Montag, 17. Juni 2019

Ergebnisse der VW-Hauptversammlung Volkswagens Wut-HV - die Spaltung der Aktionäre

Ermittlungen gegen Volkswagen-Aufsichtsratschef: Das sollten Sie über Hans Dieter Pötsch wissen
DPA

4. Teil: Schuldfrage bleibt weiter offen - VW hält Infos aus Abschlussbericht zurück

11.55 Uhr: Emissionstests werden bei Volkswagen künftig grundsätzlich extern und unabhängig überprüft, kündigt Müller an. Auch bei der Unternehmenskultur will Müller einiges ändern. "Gesetzestreues und wertegeleitetes Handeln", muss "noch konsequenter im gesamten Unternehmen" verankert werden, drückt es der Vorstandschef etwas geschwollen aus. Künftig erhält der Vorstand vierteljährlich ausführliche Risikoberichte. Müller macht also mal - auch auf anderer Ebene: Bei den Aufzügen in der Verwaltung ist nun die Funktion "Vorstandsfahrt" abgeschafft, meldet er seinen Aktionären.

11.47 Uhr: Der VW-Chef gibt einen kurzen Überblick über die Konzernmaßnahmen gegen den Diesel-Skandal: Für die Reparaturen in Europa hat VW vom Kraftfahrt-Bundesamt die Freigabe für 3,7 Millionen Fahrzeuge - insgesamt sind europaweit 8,5 Millionen Fahrzeuge mit der Schummel-Software ausgestattet. In den USA arbeite man mit Hochdruck an einem Vergleich samt technischen Maßnahmen für die betroffenen Kunden. Und Müller sagt auch etwas über veränderte interne Prozesse: So sei nun die Freigabe der Software anders und besser organisiert.

Stimmt die Chemie noch? Der Eindruck täuscht wohl, denn auf der HV ziehen Volkswagen-Chef Müller (l.) und AR-Chef Pötsch strategisch und argumentativ an einem Strang

11.40 Uhr: Nun redet VW-Chef Müller - und gibt sich ebenfalls demütig. Seit September hat Müller den Spitzenjob bei dem Autoriesen inne. Diese Aufgabe habe er mit "großem Respekt, aber auch mit Zuversicht" angenommen, sagt Müller, der im schwarzen Anzug mit weißem Hemd und gelb-purpur-silbern gestreifter Krawatte einen ziemlich eleganten optischen Eindruck macht. Müller wiederholt zur Diesel-Thematik, was er oft erklärt hat: Die Software-Manipulationen haben "unser höchstes Gut beschädigt: Das Vertrauen der Menschen in unser Unternehmen und unsere Produkte". Müller bittet deshalb coram publico "um Entschuldigung dafür, dass auch Ihr Vertrauen in Volkswagen enttäuscht worden ist".

11.35 Uhr: Pötsch kündigt an, dass der Aufsichtsrat "ohne Ansehen der Person" Schadensersatzansprüche gegen ehemalige und amtierende Vorstandsmitglieder prüfen will. Aufsichtsrat und Vorstand blieben jedoch bei ihrem Vorschlag, beiden Gremien die Entlastung zu erteilen.

11.30 Uhr: Bei der Beschlussfassung zur Entlastung des Vorstands hat sich Pötsch der Stimme enthalten, erklärt er nun. Das ist logisch, denn letztlich war Pötsch ja im vergangenen Jahr noch selbst im VW-Vorstand vertreten. Doch solches Verhalten zeigt natürlich auch die Corporate-Governance-Problematik bei dem Autokonzern. Wenn Vorstände direkt an die Spitze des Aufsichtsrats wechseln ohne Cooling-Off-Periode, geht das wohl nicht anders. Immerhin liegen zwei Rechtsgutachten vor, führt er aus. "Beide kommen zum Ergebnis, dass derzeit keine gravierenden Rechtsverletzungen vorliegen, die der Entlastung entgegenstehen".

11.20 Uhr: Dass Pötsch noch immer nichts aus dem Abschlussbericht präsentieren kann, darf oder will, muss die Aktionäre natürlich misslaunig stimmen. Der AR-Chef versucht das zu erklären: In den USA läuft eine Klage des Department of Justice gegen Volkswagen und seine Tochter Audi, für den angestrebten Vergleich in den USA hat der zuständige Richter die Frist nun bis zum 28. Juni verlängert. "Die Verhandlungen befinden sich weiterhin in einem sensiblen Stadium", sagt Pötsch. Von ihrem erfolgreichen Abschluss hänge viel ab, Aussagen zum Stand der Ermittlungen würde die Verhandlungsposition von VW "erheblich geschwächt".

11.13 Uhr: Pötsch erklärt den Aktionären in nüchternen Worten den Ablauf des Diesel-Skandals, der im Konzern weiterhin "Diesel-Thematik" heißt. Die internen Ermittler der Kanzlei Jones Day hätten völlig freie Hand, versichert Pötsch. Die Ergebnisse ihres Abschlussberichts kann Pötsch aber auch diesmal nicht vorstellen. "Wir alle wissen, wie wichtig Transparenz und Vertrauen ist", sagt er.

11 Uhr: Aufsichtsrats-Vize Jörg Hofmann rechtfertigt Pötschs Wechsel vom Stuhl des Finanzvorstands an die Spitze des Kontrollrats. Der IG-Metall-Chef sagt, Pötsch sei ohne jeden Zweifel für den Posten qualifiziert und genieße das Vertrauen der Großaktionäre. "Der Aufsichtsrat beabsichtigt, ihn anschließend zum Vorsitzenden des Aufsichtsrats zu wählen."

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