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Ermittlungen gegen Volkswagen-Aufsichtsratschef: Das sollten Sie über Hans Dieter Pötsch wissen

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Ergebnisse der VW-Hauptversammlung Volkswagens Wut-HV - die Spaltung der Aktionäre

Das Management des VW-Konzerns zeigt sich auf der Hauptversammlung demütig. Kleinaktionäre und Profi-Aktionäre üben ätzende Kritik an Aufsichtsrat und Vorstand - die beide dank der Stimmen des Großaktionärsblocks ungeschoren davon kommen.

Donnerstag, 5.30 Uhr: Guten Morgen, da sind wir wieder. Erwartungsgemäß wurden sämtliche Anträge, die der von den Familien Porsche und Piëch dominierte Aufsichtsrat der von den Familien Porsche und Piëch dominierten Hauptversammlung gestellt hat, mit überwältigender Mehrheit angenommen. Die konkreten Ergebnisse finden Sie in diesem offiziellen Dokument von Volkswagen . Das Land Niedersachsen, mit 20 Prozent der Stammaktien Großaktionär, gab an, sich bei der Entlastung der Ex-Vorstandschefs Martin Winterkorn und des aktuellen VW-Markenchefs Herbert Diess enthalten zu haben. Grund: Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen die beiden Vorstände.

Mit den Stimmen des Altsystemsblocks aus Niedersachsen, den Familien Porsche und Piëch sowie des Emirats Katar wurde auch der Antrag verschiedener Profi-Investoren auf einen externen, unabhängigen Sonderprüfer zur Untersuchung der Diesel-Affäre abgeschmettert. Einer ihrer Wortführer, Hermes aus Großbritannien, hat bereits angekündigt, diesen Sonderprüfer nun gerichtlich durchsetzen zu wollen.

Mittwoch, 21.15 Uhr: Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch schließt nach elf Stunden die Aussprache und leitet die Abstimmung über die einzelnen Tagesordnungspunkte ein. Über deren Ergebnisse und etwaige Reaktionen werden wir Sie am Donnerstagmorgen ab 6 Uhr informieren. Für heute beenden wir unsere Live-Berichterstattung. Haben Sie vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

16 Uhr: Werte Leserin und Leser. Angesichts der fortdauernden Diskussion mit bekannten Argumenten ziehen wir ein Zwischenfazit.

Unser Fazit aus Hamburg: In seiner schwersten Krise hat das Volkswagen-Management zur Hauptversammlung so viel Gegenwind erfahren wie wohl schon lange nicht mehr. Alte Fehler wollte es nicht wiederholen. So unterließen Vorstandschef Matthias Müller und Aufsichtsratschef Hans-Dieter Pötsch also möglichst jede Geste, die an alten Größenwahn oder alte Überheblichkeit erinnern könnte - auch wenn Kleinaktionäre die verkürzte Redezeit auf 3 Minuten als genau das empfunden haben mögen. Statt dessen übten sich Müller und Pötsch - vor allem sie standen im Feuer der Kritik - in Demut und skizzierten erneut, wie sie die Krise hinter sich lassen und VW in eine neue Zukunft führen wollen. Wirklich viel Neues lieferten ihre Aussagen nicht. Einmal mehr deutlich geworden ist aber auch:

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Volkswagen-Bilanz 2015: Das haben die VW-Vorstände im Krisenjahr verdient

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Mögen die zu Recht aufgebrachten (Klein-)Aktionäre bei VW sich noch so sehr aufregen, die das Unternehmen beherrschenden Gründerfamilien Porsche und Piëch ficht das in ihrer Macht nicht an. Ihnen steht mit dem Emirat Katar zudem ein - auch das zeigte sich am Mittwoch - extrem loyaler Großaktionär zur Seite. Und auch das Land Niedersachsen als weiterer Großaktionär ist über den Aufsichtsrat eng in Firmenführung und Krisenmanagement eingebunden. Gegen insgesamt 89 Prozent der Stimmrechte ist nichts auszurichten, da können (auch institutionelle) Aktionäre noch so sehr auf die Barrikaden gehen. Eine Revolution kann bei Volkswagen nur von innen heraus beginnen - im Machtzentrum selbst.

15.45 Uhr: VW-Investoren, die sich Schadensersatz für Kursverluste erhoffen, müssen sich beeilen. Denn sonst drohen Verjährungsfristen zu verstreichen. Darauf weist der auf Kapitalmarktrecht spezialisierte Rechtsanwalt Dietmar Kälberer aus Berlin hin. Hintergrund: Beim Landgericht Braunschweig sind bereits mehrere gleichlautende Klagen gegen Volkswagen eingegangen. Darin fordern Aktionäre Schadensersatz, weil das Unternehmen nach ihrer Ansicht die Öffentlichkeit zu spät über die Abgasmanipulation in den USA informiert hat. Aufgrund der Masse der Klagen soll es nun ein Kapitalanleger-Musterverfahren gegen Volkswagen geben, dem sich alle betroffenen Aktionäre anschließen können. Problem ist jedoch: Das könnte sich noch so lange hinziehen, dass es für viele Anleger zu knapp wird.

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Leistungsvergleich der Autohersteller: So rutscht VW im Zahlen-Check ab

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Der entscheidende Termin ist laut Kälberer der 19. September 2016, und zudem die Frage, ob ein Aktionär seine Anteilsscheine vor oder nach dem 10. Juli 2015 erworben hat. Wurden die Aktien vor dem 10. Juli gekauft, so droht am 19. September die Verjährung, so Kälberer. Durch die Zeitplanung des Gerichts erscheint es nach seinen Angaben jedoch kaum möglich, dass das Musterverfahren noch bis zum 19. September eröffnet wird. Anlegern, die vor dem 10. Juli 2015 gekauft haben, rät der Anwalt daher, bis spätestens 19. September selbst Klage einzureichen. Nur dann seien sie auf der sicheren Seite.

15.30 Uhr: Noch reden sich die VW-Aktionäre in den Messehallen von Hannover den Frust von der Seele - und stellen Fragen. Viele Fragen. Wann das Management sie beantworten wird, ist unklar. Mit anderen Worten: Diese Hauptversammlung kann sich noch lange hinziehen. Vor Mitternacht muss die HV auf jeden Fall beendet sein. Gelingt dies nicht, muss Aufsichtsratschef Pötsch das Treffen laut Aktienrecht neu ansetzen. Pötsch wird also alles daran setzen, das Aktionärstreffen vor Mitternacht zu beenden.

15.15 Uhr: VW-Kleinanleger Norbert Cultus hat das Wort. Der Mann hat früher im VW-Werk malocht - und somit eine nicht zu unterschätzende Innensicht vom Konzern. Dass Cultus kein Blatt vor den Mund nimmt, wissen VW-Vorstände schon aus vergangenen Hauptversammlungen zu berichten. Diesmal hat Cultus gleich drei Gegenanträge eingereicht - gegen die Entlastung des Vorstands, des Aufsichtsrats, und gegen die Wahl von Pötsch als Aufsichtsratsvorsitzenden. Cultus Fazit: Der Vorstand hat auf ganzer Linie versagt. Nun will er wissen: Wie viele Lobbyisten sind für VW in Berlin tätig, wie viele in Washington?

14.40 Uhr: Und wieder nix! Auch der zweite Antrag auf Pötschs Abwahl als Versammlungsleiter scheitert: 99,99 Prozent des anwesenden Kapitals stimmen dagegen.

14.25 Uhr: Aufsichtsratschef Pötsch muss über einen weiteren Antrag auf seine Abwahl als Versammlungsleiter abstimmen lassen. Denn es wurde zusätzlich die Wahl von Ministerpräsident Stephan Weil als neuem Versammlungsleiter des Aktionärstreffens beantragt wurde.

Der Auftritt der "Wutaktionäre" - und der "Wurst-Case"

Hilft gegen roten Kopf und Bluthochdruck: VW-Wurst aus eigener Produktion

Hilft gegen roten Kopf und Bluthochdruck: VW-Wurst aus eigener Produktion

14.16 Uhr: Vielleicht sollten die wütenden Kleinaktionäre mal auf einen VW-Hauptversammlungsklassiker zur Gemüterberuhigung setzen - die Currywurst aus der werkseigenen Produktion. Denn die wird bei den Aktionärstreffen der Wolfsburger traditionellerweise serviert. Wir haben da bereits knallhart recherchiert: Diesmal kommt sie in Ragout-Variante, dazu wird passend zur Fußball-EM Baguette gereicht. Anders als bei Daimler-Hauptversammlungen herrscht keine "Wurst-Case" -Gefahr. Bei den Wolfsburgern geht es zwar aktuell um die Wurst, doch selbige garantiert nicht aus. Zeit für eine Essenspause vor Ort in Hannover - wir melden uns in Kürze gestärkt zurück.

14.11 Uhr: Sie merken es schon, der Ton auf der HV wird rauer. Jetzt haben die "Wutaktionäre" ihren Auftritt - im Anzug mit Krawatte oder auch mal in Jeansjacke mit aufgebügelten Stickern. "Sie kriegen hier keine Ruhe mehr, bevor sie hier aufhören. Sie sind Täter und kein Opfer", schleudert einer von Ihnen Aufsichtsratschef Pötsch entgegen. "Dem Kleinaktionär, der hier seine Meldung machen will, einfach seine Zeit zu stehlen, das können sie nicht", echauffiert sich ein anderer über die von Pötsch verhängte Redezeit-Begrenzung.

14 Uhr: Hans-Christoph Hirt vom Fonds Hermes, der zahlreiche Pensionsfonds berät, hat sich schon im Vorfeld kritisch zu Volkswagen geäußert. Der Experte für gute Unternehmensführung hat Volkswagen schon seit zehn Jahren im Fokus und kartet jetzt nochmal nach. Er konstatiert einen "massiven Kollateralschaden" durch den Diesel-Skandal für die gesamte Branche und stellt die Zukunftsfähigkeit des Konzerns infrage. Auch hält er die Besetzung des Aufsichtsrats für "höchst fragwürdig". "Wir brauchen mehr Branchenexpertise", fordert er. Hirt stellt einen Antrag auf die Einsetzung eines unabhängigen Sonderprüfers in der Diesel-Affäre. Der hat zwar gegen die Stimmen der Porsches und Piëchs keine Chance - doch damit könne er gerichtlich eine Sonderprüfung durchsetzen, hatte er schon zuvor angekündigt.

13.25 Uhr: Es hagelt weiter Kritik für das Volkswagen-Management. "Wir stehen vor einem Trümmerhaufen", sagt Ulrich Hocker, Chef der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz - und fragt, ob der Dieselmotor überhaupt noch eine Chance hat und das Stickoxid-Problem der Aggregate kostengünstig gelöst werden kann.

13.15 Uhr: Pötsch kann die Hauptversammlung als Versammlungsleiter fortsetzen - der Antrag zu seiner Abwahl ist gescheitert, verkündet er nun. Und alles andere als knapp: 0,02 Prozent der abgegebenen gültigen Stimmen stimmten für die Abwahl Pötschs, der Rest dagegen.

13 Uhr: Auch Markus Dufner vom Dachverband Kritische Aktionäre geht Pötsch in seiner Rede hart an. Es gebe einen begründeten Verdacht, dass Pötsch eine Mitverantwortung dafür trage, dass Volkswagen zu spät über die Dieselmanipulation informierte. Dem deutschen Corporate-Governance-Kodex zufolge dürfte Pötsch erst im Herbst 2017 Chefkontrolleur des Autoriesen sein, sagt Dufner. "Sie mögen das Vertrauen der Familien Piëch und Porsche genießen. Doch Sie sind der personifizierte Interessenkonflikt", schießt sich Dufner auf Pötsch ein. Beide Kleinaktionäre stellen einen Antrag zur Abwahl von Pötsch als Versammlungsleiter. Pötsch lässt nun darüber abstimmen - und das dauert ....

12.35 Uhr: Mehr als 40 Wortmeldungen von Aktionären liegen Aufsichtsratschef Pötsch vor, der deshalb die Redezeit auf fünf Minuten begrenzt. Das mindert aber auch nicht die Härte der Angriffe gegen die VW-Manager und Pötsch persönlich. Aktionär Manfred Klein etwa, schnauzbärtig, gedrungen und nicht gerade milde gestimmt, rückt den Konzern in die Nähe krimineller Machenschaften. Wie man darauf käme "weltweit zu bescheißen, um ein paar lausige Cent zu sparen", will er wissen. Als Pötsch ihn auf die Beschränkung der Redezeit auf 5 Minuten hinweist, wirft er Pötsch vor, sich "zum Richter in eigener Sache" zu machen. Die Aktionäre sollen einen unabhängigen Vertreter zum Versammlungsleiter wählen, fordert er.

Wer hat, der zeigt: VW-Aktionär am Mittwoch mit Melone

Wer hat, der zeigt: VW-Aktionär am Mittwoch mit Melone

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Neue Sparsamkeit - Firmen-Airbus steht kurz vor dem Verkauf

12.35 Uhr: Vor wenigen Minuten hat VW-Chef Müller seine erste Rede auf einer Hauptversammlung beendet. Zum Schluss versprach er seinen Aktionären mehr Rendite und Effizienz: Die Quote für Investitionsausgaben und die Ausgaben für Forschung und Entwicklung will er auf je 6 Prozent gemessen am Umsatz senken. Die neue Sparsamkeit bei VW bezieht sich aber nicht nur auf die F&E Ausgaben: Auch der Firmen-Airbus stehe kurz vor dem Verkauf, so Müller.

Steigen soll dagegen die operative Umsatzrendite, und zwar schrittweise auf 7 bis 8 Prozent. Diese Ziele seinen "angemessen, ambitioniert und gleichzeitig realistisch" für ein Unternehmen in der Volkswagen-Größenordnung, meint er. "Machen wir uns nichts vor: Die eigentliche Arbeit hat gerade erst begonnen", sagt Müller. Die Volkswagen-Aktionäre bittet er deshalb darum, dass sie dem Unternehmen die Treue halten. Nun sind die Aktionäre am Drücker - sie halten mit ihrer Kritik nicht gerade im Zaum.

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VW vor turbulenter Hauptversammlung: Das sind die entscheidenden Themen des Aktionärstreffens

Foto: Julian Stratenschulte/ dpa

12.27 Uhr: Müller weist auch deutlich darauf hin, dass der Konzern seine Komponentenwerke zu einem eigenen, selbständigen Ganzen bündeln will. "Wir haben unter unserem Dach einen der größten Automobilzulieferer der Welt", sagt der VW-Chef. Dieses Geschäft soll durch Neuaufstellung "mehr unternehmerische Freiheit" bekommen. Das sei für das Unternehmen ein großer Schritt, sagt Müller.

12.20 Uhr: Müller spricht nun über die Marschroute für die kommenden Jahre, die "Together Strategie 2025", die er bereits vor einer Woche genauer erläutert hat. Diese sei eine Weiterentwicklung mit sichtbar anderen Akzenten, wirbt er.

12.15 Uhr: Bei Müllers rhetorischem Galopp durch die bereits bekannten Finanzkennzahlen lässt eine Sache aufhorchen: Er entschuldigt sich für die in diesem Jahr niedrige Dividende von 0,17 Euro je Vorzugsaktie. Das sei zu wenig, gibt Müller zu, künftig soll die Ausschüttungsquote "nachhaltig rund 30 Prozent des Nettogewinns" betragen.

12.11 Uhr: Der Vorstandschef redet immer noch. Es gibt ja auch viel zu erklären und mitzuteilen an diesem Tag ... So macht Müller seinen Aktionären auch deutlich, wie er sich von seinen Vorgängern unterscheiden will. "Unser und mein Job ist es nicht, sich im Detail mit der Gestaltung der Produkte zu befassen. " Genau dafür war sein Vorgänger Martin Winterkorn berüchtigt, der auch gerne mal mit dem Lackmessstift die richtige Dicke des Lackes überprüfte. Details sollen künftig Sache der Marken sein, der Konzernvorstand soll sich mit Zukunftsthemen befassen.

12 Uhr: Deutliche Worte findet Müller auch für seine geplante Abkehr vom zentralistischen Denken früherer Jahre: "Zu glauben, man könne einen Weltkonzern in all seinen Verästelungen aus der niedersächsischen Tiefebene lenken, ist eine Illusion", erklärt er an einer Stelle. Deshalb will er für sein "neues" Volkswagen die Eigenständigkeit der Marken und Regionen stärken - und seinen Mitarbeitern auch mehr unternehmerische Verantwortung abfordern.

Schuldfrage bleibt weiter offen - VW hält Infos aus Abschlussbericht zurück

11.55 Uhr: Emissionstests werden bei Volkswagen künftig grundsätzlich extern und unabhängig überprüft, kündigt Müller an. Auch bei der Unternehmenskultur will Müller einiges ändern. "Gesetzestreues und wertegeleitetes Handeln", muss "noch konsequenter im gesamten Unternehmen" verankert werden, drückt es der Vorstandschef etwas geschwollen aus. Künftig erhält der Vorstand vierteljährlich ausführliche Risikoberichte. Müller macht also mal - auch auf anderer Ebene: Bei den Aufzügen in der Verwaltung ist nun die Funktion "Vorstandsfahrt" abgeschafft, meldet er seinen Aktionären.

11.47 Uhr: Der VW-Chef gibt einen kurzen Überblick über die Konzernmaßnahmen gegen den Diesel-Skandal: Für die Reparaturen in Europa hat VW vom Kraftfahrt-Bundesamt die Freigabe für 3,7 Millionen Fahrzeuge - insgesamt sind europaweit 8,5 Millionen Fahrzeuge mit der Schummel-Software ausgestattet. In den USA arbeite man mit Hochdruck an einem Vergleich samt technischen Maßnahmen für die betroffenen Kunden. Und Müller sagt auch etwas über veränderte interne Prozesse: So sei nun die Freigabe der Software anders und besser organisiert.

Stimmt die Chemie noch? Der Eindruck täuscht wohl, denn auf der HV ziehen Volkswagen-Chef Müller (l.) und AR-Chef Pötsch strategisch und argumentativ an einem Strang

Stimmt die Chemie noch? Der Eindruck täuscht wohl, denn auf der HV ziehen Volkswagen-Chef Müller (l.) und AR-Chef Pötsch strategisch und argumentativ an einem Strang

Foto: Peter Steffen/ dpa

11.40 Uhr: Nun redet VW-Chef Müller - und gibt sich ebenfalls demütig. Seit September hat Müller den Spitzenjob bei dem Autoriesen inne. Diese Aufgabe habe er mit "großem Respekt, aber auch mit Zuversicht" angenommen, sagt Müller, der im schwarzen Anzug mit weißem Hemd und gelb-purpur-silbern gestreifter Krawatte einen ziemlich eleganten optischen Eindruck macht. Müller wiederholt zur Diesel-Thematik, was er oft erklärt hat: Die Software-Manipulationen haben "unser höchstes Gut beschädigt: Das Vertrauen der Menschen in unser Unternehmen und unsere Produkte". Müller bittet deshalb coram publico "um Entschuldigung dafür, dass auch Ihr Vertrauen in Volkswagen enttäuscht worden ist".

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Volkswagen-Bilanz 2015: Das haben die VW-Vorstände im Krisenjahr verdient

Foto: Getty Images

11.35 Uhr: Pötsch kündigt an, dass der Aufsichtsrat "ohne Ansehen der Person" Schadensersatzansprüche gegen ehemalige und amtierende Vorstandsmitglieder prüfen will. Aufsichtsrat und Vorstand blieben jedoch bei ihrem Vorschlag, beiden Gremien die Entlastung zu erteilen.

11.30 Uhr: Bei der Beschlussfassung zur Entlastung des Vorstands hat sich Pötsch der Stimme enthalten, erklärt er nun. Das ist logisch, denn letztlich war Pötsch ja im vergangenen Jahr noch selbst im VW-Vorstand vertreten. Doch solches Verhalten zeigt natürlich auch die Corporate-Governance-Problematik bei dem Autokonzern. Wenn Vorstände direkt an die Spitze des Aufsichtsrats wechseln ohne Cooling-Off-Periode, geht das wohl nicht anders. Immerhin liegen zwei Rechtsgutachten vor, führt er aus. "Beide kommen zum Ergebnis, dass derzeit keine gravierenden Rechtsverletzungen vorliegen, die der Entlastung entgegenstehen".

11.20 Uhr: Dass Pötsch noch immer nichts aus dem Abschlussbericht präsentieren kann, darf oder will, muss die Aktionäre natürlich misslaunig stimmen. Der AR-Chef versucht das zu erklären: In den USA läuft eine Klage des Department of Justice gegen Volkswagen und seine Tochter Audi, für den angestrebten Vergleich in den USA hat der zuständige Richter die Frist nun bis zum 28. Juni verlängert. "Die Verhandlungen befinden sich weiterhin in einem sensiblen Stadium", sagt Pötsch. Von ihrem erfolgreichen Abschluss hänge viel ab, Aussagen zum Stand der Ermittlungen würde die Verhandlungsposition von VW "erheblich geschwächt".

11.13 Uhr: Pötsch erklärt den Aktionären in nüchternen Worten den Ablauf des Diesel-Skandals, der im Konzern weiterhin "Diesel-Thematik" heißt. Die internen Ermittler der Kanzlei Jones Day hätten völlig freie Hand, versichert Pötsch. Die Ergebnisse ihres Abschlussberichts kann Pötsch aber auch diesmal nicht vorstellen. "Wir alle wissen, wie wichtig Transparenz und Vertrauen ist", sagt er.

11 Uhr: Aufsichtsrats-Vize Jörg Hofmann rechtfertigt Pötschs Wechsel vom Stuhl des Finanzvorstands an die Spitze des Kontrollrats. Der IG-Metall-Chef sagt, Pötsch sei ohne jeden Zweifel für den Posten qualifiziert und genieße das Vertrauen der Großaktionäre. "Der Aufsichtsrat beabsichtigt, ihn anschließend zum Vorsitzenden des Aufsichtsrats zu wählen."

Großaktionär Katar stärkt VW-Vorstand den Rücken

10.50 Uhr: Pötsch hat nach der kurzen Rede von Hessa Al-Jaber wieder das Wort - er spricht nun ein weiteres heißes Eisen an: Das Gehalt der VW-Vorstände. Damit seien viele Aktionäre unzufrieden, weiß auch Pötsch. Der Aufsichtsrat arbeite gemeinsam mit dem Vorstand an den Veränderungen des Konzerns . "Dazu gehört auch, dass wir die Vergütung des Vorstands auf den Prüfstand stellen". Auch die Aufsichtsrats-Vergütung soll sich ändern. Im vergangenen Jahr erhielt der Aufsichtsrat keine variable Vergütung, erklärt Pötsch. Damit sind die Zahlungen an die Aufsichtsräte drastisch zurückgegangen: Im Jahr 2015 erhielten die Volkswagen-Aufsichtsräte 700.000 Euro, im Jahr davor waren es laut Pötsch noch 12 Millionen Euro.

10.40 Uhr: Hessa Al Jaber stärkt dem VW-Management den Rücken: "Wir sollten die Fähigkeit zur Veränderung nicht anzweifeln", sagt sie in ihrer Rede. "Ich in der Überzeugung, dass der Vorstand große Motivation hat, dieses Unternehmen zu verändern. Noch etwas deutlicher wurde Al Jaber vor ihrer Rede: "Volkswagen hat aus meiner Sicht das richtige Management an Board", sagte die Vertreterin des Großaktionärs zu "Spiegel Online" am Rande des heutigen Aktionärstreffens. "Die Strategie 2025 geht in die hundertprozentig richtige Richtung." Das sind gewichtige Worte eines gewichtigen Aktionärs: Katar hält 17 Prozent der stimmberechtigten VW-Titel.

Hessa Al Jaber: Die neue Vertreterin des VW-Großaktionärs Katar hält den jetzt eingeschlagenen Weg von Volkswagen für richtig

Hessa Al Jaber: Die neue Vertreterin des VW-Großaktionärs Katar hält den jetzt eingeschlagenen Weg von Volkswagen für richtig

Foto: Sebastian Gollnow/ dpa

10.35 Uhr: Seit ein paar Minuten stellt sich die neue Vertreterin des Emirats Katar im VW-Aufsichtsrat, Hessa Al Jaber, vor. Spannend an ihrer Rede ist zum einen, wie stark die Ingenieurin ihre Kenntnisse in der Informationstechnologie hervorhebt - an einer Stelle bezeichnet sie sich als "Technologieexpertin". Sie sei stolz darauf, Mitglied in diesem renommierten Aufsichtsrat zu sein, erklärt Al Jaber. In den vergangenen Monaten habe sie viel über Volkswagen und die Kritik an dem Unternehmen gelesen.

Demut ist angesagt: VW-AR-Chef Pötsch

Demut ist angesagt: VW-AR-Chef Pötsch

Foto: Sebastian Gollnow/ dpa

10.30 Uhr: Im dunklen Einreiher mit blauer Krawatte und seiner ruhigen Stimme wirkt Pötsch sehr ruhig - und auf den Abgasskandal kommt er mehrfach zurück. "Wir bedauern aufrichtig, dass die Diesel-Thematik einen Schatten auf dieses großartige Unternehmen wirft", erklärt Pötsch. "Ich möchte mich bei Ihnen entschuldigen, wir bedauern das zutiefst." Demut ist also angesagt. Das hatte Pötsch schon im Vorfeld signalisiert. Dann sieht Pötsch von seinem Redetext am Pult kurz auf und lässt seinen Blick durch den Saal schweifen. Solche Sätze sollen die aufgebrachten Aktionäre wohl beruhigen. Ob das wirkt, werden die nächsten Stunden zeigen.

10.25 Uhr: So, los geht's: Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch eröffnet die Hauptversammlung. Zu Beginn entschuldigt sich der ehemalige VW-Finanzvorstand vor den Aktionären für den Dieselskandal. Wichtigste Aufgabe sei nun, das verlorene Vertrauen zurückzugewinnen. Dass gerade Pötsch und dann mit einer Entschuldigung den Anfang macht, ist geschickt: Viele halten ihn für eine Fehlbesetzung im Aufsichtsrat - eben weil ihm auch Verantwortung an dem Skandal zukomme, meinen Kritiker.

Satte Aktionäre = Friedliche Aktionäre?

10.15 Uhr: Andrang vor den Sicherheitsschleusen, Fototermine ... was auch immer VW aufhält, die Hauptversammlung zu beginnen, klar ist: Aktuell redet hier noch keiner. Sollten indes mehr als die erwarteten rund 3000 Aktionäre kommen, hat Volkswagen Platz in einer weiteren Messehalle geschaffen.

9.59 Uhr: So eine Hintergrundmusik kann übrigens schon mal entlarvend sein. Nun erklingen im Hintergrund entspannte Klänge, die aus dem Soundtrack des Films "Top Gun" entlehnt sind - und passenderweise ist es ausgerechnet die Melodie des Songs "Danger Zone". Was uns VW wohl damit sagen will? Die Hauptversammlung startet wohl mit leichter Verspätung - vermutlich dauerte der Fototermin des Vorstands etwas länger als geplant.

9.55 Uhr: Im Pressezentrum dreht VW die Hintergrundmusik einen Tick lauter, der Rhythmus wird schneller, drängender. Es sind ja auch nur noch wenige Minuten, bis VW-Konzernchef Matthias Müller reden soll. Da sorgen die Event-Organisatoren doch noch für ein wenig Bewegung. Obwohl: Aufregung und Unruhe wird es auf dieser Hauptversammlung wohl noch genug geben.

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Leistungsvergleich der Autohersteller: So rutscht VW im Zahlen-Check ab

Foto: Martial Trezzini/ picture alliance / dpa

9.51 Uhr: Ist das die neue Bescheidenheit im Volkswagen-Konzern? Die bei Aktionärstreffen übliche Show von Autos und schweren Lkw fällt diesmal deutlich kleiner aus, sagen Beobachter. Der Vorteil: Auf der dadurch freien Fläche werden die Aktionäre mit Kuchenteilchen und Kaffee bei Laune gehalten ... Satte Aktionäre = Friedliche Aktionäre?

9.50 Uhr: Sicherheit ist Volkswagen wichtig - auch bei seiner Hauptversammlung. Denn die Aktionäre werden am Eingang so streng überprüft wie am Flughafen. Metalldetektoren, Röntgenbänder, alles vorhanden. Und selbst bei größeren Flüssigkeitsmengen ist es wie am Airport: Mitgebrachte Wasserflaschen müssen abgegeben werden. Das erklärt auch, warum die Warteschlangen länger und länger werden.

9.45 Uhr: Die Aktionärsschützer kritisieren die Entscheidung des VW-Aufsichtsrats, der Hauptversammlung eine Entlastung des Vorstands zu empfehlen. Die Vertagung der Entlastung wäre die bessere Lösung gewesen. "Das wäre auch von Seiten von VW ein eleganter Weg gewesen. Den hat man jetzt nicht gewählt und das kann jetzt zu einem Debakel führen", sagt DSW-Sprecherin Bergdolt im Bayerischen Rundfunk.

9.40 Uhr: "Volkswagen ist viel mehr als diese Krise", lässt Konzernchef Müller die Aktionäre in der HV-Einladung wissen. Die Botschaft soll wohl heißen: Lasst und nach vorn schauen und nicht zurück. So leicht werden es die Aktionäre dem VW-Chef aber heute nicht machen.

Die Botschaft der Demonstranten auf dem Messegelände in Hannover vor der VW-Hauptversammlung ist unmissverständlich

Die Botschaft der Demonstranten auf dem Messegelände in Hannover vor der VW-Hauptversammlung ist unmissverständlich

9.20 Uhr: Trotz der eigentlich klaren Mehrheitsverhältnisse glauben Aktionärsschützer, dass die Abstimmung über die Entlastung des Vorstands knapp ausgehen könnte. "Das wird eng werden", sagt Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) im Bayerischen Rundfunk. "Nach dem, was ich höre, sind auch viele Fonds inzwischen abgerückt."

9.15 Uhr: Großes Gedränge herrscht bei Eingang Nord 2 der Hannover Messe. Dutzende Aktionäre, Journalisten und VW-Mitarbeiter warten vor den Security-Schleusen. Die Stimmung ist noch ruhig - beschallt werden die Wartenden von der IG Metall, die fordert, den Vorstand nicht zu entlasten.

9 Uhr: Volkswagen ist für viele Kritiker auch ein Politikum ganz anderer Natur: Vor dem Messegelände in Hannover versammeln sich zwei Dutzend Demonstranten. Auf einem Transparent steht: "Keine Entlastung für Umweltverbrecher! Die Verantwortlichen und Profiteuere sollen zahlen." In Halle 2 müssen die Aktionäre erst eine Sicherheitskontrolle über sich ergehen lassen, bevor sie eingelassen werden.

VW-Großaktionäre zeigen Kante - Daimler zeigt bald neuen Langstrecken-Stromer

8.30 Uhr: Schauen wir mal zum Wettbewerber, so viel Zeit muss sein. Daimler will sein neues Langstrecken-Elektroauto Ende September auf dem Pariser Autosalon vorstellen. "Dort wird ein elektrisches Fahrzeug von Mercedes-Benz mit rund 500 Kilometern Reichweite eine wichtige Rolle spielen", kündigte Daimler-Chef Dieter Zetsche am Dienstagabend an. "Das Auto der Zukunft wird elektrisch und emissionsfrei sein." Ziel sei es laut Zetsche, ab 2020 jährlich eine "wachsende sechsstellige Zahl" an Elektrofahrzeugen zu verkaufen.

In Wolfsburg wird man derlei Ansagen sehr genau verfolgen. Denn bislang ist die Auswahl an E-Mobilen bei Europas größtem Autokonzern überschaubar. Und als Verkaufsschlager mit einem überzeugenden Preis-Leistungsverhältnis taugt bislang keines aktuellen E-Modelle im VW-Konzern. Aber das soll sich bekanntlich ändern. In den kommenden vier Jahren will Volkswagen fast zwei Dutzend zusätzlicher Elektroauto- und Plug-In-Hybridmodelle vorstellen.

Warten auf den Einlass: Die große Markenshow der Autos aus dem Volkswagenkonzern gehört auch in der Krise dazu. Von Lamborghini bis zu den MAN-Lastwagen wird alles gezeigt.

Warten auf den Einlass: Die große Markenshow der Autos aus dem Volkswagenkonzern gehört auch in der Krise dazu. Von Lamborghini bis zu den MAN-Lastwagen wird alles gezeigt.

Foto: Peter Steffen/ dpa

8 Uhr: Vorstand und Aufsichtsrat des Volkswagens-Konzerns müssen heute in Hannover erstmals nach Bekanntwerden des Abgas-Skandals den Aktionären Rede und Antwort stehen. Es dürfte ein anstrengender, vielleicht auch nervenaufreibender Tag für Matthias Müller und Co. werden. Hinter vorgehaltener Hand heißt es im Konzern, Vorstand und Aufsichtsrat müssten sich wohl einen Tag lang nur anschreien lassen.

Denn die Aktionäre sind sauer. Und sie verlangen Antworten auf ihre Fragen. Die vielleicht wichtigste Frage: Wann wusste der Vorstand von den manipulierten Abgaswerten, und hat er die Finanzwelt zu spät informiert? Diesen Vorwurf machen viele Investoren der VW-Führung seit langem, er ist die Basis für milliardenschwere Schadenersatzklagen.

Doch damit nicht genug. Die Staatsanwaltschaft ermittelt und seit der am Dienstag bekannt gewordenen Anzeige der Finanzaufsicht Bafin gegen den kompletten Vorstand wegen des Verdachts der Marktmanipulation stellt sich den Aktionären natürlich auch die Frage: Kann und darf man diesen Vorstand überhaupt noch entlasten?

"Normale" stimmrechtslose Vorzugsaktionäre haben bei Volkswagen nicht viel zu sagen. Denn die Mehrheit der stimmberechtigten Stammaktien liegt bei den Großfamilien Porsche/Piëch. Und Wolfgang Porsche und Hans Michel Piëch haben sich zuletzt demonstrativ hinter die VW-Chefetage gestellt. Ein Porsche-Sprecher teilte am Mittwochmorgen mit, dass der Großaktionär, die Porsche SE, den Vorstand entlasten werde.

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Volkswagen: Dirty Diesel - die Chronik der Ereignisse im VW-Abgasskandal

Foto: Frank Leonhardt/ dpa

Das Vertrauen des Aufsichtsrats hat der Vorstand ebenfalls, so viel darf als sicher gelten. Auch nach den jüngsten Ermittlungen der Bafin und der Staatsanwaltschaft sehe der Aufsichtsrat keinen Grund für einen Vertrauensentzug, sagte ein Insider der Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag nach einer Sitzung des Kontrollgremiums in Hannover. "Es bleibt bei der Empfehlung, alle Vorstände zu entlasten."

Die Ermittler gehen dem Verdacht nach, dass Volkswagen im September 2015 womöglich bewusst verspätet über die finanziellen Folgen der millionenfachen Abgasmanipulation informierte, um den Aktienkurs zu manipulieren. Dem VW-Vorstand gehörten zu diesem Zeitpunkt 10 Männer an.

Das Pikante an der Empfehlung des Aufsichtsrats - auch der heutige Aufsichtsratschef Pötsch gehörte zum damaligen Zeitpunkt dem Vorstand an. Auch Pötsch ist dem Vorwurf der Marktmanipulation ausgesetzt. Schließlich war er seinerzeit Finanzvorstand in dem Konzern.

• Zur weiteren Einstimmung auf die möglicherweise aufregendste Hauptversammlung der jüngeren VW-Geschichte empfehlen wir zur Lektüre:

Entlastung oder nicht: VW-Aufsichtsrat zweifelt an Winterkorn und Diess Überblick: Auf diese Themen sollten Sie beim VW-Aktionärstreffen achten

VW-Strategie 2025: Aus 1 mach 3 - Müller schafft zwei neue Milliardenkonzerne

mit Nachrichtenagenturen