Samstag, 28. März 2020

Vor Merkels Reise nach Washington Trump gegen Handelsschranken - die es nicht gibt

Mit Kristallen verzierter Mercedes auf der Automesse in Tokyo: Null Einfuhrprobleme für deutsche Autos

Vergangene Woche verlangte die U.S. Regierung in einer Erklärung vor der Welthandelsorganisation WTO von Japan das Unmögliche: eine weitere Öffnung des japanischen Automarktes für ausländische Importe. Entnervt antworteten die Japaner, dass es offener nicht gehe. "Wir erheben keinen Zoll auf Autos, und wir haben keine nichttarifären Handelshemmnisse", sagte Kabinettsekretär Yoshihide Suga. Doch Suga-san kann sein Land verteidigen, wie er will. Denn es geht Amerika gar nicht um Auto-Exporte nach Japan. Es geht um die Abschottung des eigenen Marktes gegen ausländische Autos. Und Japan ist dabei ein gefügiger Prügelknabe.

"Die Vereinigten Staaten empfehlen Japan dringend, nichttarifäre Handelshemmnisse zu entfernen, die den freien Wettbewerb von amerikanischen Herstellern mit der japanischen Konkurrenz behindern", heißt es in der Erklärung der US-Regierung. Es war das erste Mal, dass sich die Trump-Administration öffentlich zu diesem Thema äußerte. Die Geschichte vom bösen Japaner, der Detroiter Autobauern den Zutritt zu seinem Inselreich verwehrt, hat eine lange Tradition. "Jedes Jahr das Gleiche", seufzt Suga. Ebenso traditionell ist der Mangel an Beweisen für die Behauptung.

In ihrem Jahresbericht über Japan erwähnt die WTO zwar den Agrarsektor, der von "einigen der höchsten Zölle in dem Bereich" beschützt ist. Die laut Amerika angeblich so benachteiligten Importautos erwähnt der Bericht mit keinem Wort. Also mache ich mich in Japan selbst auf die Suche nach den Fallen, die ahnungslosen ausländischen Autobauer auflauern.

Für BMW ist Japan eine Goldgrube

Erster Anlauf BMW: "Ich bin jetzt zweieinhalb Jahre in Japan und es gab null Schwierigkeiten mit dem Import unserer Fahrzeuge," sagt Peter Kronschnabl, Statthalter des bayrischen Autobauers in Japan und einer der erfolgreichsten Auto-Importeure im ganzen Land.

Der Markt, in dem sich Detroit und Washington von nichttarifären Handelshemmnissen sabotiert wähnen, ist für BMW eine Goldgrube. "Japan ist nach Stückzahlen der sechstwichtigste Markt für uns", sagt Kronschnabl. "Der japanische Kunde will ein gut ausgestattetes Fahrzeug. Nach Liste geht hier nichts weg." Und dabei ist BMW nur die zweitbeliebteste Importmarke in Japan. Die Konkurrenz von Mercedes verkaufte im letzten Jahr noch mehr Fahrzeuge.

Aber wo lauern sie denn nun, die Handelshemmnisse? Im Aufwand für die nationale Zulassung vielleicht? "Nein, das ist kein Aufreger für uns", sagt Kronschnabl. Importeure reichen hier größtenteils dieselben Unterlagen ein wie daheim in Deutschland. Der Zoll auf importierte Autos liegt bei null Prozent (USA: 2,5 Prozent, EU: 10 Prozent.) Sogar Pick-ups und Lieferwagen können für null Prozent eingeführt werden - die Amerikaner verlangen von Importeuren saftige 25 Prozent. Mehr als 60 Prozent aller in Amerika verkauften Fahrzeuge sind als "light-duty trucks" klassifiziert, sie sind Detroits Profitmaschine.

Sollte die Trump-Administration ernsthaft daran interessiert sein, mehr Autos Made in USA nach Japan zu verkaufen, dann empfiehlt sich ein Besuch in Spartanburg, South Carolina, eine Flugstunde südlich von Washington. BMW baut hier mehr als 450.000 Fahrzeuge pro Jahr, rund 70 Prozent davon gehen in den Export. Mehr als 4000 der insgesamt 76.000 in Japan verkauften Fahrzeuge der BMW Group kamen im vergangenen Jahr aus Amerika.

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