Trendwende US-Autoindustrie verliert Tausende Jobs

Jahrelang ging es für die Autobauer in den USA stetig aufwärts. Doch die Verkäufe zurück - und mit ihnen auch die Beschäftigung. Zuletzt gingen Tausende Stellen in den Werken verloren.
Ford-Werk in Kentucky

Ford-Werk in Kentucky

Foto: DPA

Die US-Autobauer haben zum ersten Mal seit 2010 wieder spürbar Arbeitsplätze abgebaut. Im April 2017 waren in den Autofabriken des Landes insgesamt 206.300 Menschen beschäftigt - fast 5000 weniger als ein Jahr zuvor. Das geht aus vorläufigen Daten der US-Arbeitsmarktstatistik  hervor, über die auch die "New York Times" berichtet .

In den Jahren zuvor hatte die Industrie stetig mehr Menschen in ihren US-Fabriken beschäftigt. Seit April 2010 war ihre Zahl von 151.000 bis April 2016 um 60.000 gestiegen - auch wenn sie nicht mehr ganz die Marke vor der Finanzkrise erreicht hatte. Im April 2007 arbeiteten sogar noch 232.800 Menschen in den US-Autofabriken. In den vergangenen Monaten hatten die großen US-Autobauer General Motors  und Ford bereits angekündigt , Arbeitsplätze abzubauen.

Damit folgt die Beschäftigung dem Trend bei den Verkäufen. Nach Jahren stetigen Wachstums verzeichnete die Branche im Juni 3 Prozent weniger Autoverkäufe als im Jahr zuvor. Es war der sechste Monat mit einem solchen Rückgang in Folge. Auf Halbjahressicht ergibt sich ein Minus von 2,2 Prozent.

Der boomenden US-Autokonjunktur geht langsam die Luft aus

Damit scheint sich zu bestätigen, was viele Analysten schon lange prognostizieren: Der lange Zeit boomenden US-Autokonjunktur die Luft aus. Dementsprechend befürchten die Experten laut "New York Times" einen weiteren Abbau von Arbeitsplätzen in den US-Autofabriken.

Allerdings sind nicht alle Werke gleichermaßen davon betroffen. Wegen des niedrigen Ölpreises sind Spritfresser wie SUVs und Kleinlaster weiterhin beliebt, ihre Verkäufe kletterten zuletzt sogar. Kleinwagen und Mittelklasseautos werden hingegen deutlich weniger gekauft - in den Werken, in denen sie produziert werden, gehen die meisten Arbeitsplätze verloren.

Die Entwicklung zeigt auch, wie wenig die Interventionen von US-Präsident Donald Trump unter dem Strich bewegt haben. Trump, der sich kurz nach Amtsantritt zum "größten Stellenerschaffer, den Gott erschaffen hat" stilisierte, hatte sich unter anderem mit General Motors und Ford angelegt, weil diese neue Fabriken im Ausland planten. Vordergründig lenkten die Konzerne ein und versprachen, Arbeitsplätze in den USA zu belassen - was sich bei näherem Hinsehen allerdings als rein rhetorisches Nachgeben erwies. In Wirklichkeit rückten die US-Autobauer nicht von ihrer grundsätzlichen Strategie ab.

fdi/rei
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