Newcomer aus Vietnam Vinfast baut Elektroautofabrik in den USA

Der Autobauer setzt seinen aggressiven Expansionskurs fort. Wie in Deutschland soll auch in den USA eine Fabrik entstehen. Die Chefin will Milliarden investieren.
Autoboss: Vinfast-Chefin Le Thi Thu Thuy ist seit Januar im Amt, als Nachfolgerin des früheren Opel-Chefs Michael Lohscheller

Autoboss: Vinfast-Chefin Le Thi Thu Thuy ist seit Januar im Amt, als Nachfolgerin des früheren Opel-Chefs Michael Lohscheller

Foto: Denise Truscello / Getty Images for VinFast

Das vietnamesische Unternehmen Vinfast will künftig auch in den USA Elektrofahrzeuge bauen und plant eine milliardenschwere Investition in eine Produktionsstätte in North Carolina. In der ersten Phase würden umgerechnet rund 1,8 Milliarden Euro (2 Milliarden US-Dollar) in die Fabrik investiert, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Die Fabrik soll eine Kapazität für 150.000 Fahrzeugen im Jahr haben und mehr als 7000 Arbeitsplätze schaffen. Die Produktion werde voraussichtlich im Juli 2024 aufgenommen, sagte Firmenchefin Le Thi Thu Thuy (47).

Damit setzt das erst 2017 gegründete Newcomer-Unternehmen aus Vietnam seinen aggressiven Expansionskurs fort. Bereits im Januar war bekannt geworden, dass Vinfast auch eine Produktionsstätte in Deutschland plant. Der Standort ist allerdings noch unklar, Thuy verhandelt aktuell mit der Politik um die Bedingungen. Die Managerin trat im Januar die Nachfolge des früheren Opel-Chefs Michael Lohscheller (53) an, der kurz zuvor nach nur vier Monaten an der Vinfast-Spitze überraschend hingeschmissen hatte und inzwischen für das amerikanische Skandal-Start-up Nikola arbeitet.

Vinfast ist die erste vietnamesische Automarke und Teil des Mischkonzerns Vingroup mit Sitz in Hanoi, der unter anderem auch im Mobilfunk tätig ist. Gründer und größter Anteilseigner ist der reichste Mann Vietnams, Pham Nhat Vuong (53), dessen Vermögen zuletzt auf rund 9,5 Milliarden Dollar geschätzt wurde. Das Unternehmen hat bereits Niederlassungen in den USA, Kanada, Deutschland, Frankreich und den Niederlanden – ohne bislang wirklich internationales Geschäft zu haben.

Vinfast-Chefin Thuy, deren Karriere einst bei der pleite gegangenen US-Investmentbank Lehman Brothers begonnen hatte, war 2008 als CFO zum Vinfast-Mutterkonzern gekommen und dort später zur CEO aufgestiegen. 2017 hatte sie maßgeblich den Einstieg der Gruppe ins Autogeschäft vorangetrieben und damals erfolgreich mit dem deutschen Autobauer BMW über die Lizenzproduktion älterer Technik in Vietnam verhandelt. Auch Lohscheller hatte sie zu dem Unternehmen gelotst.

Im Januar hatte Vinfast eine Reihe von Elektroautos vorgestellt, die auf den Markt kommen sollen. Die bisherige Produktion von Verbrennerautos – erst 2017 gestartet – soll noch in diesem Jahr auslaufen.

Zu den Modellen, die in den USA produziert werden sollen, gehören die SUVs VF9 und VF8. "Eine Produktionsstätte direkt auf dem Markt zu haben, wird Vinfast helfen, seine Lieferkette proaktiv zu verwalten, stabile Preise aufrechtzuerhalten und die Produktlieferzeit zu verkürzen", sagte Thuy. Laut des in North Carolina unterzeichneten Memorandums of Understanding will Vinfast in weiteren Stufen noch mehr in die neue Fabrik investieren, insgesamt 4 Milliarden Dollar. Allerdings fehlt noch die Genehmigung der US-Behörden.

lhy/DPA