Auf Standortsuche Newcomer aus Vietnam will Elektroautos in Deutschland bauen

Viele Ankündigungen von Elektroauto-Start-ups lösten sich bereits nach kurzer Zeit in Luft auf. Doch die Pläne der neuen Vinfast-Chefin könnten sich tatsächlich realisieren lassen. Schließlich stehen ein riesiger Mischkonzern und ein Selfmade-Milliardär dahinter.
Will an dem Elektroauto-Boom in Europa mitverdienen: Vinfast-Chefin Le Thi Thu Thuy hat die Führung des Konzerns vom ehemaligen Opel-Chef Michael Lohscheller übernommen

Will an dem Elektroauto-Boom in Europa mitverdienen: Vinfast-Chefin Le Thi Thu Thuy hat die Führung des Konzerns vom ehemaligen Opel-Chef Michael Lohscheller übernommen

Foto: Denise Truscello / Getty Images for VinFast

Der vietnamesischer Hersteller Vinfast  will in Deutschland eine Fabrik für die Produktion von Elektroautos und -bussen aufbauen. Eine entsprechende Kooperation bei der Suche nach einem geeigneten Standort seit mit der deutschen Außenwirtschaftsagentur Germany Trade and Invest (GTAI) vereinbart worden, gab das Unternehmen am Donnerstag bekannt. Nach der Tesla-Fabrik im brandenburgischen Grünheide wäre dies die zweite Neuansiedlung in Deutschland innerhalb weniger Monate.

Besonders seit Corona sei die Zeit vorbei, Autos rund um die Welt zu transportieren, erklärte die neue Vinfast-Chefin Le Thi Thu Thuy laut einer gemeinsamen Mitteilung. Man müsse nah am Markt produzieren, um die Kunden zu überzeugen. Ein Produktionsstandort in der größten europäischen Volkswirtschaft sei für die Strategie des Unternehmens ein Meilenstein. Zu Größe, Kriterien oder Zeitrahmen der Investition wurde nichts mitgeteilt.

Die erste vietnamesische Automarke Vinfast wurde 2017 in Hai Phong gegründet und gehört zu dem Mischkonzern Vingroup, dessen größter Anteilseigner der Selfemade-Milliardär Pham Nhat Vuong ist – mit einem von "Forbes " geschätzten Vermögen von 8,2 Milliarden Dollar einer der reichsten Menschen Vietnams. Bekannt wurde Vinfast hierzulande vorwiegend durch eine Personalie: Im Juli vergangenen Jahres verkündete Vingroup, dass der ehemalige Opel-Chef Michael Lohscheller (53) die Leitung der Autosparte übernehmen soll.

Eine Verbindung, die sich für Vinfast auszahlen könnte. Wie die "FAZ " am Donnerstag berichtet, könnten die Vietnamesen an dem auf der Kippe stehenden Opel-Werk in Eisenach als neuen Standort interessiert sein. Schließlich arbeitet die Opel-Mutter Stellantis noch immer daran, die Auslastung der zahlreichen Produktionsstätten weltweit zu optimieren.

Ex-Opel-Chef Lohscheller kündigt nach nur fünf Monaten

Lohscheller hat Ende Dezember allerdings überraschend angekündigt, sein Amt bei Vinfast niederzulegen und aus persönlichen Gründen nach Europa zurückzukehren. Möglicherweise hat er den Deal aber bereits zuvor eingeleitet. Nun ist es also an der bisherigen Vizepräsidentin und Finanzanalystin Le Thi Thu Thuy, die die Leitung von Lohscheller übernommen hat und bereits seit 2008 für den Mutterkonzern Vingroup arbeitet, einen Standort in Deutschland zu finden.

Der Mischkonzern Vingroup ist eines der wenigen nicht-staatlichen und überwiegend in Privatbesitz befindlichen Konglomerate im kommunistischen Vietnam. Zusammen mit rund 44.000 Beschäftigten betreibt die Gruppe Immobilienfirmen, Supermärkte, Klinken sowie Hotels, stellt aber auch Autos und Smartphones her. Im Jahr 2020 erwirtschaftete die Gruppe laut Geschäftsbericht  einen Nettogewinn von 165 Millionen Euro bei einem Umsatz von 4,05 Milliarden Euro.

Vinfast-Chefin Le Thi Thu Thuy verfolgt ehrgeizige Ziele mit ihren Elektroautos: So sollen bereits im kommenden Jahr weltweit rund 42.000 Fahrzeuge verkauft werden. Im Vergleich zum US-Rivalen Tesla, der im vergangenen Jahr 936.000 E-Autos verkauft hat, wirkt das Ziel bescheiden. Doch auch Tesla hat einmal klein angefangen und wuchs dann rasant. Mit dem Geld von Pham Nhat Vuong im Rücken sollte Vinfast das Ziel auch erreichen können.

Auf der Technologie-Messe CES in Las Vegas stellte das Unternehmen jedenfalls schon mal eine komplette Elektroflotte mit fünf Fahrzeugen verschiedener Größen vor . Die beiden größten Modelle sollen bereits bestellt werden können. Zudem wolle Vinfast mit seinen Elektroautos preislich deutlich unter vergleichbaren Tesla-Modellen liegen.

mg mit Material von dpa-afx und Reuters
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