wolfsburg gewechselt. Im April 2018 war Diess an die Konzernspitze gerückt. Er machte gleich klar, dass er die aus seiner Sicht verkrusteten Strukturen aufbrechen und Volkswagen flexibler machen wolle, um es mit dem US-Elektroautopionier Tesla aufzunehmen. Inzwischen nimmt die Elektrostrategie von Volkswagen Fahrt auf.

rei, ak/Reuters, dpa-afx
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