Dienstag, 12. November 2019

Diesel-Vergleich nicht abgenickt "Unverschämt" - Australischer Richter stellt Volkswagen bloß

Volkswagen-Verwaltungsgebäude in Wolfsburg

Neuer Diesel-Ärger für Volkswagen: Ein australischer Richter hat den Vergleich, mit dem der Autobauer den Diesel-Skandal in dem Land eigentlich abhaken wollte, laut "Frankfurter Allgemeiner Zeitung" "in der Luft zerrissen": 75 Millionen australische Dollar Strafzahlung seien absolut ungenügend, sagte Lindsay Foster, "ich akzeptiere die Einlassung nicht, sie ist unverschämt."

Volkswagen hatte den Vergleich erst im September ausgehandelt; der Deal hatte weltweit für Aufsehen gesorgt. Während in Deutschland die juristische Aufarbeitung des Abgasskandals erst anläuft, hoffte Volkswagen, diese in Australien damit bereits hinter sich zu haben. Die Sammelklage wäre abgewehrt worden - ohne ein Schuldeingeständnis und für relativ kleines Geld.

Neben 75 Millionen Dollar Strafzahlung und 4 Millionen Dollar Gerichtskosten hatte der Autobauer zugestimmt, australischen Sammelklägern mindestens 87 Millionen Dollar an Entschädigungen zu zahlen. Nach Fosters Einlassungen könnten diese Summen laut dem britischen "Guardian" nun weiter ansteigen, denn der Deal wäre nur mit richterlicher Billigung wirksam geworden.

75 Millionen australische Dollar (knapp 46 Millionen Euro) seien ungenügend, bedenke man "Ausmaß, Auswirkung und Vorsatz", zitiert die australische "Financial Review" den Richter. Dass Volkswagen die Auswirkungen von Emissionen auf die Umwelt herunterspiele, sei "ein Haufen fauler Ausreden".

Die Aufsichtsgremien des Konzerns seien offensichtlich "hoffnungslos", wenn Volkswagen immer noch behaupte, der Aufsichtsrat habe nichts vom Betrug gewusst: "Heißt das nicht, dass sie absolut keine Ahnung davon hatten, was im Konzern vorging?" Und weiter: "Jemand muss davon gewusst haben. Jemand muss die Schecks unterschrieben haben."

Volkswagens Anwalt Garry Rich verwies laut "Financial Review" darauf, dass die Summe die größte sei, die jemals in Australien wegen solcher Verstöße gezahlt worden sei. Richter Foster wollte das allerdings nicht gelten lassen: "Das ist nicht viel Geld für Volkswagen. Das ist es einfach nicht."

In den USA hatte Volkswagen insgesamt mehr als 25 Milliarden US-Dollar Strafen und Entschädigungen zahlen müssen, in Deutschland läuft aktuell ein Sammelverfahren an.

luk

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