Freitag, 23. August 2019

Ergebnisse der VW-Hauptversammlung Volkswagens Wut-HV - die Spaltung der Aktionäre

Ermittlungen gegen Volkswagen-Aufsichtsratschef: Das sollten Sie über Hans Dieter Pötsch wissen
DPA

7. Teil: VW-Großaktionäre zeigen Kante - Daimler zeigt bald neuen Langstrecken-Stromer

8.30 Uhr: Schauen wir mal zum Wettbewerber, so viel Zeit muss sein. Daimler will sein neues Langstrecken-Elektroauto Ende September auf dem Pariser Autosalon vorstellen. "Dort wird ein elektrisches Fahrzeug von Mercedes-Benz mit rund 500 Kilometern Reichweite eine wichtige Rolle spielen", kündigte Daimler-Chef Dieter Zetsche am Dienstagabend an. "Das Auto der Zukunft wird elektrisch und emissionsfrei sein." Ziel sei es laut Zetsche, ab 2020 jährlich eine "wachsende sechsstellige Zahl" an Elektrofahrzeugen zu verkaufen.

In Wolfsburg wird man derlei Ansagen sehr genau verfolgen. Denn bislang ist die Auswahl an E-Mobilen bei Europas größtem Autokonzern überschaubar. Und als Verkaufsschlager mit einem überzeugenden Preis-Leistungsverhältnis taugt bislang keines aktuellen E-Modelle im VW-Konzern. Aber das soll sich bekanntlich ändern. In den kommenden vier Jahren will Volkswagen fast zwei Dutzend zusätzlicher Elektroauto- und Plug-In-Hybridmodelle vorstellen.

Warten auf den Einlass: Die große Markenshow der Autos aus dem Volkswagenkonzern gehört auch in der Krise dazu. Von Lamborghini bis zu den MAN-Lastwagen wird alles gezeigt.

8 Uhr: Vorstand und Aufsichtsrat des Volkswagens-Konzerns müssen heute in Hannover erstmals nach Bekanntwerden des Abgas-Skandals den Aktionären Rede und Antwort stehen. Es dürfte ein anstrengender, vielleicht auch nervenaufreibender Tag für Matthias Müller und Co. werden. Hinter vorgehaltener Hand heißt es im Konzern, Vorstand und Aufsichtsrat müssten sich wohl einen Tag lang nur anschreien lassen.

Denn die Aktionäre sind sauer. Und sie verlangen Antworten auf ihre Fragen. Die vielleicht wichtigste Frage: Wann wusste der Vorstand von den manipulierten Abgaswerten, und hat er die Finanzwelt zu spät informiert? Diesen Vorwurf machen viele Investoren der VW-Führung seit langem, er ist die Basis für milliardenschwere Schadenersatzklagen.

Doch damit nicht genug. Die Staatsanwaltschaft ermittelt und seit der am Dienstag bekannt gewordenen Anzeige der Finanzaufsicht Bafin gegen den kompletten Vorstand wegen des Verdachts der Marktmanipulation stellt sich den Aktionären natürlich auch die Frage: Kann und darf man diesen Vorstand überhaupt noch entlasten?

"Normale" stimmrechtslose Vorzugsaktionäre haben bei Volkswagen nicht viel zu sagen. Denn die Mehrheit der stimmberechtigten Stammaktien liegt bei den Großfamilien Porsche/Piëch. Und Wolfgang Porsche und Hans Michel Piëch haben sich zuletzt demonstrativ hinter die VW-Chefetage gestellt. Ein Porsche-Sprecher teilte am Mittwochmorgen mit, dass der Großaktionär, die Porsche SE, den Vorstand entlasten werde.

Das Vertrauen des Aufsichtsrats hat der Vorstand ebenfalls, so viel darf als sicher gelten. Auch nach den jüngsten Ermittlungen der Bafin und der Staatsanwaltschaft sehe der Aufsichtsrat keinen Grund für einen Vertrauensentzug, sagte ein Insider der Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag nach einer Sitzung des Kontrollgremiums in Hannover. "Es bleibt bei der Empfehlung, alle Vorstände zu entlasten."

Die Ermittler gehen dem Verdacht nach, dass Volkswagen im September 2015 womöglich bewusst verspätet über die finanziellen Folgen der millionenfachen Abgasmanipulation informierte, um den Aktienkurs zu manipulieren. Dem VW-Vorstand gehörten zu diesem Zeitpunkt 10 Männer an.

Das Pikante an der Empfehlung des Aufsichtsrats - auch der heutige Aufsichtsratschef Pötsch gehörte zum damaligen Zeitpunkt dem Vorstand an. Auch Pötsch ist dem Vorwurf der Marktmanipulation ausgesetzt. Schließlich war er seinerzeit Finanzvorstand in dem Konzern.

• Zur weiteren Einstimmung auf die möglicherweise aufregendste Hauptversammlung der jüngeren VW-Geschichte empfehlen wir zur Lektüre:

Entlastung oder nicht: VW-Aufsichtsrat zweifelt an Winterkorn und Diess Überblick: Auf diese Themen sollten Sie beim VW-Aktionärstreffen achten

VW-Strategie 2025: Aus 1 mach 3 - Müller schafft zwei neue Milliardenkonzerne

mit Nachrichtenagenturen

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