Donnerstag, 20. Juni 2019

Ergebnisse der VW-Hauptversammlung Volkswagens Wut-HV - die Spaltung der Aktionäre

Ermittlungen gegen Volkswagen-Aufsichtsratschef: Das sollten Sie über Hans Dieter Pötsch wissen
DPA

2. Teil: Der Auftritt der "Wutaktionäre" - und der "Wurst-Case"

Hilft gegen roten Kopf und Bluthochdruck: VW-Wurst aus eigener Produktion

14.16 Uhr: Vielleicht sollten die wütenden Kleinaktionäre mal auf einen VW-Hauptversammlungsklassiker zur Gemüterberuhigung setzen - die Currywurst aus der werkseigenen Produktion. Denn die wird bei den Aktionärstreffen der Wolfsburger traditionellerweise serviert. Wir haben da bereits knallhart recherchiert: Diesmal kommt sie in Ragout-Variante, dazu wird passend zur Fußball-EM Baguette gereicht. Anders als bei Daimler-Hauptversammlungen herrscht keine "Wurst-Case" -Gefahr. Bei den Wolfsburgern geht es zwar aktuell um die Wurst, doch selbige garantiert nicht aus. Zeit für eine Essenspause vor Ort in Hannover - wir melden uns in Kürze gestärkt zurück.

14.11 Uhr: Sie merken es schon, der Ton auf der HV wird rauer. Jetzt haben die "Wutaktionäre" ihren Auftritt - im Anzug mit Krawatte oder auch mal in Jeansjacke mit aufgebügelten Stickern. "Sie kriegen hier keine Ruhe mehr, bevor sie hier aufhören. Sie sind Täter und kein Opfer", schleudert einer von Ihnen Aufsichtsratschef Pötsch entgegen. "Dem Kleinaktionär, der hier seine Meldung machen will, einfach seine Zeit zu stehlen, das können sie nicht", echauffiert sich ein anderer über die von Pötsch verhängte Redezeit-Begrenzung.

14 Uhr: Hans-Christoph Hirt vom Fonds Hermes, der zahlreiche Pensionsfonds berät, hat sich schon im Vorfeld kritisch zu Volkswagen geäußert. Der Experte für gute Unternehmensführung hat Volkswagen schon seit zehn Jahren im Fokus und kartet jetzt nochmal nach. Er konstatiert einen "massiven Kollateralschaden" durch den Diesel-Skandal für die gesamte Branche und stellt die Zukunftsfähigkeit des Konzerns infrage. Auch hält er die Besetzung des Aufsichtsrats für "höchst fragwürdig". "Wir brauchen mehr Branchenexpertise", fordert er. Hirt stellt einen Antrag auf die Einsetzung eines unabhängigen Sonderprüfers in der Diesel-Affäre. Der hat zwar gegen die Stimmen der Porsches und Piëchs keine Chance - doch damit könne er gerichtlich eine Sonderprüfung durchsetzen, hatte er schon zuvor angekündigt.

13.25 Uhr: Es hagelt weiter Kritik für das Volkswagen-Management. "Wir stehen vor einem Trümmerhaufen", sagt Ulrich Hocker, Chef der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz - und fragt, ob der Dieselmotor überhaupt noch eine Chance hat und das Stickoxid-Problem der Aggregate kostengünstig gelöst werden kann.

13.15 Uhr: Pötsch kann die Hauptversammlung als Versammlungsleiter fortsetzen - der Antrag zu seiner Abwahl ist gescheitert, verkündet er nun. Und alles andere als knapp: 0,02 Prozent der abgegebenen gültigen Stimmen stimmten für die Abwahl Pötschs, der Rest dagegen.

13 Uhr: Auch Markus Dufner vom Dachverband Kritische Aktionäre geht Pötsch in seiner Rede hart an. Es gebe einen begründeten Verdacht, dass Pötsch eine Mitverantwortung dafür trage, dass Volkswagen zu spät über die Dieselmanipulation informierte. Dem deutschen Corporate-Governance-Kodex zufolge dürfte Pötsch erst im Herbst 2017 Chefkontrolleur des Autoriesen sein, sagt Dufner. "Sie mögen das Vertrauen der Familien Piëch und Porsche genießen. Doch Sie sind der personifizierte Interessenkonflikt", schießt sich Dufner auf Pötsch ein. Beide Kleinaktionäre stellen einen Antrag zur Abwahl von Pötsch als Versammlungsleiter. Pötsch lässt nun darüber abstimmen - und das dauert ....

12.35 Uhr: Mehr als 40 Wortmeldungen von Aktionären liegen Aufsichtsratschef Pötsch vor, der deshalb die Redezeit auf fünf Minuten begrenzt. Das mindert aber auch nicht die Härte der Angriffe gegen die VW-Manager und Pötsch persönlich. Aktionär Manfred Klein etwa, schnauzbärtig, gedrungen und nicht gerade milde gestimmt, rückt den Konzern in die Nähe krimineller Machenschaften. Wie man darauf käme "weltweit zu bescheißen, um ein paar lausige Cent zu sparen", will er wissen. Als Pötsch ihn auf die Beschränkung der Redezeit auf 5 Minuten hinweist, wirft er Pötsch vor, sich "zum Richter in eigener Sache" zu machen. Die Aktionäre sollen einen unabhängigen Vertreter zum Versammlungsleiter wählen, fordert er.

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