Freitag, 24. Mai 2019

Vernetztes Fahren "Es werden weiter Autos gehackt werden"

Automatisiertes Fahren: Die Forschungsflotte der BMW Group auf der Autobahn

3. Teil: "Eine Vertrauensfrage"

mm: Warum sollten dann die ersten Autos nur in bestimmten Innenstädten gefahren werden dürfen?

Bernhart: Das ist eher eine Vertrauensfrage. Der Rest der Verkehrsteilnehmer darf keine Angst bekommen, dass ein computergelenktes Auto plötzlich ohne Bremsen und Blinken mitten durch dichten Gegenverkehr nach links abbiegen will.

mm: Was dieses Auto wohl heute schon nicht mehr machen würde, ...

Bernhart: …, sicher nicht. Und in zehn Jahren sollten diese Autos um ein Vielfaches sicherer fahren als der Mensch am Steuer. Dann müsste die Rechnerleistung dazu ausreichen, die gerade erst neu vorgestellten Speichertechnologien müssten breit verfügbar sein, und auch die rechtlichen Rahmenbedingungen sollten dann stimmen.

mm: Nun wird heute viel geredet von Taxiflotten, häufig im Zusammenhang mit dem Namen Uber. Solche Flotten, so die Theorie, könnten künftig autonom gesteuert einen Großteil des Individualverkehrs überflüssig machen. Wäre das fast schon die automatische Folge des autonomen Fahrens; und was wären das für Autos?

Bernhart: Ich kann mir solche Systeme sehr gut vorstellen, sei es ähnlich wie heute Carsharing oder so wie bei Uber als Chauffeur-Dienst. Je mehr das Auto dabei zum reinen Transportmittel wird und je weniger Emotionen mit dem Autofahren verbunden sein werden, desto mehr wird das Fahrzeug dann auch zur Massenware, zur bloßen Commodity.

mm: Autonomes Fahren im Billig-Vehikel?

Bernhart: Das ist am Ende nur Computertechnik; solche Systeme werden relativ schnell billig angeboten werden. Auch wenn es die Premiumhersteller sein dürften, die solche Autos als erste auf den Markt bringen. Weil sie die anfangs vermutlich hohen Preise durchsetzen können; und weil sie alles tun müssen und vermutlich auch werden, auch in dieser Technik führend zu sein.

mm: Wie hoch sehen Sie die Wahrscheinlichkeit, dass am Ende auch ein Unternehmen wie Uber mit eigenen Autos antreten wird?

Bernhart: So lange Uber nicht mit Tesla fusioniert, sehe ich das nicht. Und auch diese Variante ist ziemlich unwahrscheinlich. Warum sollte sich Uber mit all den Investitionen belasten, die mit der Autoproduktion verbunden sind? Die werden eher eine zentrale Infrastruktur aufbauen, ihre Software in die Autos einbauen und dann versuchen, in möglichst vielen Städten möglichst große eigene Flotten aufzubauen.

mm: Herr Bernhart, denken wir einmal noch weiter nach vorne: Wenn Premiumhersteller ihre Autos heute vor allem über das Thema Emotionen verkaufen, und wenn Autos - auch Premiumautos - künftig vor allem vom Computer gelenkt werden, vielleicht ja in den Innenstädten sogar gelenkt werden müssen. Wieso sollten die Kunden dann künftig noch Audi Börsen-Chart zeigen, BMW Börsen-Chart zeigen oder Mercedes fahren?

Bernhart: Da würde ich nicht zu schwarz sehen. Die Autofahrer werden noch lange ihren Spaß am Fahren behalten. Sie werden sich selbst hinters Lenkrad setzen wollen. Sei es zum puren Vergnügen auf der Nordschleife, sei es im normalen Verkehr, vielleicht vor allem außerhalb der Innenstadt. Und wer, nur zum Beispiel, so etwas besser anbieten kann als die Konkurrenz, wird auch weiter Käufer finden.

Die ganze Geschichte

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