Samstag, 30. Mai 2020

Vor Merkels Reise nach Washington Trump gegen Handelsschranken - die es nicht gibt

Mit Kristallen verzierter Mercedes auf der Automesse in Tokyo: Null Einfuhrprobleme für deutsche Autos

3. Teil: "Natürlich gibt es Barrieren - zum Beispiel die Parkmaschine"

Am Ende werde ich bei meiner Suche nach Handelshemmnissen aber doch noch fündig. Und zwar bei BMW. "Natürlich gibt es Barrieren", sagt Kronschnabl, "aber es sind keine Verwaltungshürden. Da ist zum Beispiel die Parkmaschine." Parkmaschine? Nun, es gibt wenig Platz in Japan. Die Wohnungen sind klein. Autos parken in genormten Parkmaschinen. Alles, was höher ist als 1,55 Meter oder nur ein paar Millimeter zu breit, passt nicht in die Maschine. Und dann verkaufen solche Auto sich nur noch schwer.

Japan hat seine Eigenarten. Sie machen das Land charmant und den Markt gewöhnungsbedürftig. Die Kunden sind qualitätsversessen, die Kundenbetreuung setzt weltweit unerreichte Maßstäbe. "Man kann hier nicht einfach auftauchen und sagen: ,Hier sind wir, nun kauft unsere Sachen'", sagt Kronschnabl. "Man muss sich schon ein wenig in den Kunden hineinversetzen."

Mangelndes Einfühlungsvermögen erweist sich in der Tat als das kapitalste Einfuhrhindernis für die US-Autoindustrie. "Ford brachte immer die falschen Autos nach Japan," sagt Gardiner, "die meiste Zeit war sogar das Lenkrad auf der falschen Seite."

USA sammeln vermeintliche Argumente für die Abkapselung

Amerikanische Importfahrzeuge sind in Japan ähnlich schwer verkäuflich wie in Europa. 635 Cadillacs wurden letztes Jahr in Japan neu zugelassen, in Europa waren es 761. Hier wie dort gelten amerikanische Karossen als mäßig verarbeitete Spritschlucker mit "riesigem Reputationsdefizit", wie Jaguar-Manager Hansson sagt.

Was also sollen die amerikanischen Proteste? In der Branche glaubt niemand ernsthaft, dass Detroit auf einmal an massiven Exporten nach Japan interessiert ist. Die Fakten sprechen dagegen. Die dauernden Nörgeleien am angeblich abgeschotteten japanischen Markt sind wohl eher auf den heimischen Markt in Amerika gemünzt. Es geht hier nicht um die Öffnung eines japanischen Marktes, der offener nicht sein könnte. Es geht darum, vermeintliche Argumente für die weitere Abkapselung des US-Marktes zu sammeln. Europas Autohersteller beobachten es mit Sorge.

Nicht umsonst zielten die ersten automotiven Trump-Tiraden auf Toyota und die folgenden auf BMW und Daimler, obwohl beide Autobauer amerikanische Netto-Exporteure sind. "Ja, glaubst du denn, der kennt sich aus?", fragte mich unlängst Hans Greiml, Reporter für das amerikanische Fachblatt Automotive News in Tokio. "Der sieht was im Kabelfernsehen und dann wird es getwittert."

Bertel Schmitt machte 35 Jahre lang Werbung, vor allem für Volkswagen und schreibt als Meinungsmacher für manager-magazin.de. Wie bei den anderen Meinungsmachern auch, gibt seine Meinung nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

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