Studie der Arbeitsagentur, Volkswagen wagt Prognose E-Auto-Ära kostet 114.000 Jobs. Und VW verkündet Ende des Verbrennungsmotors

Die Entwicklung hin zum Elektroauto und weg vom Verbrennungsmotor wird Zehntausende Jobs in Deutschland kosten, rechnen Wissenschaftler erneut vor. Doch wann laufen letztmals Autos mit Verbrennungsmotor in Deutschland vom Band? Volkswagen wagt für den eigenen Konzern eine Prognose.
Elektroauto-Produktion im Volkswagen-Werk in Dresden: Volkswagen will im Verlauf der nächsten Jahre allein in den Ausbau der Elektromobilität und den Bau von Elektroautos 30 Milliarden Euro investieren

Elektroauto-Produktion im Volkswagen-Werk in Dresden: Volkswagen will im Verlauf der nächsten Jahre allein in den Ausbau der Elektromobilität und den Bau von Elektroautos 30 Milliarden Euro investieren

Foto: Monika Skolimowska/ dpa

In Deutschland werden einer Studie zufolge durch die Umstellung von Verbrennungs- auf Elektromotoren Zehntausende Jobs verschwinden. "Im Jahr 2035 werden knapp 114.000 Plätze aufgrund der Umstellung auf den Elektroantrieb bei Pkws verloren gegangen sein", sagt das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in seiner am Mittwoch veröffentlichten Untersuchung  voraus.

Der Wirtschaft dürften bis dahin rund 20 Milliarden Euro verloren gehen, was rund 0,6 Prozent des realen Bruttoinlandsproduktes entspreche.

Im Fahrzeugbau direkt dürften 83.000 Arbeitsplätze wegfallen. "Andere Branchen geraten ebenfalls in Mitleidenschaft und müssen über 30.000 Stellen abbauen", erwarten die Forscher der Bundesagentur für Arbeit. Gleichzeitig dürften fast 16.000 neue Stellen geschaffen werden, etwa im Bauwesen, bei Stromversorgern oder in Teilen des Dienstleistungsbereiches und des Verarbeitenden Gewerbes.

"Von der Elektrifizierung des Antriebsstrangs werden vor allem Fachkräfte negativ betroffen sein", heißt es in der Studie weiter. "Zeitverzögert sinkt auch der Bedarf nach Spezialisten- und Expertentätigkeiten. In der längeren Frist ergeben sich negative Effekte für alle Anforderungsniveaus."

Zunächst positive Effekte durch Entwicklung hin zum Elektroauto

In den kommenden Jahren dürfte die Umstellung auf E-Mobilität zunächst positive Folgen haben - etwa durch die notwendigen zusätzlichen Investitionen der Autobranche, die Bauausgaben in die Ladeinfrastruktur und die Neuausrüstung des Stromnetzes. Langfristig dominiere aber der steigende Importbedarf an Elektroautos und Traktionsbatterien. Gedämpft werde dieser negative Effekt dadurch, dass sich der Kraftstoffbedarf ändere - weg von ausländischem Mineralöl hin zu heimischem Strom.

Bereits im Mai dieses Jahres hatte die Gewerkschaft IG Metall vor dem Verlust von Zehntausenden Jobs in der deutschen Autoindustrie bis zum Jahr 2020 gewarnt. Seine These stützte IG-Metall-Chef Jörg Hofmann seinerzeit auf eine zu jenem Zeitpunkt noch nicht veröffentlichte Studie des Fraunhofer-Instituts IAO, wie viele Jobs hierzulande an Verbrennungsmotoren und Getrieben hängen und wie viele sich mit E-Motoren oder Batterien voraussichtlich ersetzen ließen (die Ergebnisse der Studie lesen Sie hier).

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Studie - bis 2030 fallen hunderttausende Auto-Jobs weg: Elektroautos bedrohen langfristig 270.000 Jobs in Europa

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Für die europäische Autoindustrie insgesamt haben Experten sogar den Verlust von bis zu 270.000 Stellen vorausgesagt (siehe Bildergalerie).

Volkswagen will letztmalig 2040 Autos mit Benzinmotor verkaufen

Um Jobverluste in größerem Stil zu verhindern, versucht die Bundesregierung, die Batteriezellproduktion nach Deutschland zu bringen. Auch sie befürchtet, dass in der heimischen Autobranche Zehntausende Stellen wegfallen werden, wenn der Antrieb künftig nicht mehr selbst produziert wird wie bei Verbrennungs- und Dieselmotoren, sondern in Asien zugekauft wird. Wirtschaftsminister Peter Altmaier rechnet ab 2021 mit dem Start der Batteriezellenproduktion in Deutschland. Derzeit wollen sich dafür mehrere Konsortien bilden.

Deutsche Autobauer hatten lange Zeit dem US-amerikanischen Wettbewerber Tesla das Zukunftsfeld Elektroauto überlassen. Doch längst haben sie zur Aufholjagd geblasen und investieren Milliarden in den Ausbau der Elektromobilität und der Produktion von Autos, die zum Teil elektrisch oder als reines Elektroauto fahren sollen.

VW will letztmalig 2040 Autos mit Benzinmotor verkaufen

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Ausstiegspläne für Benziner und Dieselmotoren: Wer den Verbrennermotor verbannen will

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Doch wann werden die deutschen Autobauer endgültig aus der Produktion von Verbrennungsmotoren aussteigen? Volkswagen hat sich nun als erster Konzern genauer dazu geäußert: "Im Jahr 2026 beginnt der letzte Produktstart auf einer Verbrennerplattform", sagte VW -Chefstratege Michael Jost am Dienstag auf dem "Handelsblatt Autogipfel 2018" in Wolfsburg. VW setzt künftig wie die gesamte Branche vornehmlich auf Elektroantriebe und will sich von Benzinern und Diesel trennen.

VW rechne daher damit, die letzten Verbrenner etwa um 2040 zu verkaufen. "Das erste Stoppschild wird dann gesetzt." Demnach dürften die letzten neuen Modelle als Benziner oder Diesel in den frühen 2030er-Jahren auf den Markt kommen.

Europas größter Autobauer hatte Mitte November angekündigt, seine Investitionen in Elektromobilität, autonomes Fahren und Digitalisierung in den kommenden fünf Jahren auf knapp 44 Milliarden Euro aufzustocken. Davon seien 30 Milliarden Euro für die Elektromobilität bestimmt, sagte Konzernchef Herbert Diess.

rei mit dpa