Nachfrage in China ist zurück VW stoppt Absatzeinbruch im Juni

Immer mehr Unternehmen überraschen mit Zahlen zum zweiten Quartal, die trotz der Corona-Krise nicht so schlimm ausfallen wie befürchtet. Der Autobauer VW reiht sich in die Riege ein.
VW Jetta in Peking, China: Seit dem Start im vergangene Herbst haben die drei Jetta-Modelle bereits einen Marktanteil von fast einem Prozent errungen

VW Jetta in Peking, China: Seit dem Start im vergangene Herbst haben die drei Jetta-Modelle bereits einen Marktanteil von fast einem Prozent errungen

Foto: KIM KYUNG-HOON/ REUTERS

Im VW-Konzern hat sich der Verkaufseinbruch durch die Corona-Krise im Juni etwas abgeschwächt. Wie das Unternehmen am Freitag mitteilte, gingen die weltweiten Auslieferungen im Vergleich zum Vorjahresmonat um 17,5 Prozent auf etwa 804.000 Fahrzeuge zurück. Das entspricht einer Stabilisierung gegenüber dem Mai, als das Minus noch rund ein Drittel (33,7 Prozent) betragen hatte. Für das gesamte erste Halbjahr steht eine Abnahme der Verkäufe um 27,4 Prozent auf knapp 3.900.000 Wagen in der Absatzstatistik. Betrachtet man nur das zweite Quartal 2020, liegen die Einbußen bei 31,6 Prozent.

Unter den einzelnen VW-Konzernmarken mussten im Juni vor allem Seat (minus 40,5 Prozent) und der Lastwagenbauer Scania (minus 41,3 Prozent) erneut deutliche Verluste bei den Auslieferungen hinnehmen. Die VW-Kernmarke verbesserte sich von einem Rückgang um 29,7 Prozent im Mai auf ein Minus von zuletzt noch 17,6 Prozent. Bei Skoda nahmen die Verkäufe um 16,0 Prozent ab, bei Audi um 8,1 Prozent. Porsche war mit minus 1,8 Prozent kaum noch betroffen, MAN mit minus 33,3 Prozent und die leichten VW-Nutzfahrzeuge mit minus 26,2 Prozent dafür umso mehr.

Während sich das Geschäft von Volkswagen in China im Juni weiter erholte (minus 3,9 Prozent) und für die gesamte übrige Region Asien-Pazifik sogar wieder eine leichte Steigerung zustande kam (+0,2), blieben die Verkaufsrückgänge vor allem im Heimatmarkt Westeuropa (minus 29,9) sowie in Südamerika (minus 27,0) und Nordamerika (minus 22,8) beträchtlich. Die Werte waren aber nicht mehr so dramatisch wie noch im Vormonat.

VWs China-Chef blickt optimistisch auf das zweite Halbjahr

Insgesamt blickt Volkswagen zuversichtlich auf seinen wichtigsten Absatzmarkt China. "Alle unsere Marken schlagen sich ziemlich gut", sagte Stephan Wöllenstein, Chef von VW in China, am Freitag vor Journalisten in Peking. Er gehe davon aus, dass die VW-Gruppe in der zweiten Jahreshälfte wieder ähnlich abschneiden werde wie im zweiten Halbjahr 2019.

Der Markt war in den ersten drei Monaten des Jahres infolge der Coronavirus-Beschränkungen stark eingebrochen. Inzwischen befinde man sich in einer "V-förmigen" Erholung, sagte Wöllenstein. Nachdem die Verkäufe im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 35 Prozent abgesackt waren, lag das Minus Ende des ersten Halbjahres noch bei 17 Prozent. Das zeige, dass viel Geschäft aufgeholt werden konnte, so Wöllenstein.

Trotz der beachtlichen Erholung wird es laut Wöllenstein nicht zu schaffen sein, sämtliche Einbußen bis zum Jahresende aufzuholen. Man erwarte für das Gesamtjahr ein Minus beim Absatz im einstelligen Bereich. Allerdings werde Volkswagen wahrscheinlich Marktanteile gewinnen, da sich der Gesamtmarkt in China schwächer entwickle als VW.

Im Geschäft mit Oberklasse-Fahrzeugen sei sogar ein leichtes Plus möglich. Erfreulich entwickle sich auch die für den chinesischen Markt konzipierte Einstiegsmarke Jetta. Seit dem Start im vergangene Herbst hätten die drei Jetta-Modelle bereits einen Marktanteil von fast einem Prozent errungen.

Laut Wöllenstein hilft die starke Erholung in China dabei, den VW-Konzern derzeit international zu stützen. Jedoch gebe es auch in der Volksrepublik weiterhin Unsicherheiten. So könne nicht ausgeschlossen werden, dass es im Herbst oder Winter, wenn sich das Wetter wieder abkühlt, zu einer neuen Corona-Welle auch in China kommt.

mg/dpa-afx
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