Montag, 22. Juli 2019

Branchenverband VDA will Vertrag verlängern Auto-Industrie plant mit Wissmann als Chef-Lobbyisten

Tuchfühlung (Foto aus dem September 2013): VDA-Präsident Matthias Wissmann (3.v.r.) neben Kanzlerin Angela Merkel. Links: Daimler-Chef Zetsche. Rechts: Ex-VW-Chef Winterkorn.

Die deutsche Auto-Industrie will mitten in ihrer wohl schwersten Krise ihren politischen Einfluss durch einen alten Bekannten sichern: Der Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA), Matthias Wissmann, soll die mächtigste deutsche Lobby auch über 2016 hinaus führen. Der VDA-Vorstand habe den 67-Jährigen gebeten, für weitere zwei Jahre im Amt zu bleiben, heißt es in Industriekreisen. Im neunzehnköpfigen VDA-Vorstand sitzen unter anderem sämtliche CEO der deutschen Hersteller wie Daimler-Chef Dieter Zetsche, BMW-CEO Harald Krüger oder VW-Vormann Matthias Müller. Geplant sei, dass die Vertragsverlängerung bis Ende 2018 auf der Mitgliederversammlung des VDA im November formal beschlossen werde. Entsprechende Informationen von manager-magazin.de bestätigte ein VDA-Sprecher am Mittwoch.

Dank Wissmann sollen die exzellenten Kontakte der Industrie, die nach eigenen Angaben rund 785 000 Menschen in Deutschland beschäftigt, in das Kanzleramt und die Regierung bestehen bleiben. Der ehemalige Verkehrsminister, selbst Mitglied der CDU und seit 2007 VDA-Chef, gilt als Architekt der zuletzt industriefreundlichen Regulierung - etwa bei

den Abgaswerten. Durch den Diesel-Skandal gerät nun die wichtigste Antriebstechnologie der deutschen Hersteller nicht nur bei den Kunden, sondern auch in der Politik in Misskredit - mit möglicherweise bedrohlichen Folgen für den Absatz. Zudem steht die Branche durch die Forderung nach dem Ausbau des Elektro-Antriebs und Möglichkeiten des autonomen Fahrens vor technologischen Großaufgaben, die ebenfalls regulatorisch sanfter oder forscher begleitet werden können.

Nach Informationen von manager-magazin.de hatten einflussreiche Vertreter der Auto-Branche in den vergangenen Monaten den Markt nach einem möglichen Nachfolger für Wissmann sondiert, allerdings keinen geeigneten Kandidaten gefunden. Der Ex-Politiker selbst hatte seine Bereitschaft zur Vertragsverlängerung Ende März erklärt: "Man geht nicht von Bord, wenn es stürmt, sondern erst dann, wenn sich die Winde beruhigt haben", hatte er in der Süddeutschen Zeitung erklärt. Er selbst hat sich dennoch gerade einen potenziell lukrativen Nebenjob gesichert: als Beirat des Finanz- und Fusionsberatungshauses Freitag & Co.

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Foto: BMW

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