Neue Finanzspritze US-Robotaxi-Firma Cruise startet Dienst in San Francisco

Die US-Firma Cruise öffnet ihre Roboter-Taxis für die Öffentlichkeit – wenn auch nur nachts und für eine überschaubare Anzahl von Menschen. Softbank belohnt die Tochter von General Motors gleichwohl mit einer Milliardenspritze. Die Erwartungen sind hoch.
Auf den Straßen von San Francisco: Die Robotaxis von Cruise sollen jetzt immer mehr Nutzern zugänglich gemacht werden

Auf den Straßen von San Francisco: Die Robotaxis von Cruise sollen jetzt immer mehr Nutzern zugänglich gemacht werden

Foto: TOWNER

In San Francisco ist die automobile Zukunft seit gestern Nacht ein wenig greifbarer geworden. "Wir machen unsere fahrerlosen Autos ab sofort für die Öffentlichkeit zugänglich", kündigte Kyle Vogt, Mitgründer und Interimschef der Robotaxi-Firma Cruise an, an der General Motors die Mehrheit hält. Seit einigen Monaten testet Cruise vollständig fahrerlose Fahrzeuge in der Stadt - allerdings nur mit eigenen Mitarbeitern. Das soll sich nun ändern und ermutigt Softbank-Chef Masayoshi Son (64), weitere 1,35 Milliarden Dollar in das kalifornische Start-up zu stecken, berichtet die "Financial Times" .

Doch das Robotaxi-Angebot bleibt vorerst beschränkt. Cruise fehlt noch die offizielle Genehmigung, um von den Kunden eine Gebühr zu verlangen. Zugleich dürfen die autonom fahrenden Elektroautos vorerst lediglich zwischen 23 Uhr bis 5 Uhr morgens durch die Straßen von San Francisco surren. Das Einsatzgebiet der selbstfahrenden Autos wird sich auf den nordwestlichen Teil der Metropole beschränken und die Zahl der Nutzer bleibt zunächst begrenzt. So sollen einige Wochen lang vorerst ausgewählte Familienangehörige und Freunde der Mitarbeiter sowie von Cruise nominierte Bewerber das Robotaxi nutzen dürfen.

Hin und wieder dürften sie dabei auch Fahrzeugen der Wettbewerber begegnen. Die Google-Tochter Waymo testet in der Metropole seit vergangenem Jahr ihren Dienst – ebenfalls nur mit handverlesenen Nutzern, auch ist noch ein Sicherheitsfahrer an Bord. Insofern ist General Motors in San Francisco dem Techriesen Google eine Radlänge voraus. In einem Vorort von Phoenix, der Hauptstadt des US-Bundesstaates Arizona, macht hingegen Waymo das Rennen, betreibt seit mehr als zwei Jahren einen entsprechenden Dienst. In Phoenix und Umgebung sind die Straßen breiter als in San Francisco, wo zudem oft besonders dichter Verkehr herrscht.

GM will das Robotaxi-Rennen in dichten Metropolen entscheiden

Genau darauf scheinen Cruise und GM-Chefin Mary Barra (60) zu setzen: Gelingt der Durchbruch in vielen der für das Autonome Fahren komplizierteren Metropolen, könnte die GM-Tochter mit ihrem Dienst auch "schneller in andere Märkte" vordringen, so das Kalkül. Barra selbst beschrieb kürzlich ihre Erfahrung bei einer Testfahrt durch San Francisco als "surreal" und als "Highlight" ihrer Karriere als Ingenieurin.

Laut GM will Cruise in Kürze 500 weitere Mitarbeiter einstellen. Die Erwartungen sind zugleich hoch: Bis 2030 will Barra den Umsatz des Konzerns auf 280 Milliarden Dollar mehr als verdoppeln, 50 Milliarden Dollar soll dabei allein Cruise beisteuern.

Wer letztlich beim Autonomen Fahren das Rennen macht, ist laut Analysten schwer einzuschätzen. Die angewandten Technologien sind herstellerspezifisch, ihre Verwendung daher in der Regel eingeschränkt und geschützt, zugleich sind die Geschäftsmodelle unterschiedlich.

Rod Lache von Wolfe Research zählt zu den Marktführern eben Cruise aber ebenso das von Volkswagen und Ford finanzierte Start-up Argo und auch Motional, Mobileye und Waymo. Seiner Einschätzung nach sei Waymo in dem Wettlauf um selbstfahrende Autos in komplexen, dichten Stadtzentren zuletzt zurückgefallen, während Cruise und Argo Fortschritte gemacht hätten. Lache schätzt den gesamten Markt für fahrerloses Ride-Hailing auf acht Milliarden Dollar. Der Experte geht laut "FT" davon aus, dass lediglich vier bis fünf Unternehmen jemals in der Lage sein werden, im Wettbewerb zu bestehen.

rei