US-Umweltbehörde macht Druck VW muss vermutlich viele Diesel-Autos zurückkaufen

Von mm-newsdesk
VW-Dieselmotor: Laut Carb-Chefin Mary Nichols ist es "ziemlich wahrscheinlich, dass VW wenigstens einen Teil der Flotte von den Besitzern zurückkaufen muss"

VW-Dieselmotor: Laut Carb-Chefin Mary Nichols ist es "ziemlich wahrscheinlich, dass VW wenigstens einen Teil der Flotte von den Besitzern zurückkaufen muss"

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Volkswagen muss einen Teil der knapp 500.000 vom Abgasskandal betroffenen Diesel-Fahrzeuge in den USA womöglich zurückzukaufen. Die Chefin der kalifornischen Umweltbehörde Carb, Mary Nichols, sagte dem "Handelsblatt", es sei "ziemlich wahrscheinlich, dass VW wenigstens einen Teil der Flotte von den Besitzern zurückkaufen muss". Denn Erfahrungen mit anderen Herstellern hätten gezeigt, dass ein Nachrüsten der Fahrzeuge oft nicht so gut funktioniere wie geplant.

Der Autobauer muss der kalifornischen Behörde bis zum heutigen Freitag einen Plan für technische Lösungen vorlegen, um den Abgasbetrug zu beenden. Nichols fordert ein Umweltkonzept, das die zusätzlichen Emissionen der Fahrzeuge ausgleicht. "Ganzseitige Anzeigen in der Zeitung zu schalten und den Kunden 1000 Dollar anzubieten, ist ja nett. Aber das ist noch nicht einmal ansatzweise genug, um das Ausmaß des Schadens zu thematisieren", sagte sie. Bei der EU-Kommission in Brüssel lief am Donnerstag eine Frist zur Vorlage von Informationen aus, VW stellte Antrag auf Verlängerung.

Insidern zufolge steht auch der Zulieferer Robert Bosch im Visier der US-Ermittler. Staatsanwälte im Justizministerium in Washington prüften, ob der Stuttgarter Konzern von den jahrelangen VW-Schummeleien gewusst habe oder daran beteiligt gewesen sei, sagten mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Die Ermittlungen stünden noch am Anfang. Zudem gibt es demnach keine Anzeichen, dass es Beweise für ein Fehlverhalten von Bosch gebe. Bosch, das US-Justizministerium und VW lehnten Stellungnahmen ab.

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Volkswagen: Dirty Diesel - die Chronik der Ereignisse im VW-Abgasskandal

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VW hat zugegeben, in Millionen Dieselfahrzeugen eine Software eingesetzt zu haben, mit der Abgastests umgangen wurden, um eine Zulassung der Autos zu bekommen. Der Skandal hat den Wolfsburger Konzern in eine tiefe Krise gestürzt. Wie das manager magazin in seiner aktuellen Ausgabe berichtet, plant VW inzwischen die Produktion von Elektroautos in Serie.

Von Bosch kommen wichtige Bauteile in dem Diesel-Motor, der in sechs betroffenen Volkswagen-Modellen und in einem betroffenen Audi-Modell genutzt wird. Rechtsexperten zufolge ist eine entscheidende Frage, ob der Zulieferer gewusst hat, dass seine Technologie für Manipulationen eingesetzt wird. "Wenn man weiß, dass ein Vergehen begangen wird, und man aktiv dazu beiträgt, dass es zu dem Vergehen kommt, sitzt man in der Patsche", erläuterte der auf Umweltrecht spezialisierte Anwalt Daniel Riesel von der Kanzlei Sive, Paget & Riesel.

Aufsichtsrat entscheidet über Finanzstrategie

Am heutigen Freitag muss der Aufsichtsrat von Volkswagen die Weichen für die Finanzstrategie stellen. Konzernchef Matthias Müller hatte bereits kurz nach seiner Amtsübernahme angekündigt, wegen der Dieselkrise alle Investitionen auf den Prüfstand stellen zu wollen. Wie groß die Kürzungen ausfallen, ist aber noch offen. Noch vor einem Jahr hatte Volkswagens bis 2019 Ausgaben von 85,6 Milliarden Euro jährlich angepeilt. Nach der Manipulation mit Hilfe einer Software für Abgastests bei Millionen Fahrzeugen drohen jetzt Milliardenkosten.

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ts/Reuters/dpa-afx
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