Warum VW jetzt eine Anwalts-Armada braucht Klagewelle gegen Volkswagen - der Länder-Überblick

Welche Staaten derzeit gegen Volkswagens Abgas-Manipulationen vorgehen, zeigt folgender Überblick. Er zeigt auch, welche Behörden involviert sind - und welche Strafhöhen VW drohen.
VW-Wagen vor einem Autohaus: Die Händler müssen nun eine weitere VW-Schummelei erklären

VW-Wagen vor einem Autohaus: Die Händler müssen nun eine weitere VW-Schummelei erklären

Foto: Julian Stratenschulte/ dpa

In den USA händigt Volkswagen Gutscheine aus, für Europa arbeitet der Autohersteller an Software-Updates und neuen Bauteilen: Die Klärung des Skandals um manipulierte Abgaswerte und die Planung der Reparaturen halten den Volkswagen-Konzern seit Wochen auf Trab.

Die Dimensionen sind gewaltig: Elf Millionen Diesel-Fahrzeuge der VW-Konzerns haben eine Software an Bord, die Stickoxid-Werte manipuliert. Bei 800.000 Fahrzeugen hat VW falsche Angaben zum CO2-Ausstoß gemacht. Die Reparaturen der Diesel-Motoren erfordern laut VW tausende Einzellösungen, deshalb hält sich der Konzern seit Wochen mit Details zu Zeitplänen zurück.

Das sorgt für Druck: Die kalifornische Umweltbehörde droht VW mit Strafen, wenn die Wolfsburger nicht bald einen akzeptablen Plan vorlegen. Die EU-Kommission drängt darauf, dass VW die falschen CO2-Angaben korrigiert. Sollte Volkswagen dann jedoch nicht mehr die strengen CO2-Flottenvorgaben erfüllen, seien auch Geldstrafen möglich.

In mehreren Ländern messen nationale Behörden nun den Abgas-Ausstoß von Fahrzeugen unter realen Fahrbedingungen nach. Wegen der falschen CO2-Angaben drohen VW in mehreren Ländern Nachzahlungen für Kfz-Steuern. Weltweit ermitteln Behörden wegen möglicher Verstöße von VW gegen Umweltgesetze, einige LÄnder wollen Subventionen zurückfordern. Rechtsanwälte bereiten Sammelklagen geschädigter Käufer vor.

Auf den folgenden Seiten zeigen wir, was Volkswagen  in den einzelnen Ländern von Behördenseite droht - und auf welche kostspieligen Rechtsstreitigkeiten sich der Konzern einstellen muss.

USA: Umweltbehörde droht mit "drakonischen" Strafen

VW-Händler in den USA: Hier werden erstmal keine Touaregs mit Dreiliter-Dieselmotor verkauft

VW-Händler in den USA: Hier werden erstmal keine Touaregs mit Dreiliter-Dieselmotor verkauft

Foto: Cj Gunther/ dpa

Am Freitag, den 20. November muss Volkswagen den US-Regulierern Vorschläge für den Rückruf von knapp 500.000 Diesel-Fahrzeugen vorlegen. In den Fahrzeugen ist eine spezielle Software zur Manipulation von Emissionstests in den USA installiert.

Kurz vor Ablauf des Ultimatums hält die kalifornische Umweltbehörde CARB den Druck auf Volkswagen aufrecht. "Wenn sie keinen Plan vorlegen, der für uns und die EPA akzeptabel ist, dann stehen uns Strafen zur Verfügung - es geht nicht ewig so weiter, es gibt eine Deadline", sagte CARB-Chefin Mary Nichols. Allerdings werde man den Wolfsburgern noch etwas Zeit geben. Es gehe allerdings nicht darum, VW mit Strafen zu überziehen, sondern eine Lösung zu finden.

Sollte sich VW bei einem Rückruf nicht an die Vereinbarungen halten, gäbe es die Möglichkeit, die betroffenen Autos aus dem Verkehr zu ziehen, sagte Nichols. Bei der jährlichen Erneuerung der Registrierung würde dann die Fahrerlaubnis verweigert. "Dies sind drakonische Strafen, und es ist überflüssig zu sagen, dass wir nicht hoffen, sie verhängen zu müssen." Doch die exzessive Luftverpestung durch die Fahrzeuge müsse gestoppt werden. "Wir warten noch immer darauf, wie das gelöst werden kann."

Als erstes Zeichen der Wiedergutmachung für den Abgasskandal hat Volkswagen in den Nordamerika ein Gutscheinprogramm gestartet. Bisher haben 120.000 geschädigte Kunden Einkaufsgutscheine im Wert von tausend Dollar angenommen.

Allerdings droht VW in den USA auch eine Ausweitung des Diesel-Skandals: Die US-Umweltbehörde EPA beschuldigte VW vor einigen Wochen, nicht nur bei kleineren Dieselmotoren bis zwei Litern Hubraum bei der Abgaskontrolle getrickst zu haben - sondern auch bei Dreiliter-Motoren verbotene Software zu nützen. Volkswagen bestreitet die neuen Vorwürfe vehement, hat aber für die betroffenen Modelle einen vorübergehenden Verkaufsstopp verhängt.

Selbst Landkreise reichen Klage ein - wegen Luftverpestung

Mitte September hatte Volkswagen gegenüber der EPA den Einsatz einer Software zugegeben, die offizielle Abgastests am Prüfstand erkennt und manipuliert. Nach VW-Angaben wurde diese Software jedoch nur bei dem älteren Dieselmotor EA189 eingesetzt, den es als 1,2-Liter-Dreizylinder und Vierzylinder mit 1,6 oder 2 Litern Hubraum gab.

Die EPA wirft VW einen Verstoß gegen das US-Klimaschutzgesetz "Clean Air Act" vor und hat deshalb strafrechtliche Ermittlungen eingeleitet. Untersuchungen gegen VW führt auch das US-Justizministerium und die US-Wettbewerbshüter durch. Letztere werden unter anderem bei dem Verdacht auf irreführende Werbung aktiv.

Im Extremfall drohen Volkswagen alleine durch die Clean Air-Act-Verstöße Strafzahlungen von 18 Milliarden Dollar. Da Volkswagen nun mit der EPA kooperiert, ist die Verhängung der Maximalstrafe unwahrscheinlich. Allerdings sind das beileibe nicht die einzigen Kosten, die auf VW in den USA zukommen.

Auch zwei US-Bundesstaaten - West Virginia und Texa - haben VW bereits verklagt. Sie werfen dem Autohersteller Verstöße gegen Luftschutzgesetze und den Konsumentenschutz vor. Der Landkreis Harris County in Texas, zu dem die Millionenstadt Houston gehört, verklagt VW auf mehr als 100 Millionen Euro. Volkswagens Abgas-Betrug habe die Bemühungen des Landkreises zur Verbesserung der Luftqualität untergraben, heißt es zur Begründung.

US-Anwälte haben über 200 Sammelklagen gegen den Volkswagen-Konzern eingereicht - vorrangig wegen des Wertverlusts von VW-Dieselfahrzeugen durch die Abgasaffäre.

EU hält Geldstrafen wegen CO2-Verstößen für möglich

Gebäude der EU-Kommission in Brüssel: VW muss wegen der CO2-Verstöße eventuell Strafen zahlen

Gebäude der EU-Kommission in Brüssel: VW muss wegen der CO2-Verstöße eventuell Strafen zahlen

Foto: YVES HERMAN/ REUTERS

Auch die EU-Kommission hat sich in den VW-Abgasskandal eingeschaltet. Rund 8,5 Millionen Diesel-Fahrzeuge muss Volkswagen in Europa zurückrufen, zudem hat der Konzern bei rund 700.000 Diesel- und 100.000 Benzinfahrzeugen falsche Angaben zum CO2-Verbrauch gemacht.

Die Brüsseler Behörde kündigte vor einigen Wochen an, nationale Regulierer und deren Kfz-Zulassungswesen unter die Lupe zu nehmen . Mit der Manipulation von Diesel-Abgastests hat Volkswagen laut Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt auch gegen Europarecht verstoßen. Damit muss VW europaweit mit Schadenersatzforderungen und Strafverfahren rechnen.

Vor kurzem erklärte der EU-Kommissar für Klimaschutz und Energie, Miguel Arias Cañete, zudem, dass VW im Fall der CO2-Verstöße eventuell Strafen zahlen müsse. "Volkswagen muss innerhalb der zulässigen Spanne von zehn Prozent der Emissionsrichtwerte liegen. Wenn das trotz Korrekturen so bleibt, ist alles in Ordnung", sagte Arias Cañete dem "Handelsblatt". Falls dies nicht gelinge, könnte die EU-Kommission Geldstrafen verhängen.

Für das erste Gramm CO2, das pro Kilometer über den Grenzwerten ausgestoßen wird, sind nach den Worten des EU-Kommissars fünf Euro fällig, für das zweite 15 Euro, 25 Euro für das dritte und dann für jedes weitere Gramm 95 Euro. "Und zwar für jedes Auto, das in den betreffenden Jahren verkauft wurde", stellte Arias Cañete klar.

Deutschland: Verbraucherschutzminister fordert VW zu Großzügigkeit bei Gewährleistungsfristen auf

Verbraucherschutzminister Heiko Maas drängt Volkswagen zu einer großzügigeren Auslegung Fristen bei Gewährleistungsansprüchen

Verbraucherschutzminister Heiko Maas drängt Volkswagen zu einer großzügigeren Auslegung Fristen bei Gewährleistungsansprüchen

Foto: Markus Schreiber/ AP

In Deutschland hat der Volkswagen-Konzern zugesagt, 2,4 Millionen Diesel-Pkw nachrüsten. Bei 540.000 dieser Fahrzeuge reicht ein reines Software-Update nicht aus, sie müssen mit neuen Bauteilen, etwa einem größeren Katalysator, aufgerüstet werden. Der Rückruf in Deutschland soll Anfang 2016 beginnen und sich bis Ende des Jahres hinziehen.

Zugesagt hat Volkswagen auch, höhere Zahlungen von Kfz-Steuern wegen falscher CO2-Werte zu übernehmen. Unklaren ist noch, ob Volkswagen Autobesitzern bei Nebenkosten des Rückrufs wie Verdienstausfall, Mietwagen und geringere Wiederverkaufswerte entgegenkommt. Die Bundesregierung will laut Bundesverbraucherschutzminister Heiko Maas darauf hinwirken, dass VW die bestehenden Ansprüche von Fahrzeuginhabern erfüllt - und auch die Fristen für Gewährleistungsansprüche großzügiger auslegt.

Im Zuge der Abgasaffäre ermitteln mehrere Behörden gegen Volkswagen: Das KBA prüft seit Ende September Abgaswerte nach - nicht nur von VW, sondern auch von anderen Herstellern. Dabei hat die Behörde auch erhöhte Stickoxid-Werte bei einigen Modellen der Konkurrenz festgestellt und wertet die Ergebnisse nun aus. Ob auch die VW-Konkurrenz bei den Prüfstandstest manipuliert hat, lässt sich daraus noch nicht ableiten.

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt seit einigen Wochen gegen Volkswagen wegen der Stickoxid-Manipulationen. Mitte Oktober führten Ermittler auch Razzien in VW-Büros durch. Nun haben die Staatsanwälte auch ein Vorermittlungsverfahren wegen falscher Angaben von CO2-Werten gestartet.

Ungemach droht Volkswagen auch von der Bafin - und letztlich auch von Anwälten, die auf Anleger-Klagen spezialisiert sind. Denn nun verdichten sich die Hinweise, dass Manager des Autobauers früher als bisher bekannt von Manipulationen Bescheid wussten. Vertreter des Autobauers räumten am 19. August in Gesprächen mit der kalifornischen Umweltbehörde CARB Unregelmäßigkeiten bei Programmen für die Motorsteuerung ein, berichteten das "Handelsblatt" und das ZDF-Magazin "Frontal21" unter Berufung auf eine vertrauliche Akte aus der niedersächsischen Staatskanzlei. Dort ist von einem "Teilgeständnis" die Rede.

Bafin überprüft VW

Ein VW-Konzernsprecher sagte am Mittwoch in Wolfsburg, dass es in den USA Abgasprobleme gegeben habe, habe der Vorstand, wie bereits bekannt, früher gewusst - aber nicht, dass es sich dabei um Manipulationen handle. Es habe über die Abgasprobleme monatelang Gespräche mit den US-Behörden gegeben. Diese seien von VW-Technikern geführt worden. Es habe darüber auch im August Gespräche mit der CARB gegeben. Die Mitteilung an die CARB vom 3. September sei von Managern unterhalb des Vorstandes gemacht worden.

Die Finanzaufsichtsbehörde Bafin überprüft bereits seit einigen Wochen, ob Volkswagen gegen Ad-Hoc-Veröffentlichungspflichten verstoßen und den Kapitalmarkt nicht rechtzeitig informiert hat. Dabei droht VW eine Maximalstrafe von einer Million Euro. Zudem geht die Bafin dem Verdacht nach, ob es bei den deutlichen Kurseinbrüchen der VW-Aktie nach Bekanntwerden der Abgas-Affäre zu Insiderhandel gekommen ist. Diese Untersuchungen sind allerdings noch im ersten von drei möglichen Schritt, der sogenannten routinemäßigen Analyse.

Das Justizministerium erwartet, dass deutsche Verbraucher Schadensersatzansprüche gegen VW geltend machen können. Die erste Klage hat ein VW-Aktionär bereits eingereicht - er fordert 20.000 Euro von dem Konzern. Anwälte wollen Musterverfahren anstoßen, die einer größeren Zahl an Geschädigten Geld bringen könnte - Sammelklagen nach US-Vorbild wird es in Deutschland kaum geben.

Landespolitiker drohen auch bereits, dass die manipulierten Diesel-Autos Probleme mit den Umweltplaketten bekommen könnten. Wie der SPIEGEL berichtete, könnten so millionenschwere Steuernachzahlungen auf VW zukommen.

Der Volkswagen-Konzern hat für den weltweiten Rückruf von 11 Millionen Fahrzeugen Rückstellungen in Höhe von 6,7 Milliarden Euro gebildet. Diese Summe soll nur die Reparatur- und Rückrufkosten abdecken.

Frankreich: Untersuchungen bestätigen "Mogelei" von Volkswagen

Rush Hour in Paris: Polizeibeamte durchsuchten bereits die Zentrale von VW Frankreich nahe Paris

Rush Hour in Paris: Polizeibeamte durchsuchten bereits die Zentrale von VW Frankreich nahe Paris

Foto: © Charles Platiau / Reuters/ REUTERS

In der Causa um falsche CO2-Angaben haben Frankreichs Behörden bislang noch nichts unternommen. In der Affäre um manipulierte Stickoxid-Werte, von der in Frankreich 950.000 Fahrzeuge betroffen sind, sind sie jedoch ziemlich aktiv.

Die französische Regierung hat den Stickoxid-Ausstoß von Diesel-Pkw auf der Straße untersuchen lassen - und zwar von mehreren Herstellern. VW-Autos überschritten den erlaubten Stickoxid-Wert um das Fünffache, bei Wagen anderer Hersteller lagen die Überschreitungen beim Faktor eineinhalb oder zwei. Das ist laut Umweltministerin Ségolène Royal "die Bestätigung für die Mogelei".

Mitte Oktober führten französische Ermittler Razzien im VW-Sitz nahe Paris durch. Die französische Justiz hat zudem bereits Vorermittlungen wegen schweren Betrugs eingeleitet.

Innerhalb der kommenden fünf Jahre reduziert Frankreichs Regierung den Steuervorteil für Diesel, der je Liter derzeit um 20 Cent weniger kostet als normales Benzin.

Umweltministerin Ségolène Royal erwägt auch, von VW Subventionen zurückzufordern, die der französische Staat beim Kauf sauberer Autos gewährt. Die Höhe der möglichen Rückforderung wird noch ermittelt.

Italien: Durchsuchungen in VW-Büros - auch bei Lamborghini

Lagunenstadt Venedig: Am 11. Februar müssen VW-Manager vor einem venezianischen Gericht erscheinen

Lagunenstadt Venedig: Am 11. Februar müssen VW-Manager vor einem venezianischen Gericht erscheinen

Foto: Ian Gavan/ Getty Images

Bislang sind Italiens Behörden nur in der Affäre um manipulierte Stickoxid-Werte bei Dieselmotoren aktiv geworden. Die italienische Finanzpolizei hat Mitte Oktober mehrere Büros von Volkswagen in Italien durchsucht. Betroffen waren Räumlichkeiten am Hauptsitz in Verona und bei der Tochter Lamborghini in Bologna.

Die Staatsanwaltschaft Verona ermittelt gegen einige Manager des Konzerns in Italien wegen des Verdachts auf Handelsbetrug. In Italien sind knapp 650.000 Autos von dem Skandal um gefälschte Stickoxid-Abgaswerte bei Volkswagen betroffen. Die Staatsanwaltschaft in Turin hatte bereits in der letzten Septemberwoche Ermittlungen aufgenommen. Auch die italienische Kartellbehörde beschäftigt sich mit dem Fall.

Zudem testet das italienische Verkehrsministerium seit Ende September stichprobenartig VW-Fahrzeuge auf Emissionen im Alltag. Insgesamt sollen rund 1000 Fahrzeuge überprüft werden - jeder Test kostet das Ministerium rund 8000 Euro. Bis spätestens Ende des Jahres will Italien so eigene Ergebnisse zur Einhaltung der Emissionsvorschriften haben.

Bereits am 30. September hat der italienische Umweltverband Codacons Klage gegen Volkswagen Italien eingereicht. Am 11. Februar 2016 müssen Volkswagen-Vertreter vor Richtern in Venedig erscheinen, um auf die Wiedergutmachungsanträge der Umweltschützer zu antworten. Die Umweltschützer fordern Besitzer von VW-Fahrzeugen auf, sich der Klage anzuschließen. Die Höhe möglicher Schadenersatz-Forderungen ist deshalb noch unklar.

Spanien: Nationaler Gerichtshof ermittelt seit Ende Oktober

Spanischer Autohändler: Gegen VW wird in Spanien bereits wegen Subventionsbetrug und Verstoß gegen Umweltgesetze ermittelt

Spanischer Autohändler: Gegen VW wird in Spanien bereits wegen Subventionsbetrug und Verstoß gegen Umweltgesetze ermittelt

Foto: Alvaro Barrientos/ ASSOCIATED PRESS

Die Ausweitung des VW-Abgas-Skandals auf falsche CO2-Angaben sorgt in Spanien für große Aufregung. Laut VW wurde bei 50.000 Fahrzeugen im Land der CO2-Ausstoß zu niedrig angegeben.

Der Konsumentenverband OCU forderte das Industrieministerium in Madrid dazu auf, eine "offizielle und dringende Untersuchung über das Ausmaß des Betruges" aufzunehmen. Man schließe eigene rechtliche Schritte gegen den deutschen Automobilhersteller wie Beantragung von Schadenersatz und Sanktionen nicht aus, so die Organisation weiter.

Ende Oktober hat der nationale Gerichtshof Ermittlungen gegen VW eingeleitet - wegen des Skandals um manipulierte Stickoxid-Abgaswerte. Laut Volkswagen sind in Spanien bis zu 680.000 Fahrzeuge mit Manipulationssoftware unterwegs.

Bei den Ermittlungen geht es unter anderem um Subventionsbetrug und Verstoß gegen Umweltgesetze.

Anfang Oktober reichte bereits die Gewerkschaft Manos Limpias Klage gegen Volkswagen ein - wegen Täuschung von Konsumenten und der Finanzbehörden sowie Umweltschädigung. Auch gegen den spanischen Staat geht die Gewerkschaft in einem Zivilrechtsverfahren vor, weil er nach Ansicht der Gewerkschaft dabei versagt habe, den Autohersteller adäquat zu überwachen.

Schweden: Volkswagen droht Steuernachzahlung

Altstadt von Stockholm: Die Schweden haben von VW Klarstellungen erbeten, um die Höhe einer möglichen Steuernachzahlung zu ermitteln

Altstadt von Stockholm: Die Schweden haben von VW Klarstellungen erbeten, um die Höhe einer möglichen Steuernachzahlung zu ermitteln

Foto: ? Bob Strong / Reuters/ REUTERS

Schweden prüft, ob Volkswagen wegen falscher Abgaswerte Steuern nachzahlen muss. "Falls sich herausstellt, dass die Emissionen höher waren als behauptet, kann es sein, dass einige Autos zu niedrig besteuert wurden", erklärte die schwedische Finanzministerin Magdalena Andersson bereits Anfang Oktober gegenüber dem staatlichen Radiosender SR. Die Regierung habe Klarstellungen von Volkswagen erbeten, "um ausrechnen zu können, in welchem Ausmaß der schwedische Staat geschädigt worden sein könnte".

In Schweden sind laut VW rund 225.000 Fahrzeuge mit der manipulierten Software ausgestattet, die beim normalen Fahren die Abgas-Nachbehandlung stark herunterfährt.

Österreich: Rückruf von 363.000 VWs angeordnet

Autobahn in Österreich: Österreichs Konsumentenschützer streben eine gütliche Lösung mit VW an

Autobahn in Österreich: Österreichs Konsumentenschützer streben eine gütliche Lösung mit VW an

Foto: Stefan Puchner/ dpa

Die zu niedrigen CO2-Angaben bei einigen VW-Modellen werden auch im Alpenland bereits diskutiert - denn österreichische Autokäufer zahlen beim Erwerb ihres Autos eine Abgabe, die sich auch nach dem CO2-Ausstoß bemisst. Das Finanzministerium stellte aber nun klar, dass es keine Nachforderungen an Autobesitzer geben wird, da die Abgabe von den Händlern direkt abgeführt wird. VW sagte auch seinen österreichischen Kunden zu, mögliche Steuernachzahlungen zu übernehmen.

Wegen der falschen Stickoxid-Werte beordern Österreichs Behörden 363.000 VW-Dieselfahrzeuge in die Werkstätten. Wie in Deutschland soll der Rückruf Anfang 2016 beginnen, die Reparaturen aller Fahrzeuge werden sich bis Ende 2016 hinziehen.

Österreichische Verbraucherschützer prüfen mögliche Schadenersatzansprüche an VW. Die Konsumentenschützer wollen aber vorerst nicht klagen, sondern zuerst für die Kunden eine allgemein gültige Lösung mit Volkswagen verhandeln. Wenn diese Einigung scheitert, planen sie eine Sammelklage.

Schweiz: Vorübergehendes Zulassungsverbot für Autos mit Motor EA 189

VW-Konzeptauto auf dem Genfer Autosalon: Die Schweizer Verkehrsbehörden lassen VW-Dieselautos mit dem TDI-Motor EA 189 derzeit nicht zu

VW-Konzeptauto auf dem Genfer Autosalon: Die Schweizer Verkehrsbehörden lassen VW-Dieselautos mit dem TDI-Motor EA 189 derzeit nicht zu

Foto: FABRICE COFFRINI/ AFP

In der Schweiz berichten Medien über die zu niedrigen CO2-Werte bei einigen VW-Modellen. Auf die betroffenen Autobesitzer könnten höhere Fahrzeugsteuern zukommen, meint etwa die NZZ. Diese werden von den Kantonen berechnet. Der Schweizer VW-Generalimporteur hat zugesagt, dass VW für höhere Steuern aufkommen werde - rückwirkend und für die kommenden Jahre.

Den Skandal um Abgas-Manipulationssoftware in Dieselmotoren untersucht das Schweizer Bundesamt für Straßen bereits. Anfang Oktober hat die Behörde ein vorübergehendes Zulassungsverbot für Fahrzeuge mit dem betroffenen TDI-Dieselmotor EA 189 erlassen. Das könnte die Schweizer VW-Händler Millionen Franken kosten - sie erwägen deshalb eine Klage gegen den VW-Konzern.

Laut den eidgenössischen Behörden sind 130.000 VW-Autos im Land unterwegs, bei denen die Manipulationssoftware eingebaut sein könnte. Ab Anfang kommenden Jahres sollen sämtliche betroffene Fahrzeuge in der Schweiz zurückgerufen werden. Der Schweizer VW-Importeur Amag will diesen Rückruf selbst übernehmen, der Schweizer Verkehrsclub fordert hingegen eine offizielle Rückrufaktion.

Schweizer Konsumentenschützer haben eine Strafanzeige eingereicht - wegen Verletzung des Bundesgesetzes gegen unlauteren Wettbewerb. Die Konsumentenschützer richten zudem eine Plattform ein, die Konsumenten bei rechtlichen Schritten beraten soll.

Insgesamt sind in der Schweiz bereits 600 Strafanzeigen von Privatpersonen gegen VW eingegangen.

Australien: VW droht Strafe von 700.000 Euro - pro verkauftem Auto

Skyline von Sydney: In Australien ist der Verkauf von Motoren mit Abschalt-Software verboten - VW drohen Strafzahlungen in Millionenhöhe

Skyline von Sydney: In Australien ist der Verkauf von Motoren mit Abschalt-Software verboten - VW drohen Strafzahlungen in Millionenhöhe

Foto: Brendon Thorne/ Getty Images

Nach dem Skandal um die Abgastest-Manipulationen bei Volkswagen ist in Australien eine zweite Sammelklage von VW - und Audi -Besitzern gegen den Auto-Hersteller eingereicht worden. Die Anwaltskanzlei Maurice Blackburn kündigte eine Sammelklage gegen Volkswagen an, in der sie für jeden Betroffenen umgerechnet etwa 6700 Euro Entschädigung fordere. Sie fügte hinzu, dass bei mehr als 90.000 Fahrzeugen in Australien die Abgaswerte manipuliert worden seien.

Bereits vor einigen Wochen hat die Kanzlei Bannister Law eine erste Sammelklage gegen VW eingereicht. Wieviele Fahrzeughalter sich beteiligten, teilten die Anwälte jedoch in beiden Fällen nicht mit.

Bereits im Oktober hatte die VW-Filiale in Australien alle Fahrzeuge mit der Manipulationssoftware zurückgerufen - in Australien sind 690.000 Fahrzeuge von dem Rückruf betroffen. Sollte sich bei den Verfahren herausstellen, dass der Konzern den Verbraucherschutz verletzt und die Käufer in die Irre geführt hat, drohen Strafen in Millionenhöhe.

Der Verkauf von Motoren mit Software, die Abgas-Werte manipuliert, ist in Australien explizit verboten. Ein solcher Rechtsverstoß kann mit bis zu 690.000 Euro pro verkauftem Auto geahndet werden. Im Extremfall wäre das 62 Milliarden Euro.

Südkorea: Für VW-Dieselautos ist auch Verkaufsstopp denkbar

Südkoreas Umweltministerium hat bereits Anfang Oktober Sonder-Abgastests für Dieselautos des Volkswagen-Konzerns angeordnet. Bis November will die Behörde entscheiden, was VW tun muss, wenn auch in Südkorea Manipulationssoftware zum Einsatz kam. Ab Dezember wollen die Koreaner auch Diesel-Motoren anderer Hersteller auf mögliche Manipulationssoftware untersuchen.

VW Südkorea erwägt bereits den Rückruf von 120.000 Fahrzeugen. Auch in Südkorea wurden bereits erste Sammelklagen eingereicht. Knapp 270 Leute sollen laut Medienberichten bereits Klage in Südkorea eingereicht haben. 50 südkoreanische VW-Käufer verklagen die Wolfsburger voraussichtlich in den USA.

Brasilien verhängt erste Millionenstrafe gegen Volkswagen

Am schnellsten waren die Brasilianer: In dem südamerikanischen Land muss Volkswagen wegen der Abgasmanipulationen 13,2 Millionen Dollar (12,3 Millionen Euro) Strafe zahlen. Die Umweltbehörde Ibama teilte vor einer Woche zudem mit, dass sie von VW einen Plan verlange, wie der Autobauer die Autos so umbaut, dass sie den brasilianischen Normen entsprechen.

Volkswagen hat den Rückruf von 17.057 in Brasilien verkauften Amarok-Pritschenwagen angekündigt. In den Modellen von 2011 und einigen des Baujahres 2012 steckt demnach die Schummelsoftware.