Sonntag, 31. Mai 2020

Vor Merkels Reise nach Washington Trump gegen Handelsschranken - die es nicht gibt

Mit Kristallen verzierter Mercedes auf der Automesse in Tokyo: Null Einfuhrprobleme für deutsche Autos

2. Teil: Warum Europas Autohersteller keine Handelshemmnisse kennen

Das macht BMW zu einem der größten, wenn nicht dem größten japanischen Importeur amerikanischer Fahrzeuge. Viel braucht es nicht dazu: Ford verkaufte 2016 insgesamt 2225 Fahrzeuge in Japan und strich daraufhin die Segel. General Motors brachte es auf ganze 1290 Autos. Angesichts dieser anämischen Zahlen fragt man sich schnell, was GM noch im Inselreich hält, nachdem der Konzern mit Opel sogar sein Europageschäft verkauft hat.

Betrachtet man Straßen und Statistiken in Japan, kommt Verständnis für Detroits Frustrationen auf: Zwei Drittel des Importmarkt sind fest in deutscher Hand: Volkswagen, BMW, Daimler gehören zum Stadtbild. Bei Toyota &Co. heißen die Deutschen liebevoll "G3". Das verbleibende Drittel teilen sich überwiegend andere Europäer. Japaner kaufen mehr Ferraris oder Maseratis als Chevrolets.

Seltsamer Weise beklagen sich europäische Hersteller kaum über Handelshemmnisse in Japan. In Ermangelung anderer Beschwerden kommt mitunter Kritik an den Japan-typischen Kleinstwagen, "Kei Cars" genannt, auf. Schwachbrüstige Gefährte mit dem Hubraum einer Bierflasche, die sich in Japan großer Beliebtheit erfreuen. Ausländische Fabrikate? Fehlanzeige.

Werden hier also den ausländischen Herstellern Knüppel vor die Räder geworfen? Magnus Hansson ist Chef von Jaguar Land Rover Japan, stammt aus Schweden und erklärt die Debatte mit der entsprechenden Neutralität. "Niemand wird davon abgehalten, Kei Cars zu importieren, sagen die Japaner. Es lohnt sich nicht, nur für Japan Autos zu bauen, die sonst keiner will, sagen die Europäer."

Wie ein Sportwagen als Kei-Car durchgeht

In Tokyo traf ich einen Europäer, der völlig anderer Meinung ist. Justin Gardiner ist Engländer und war einst Autojournalist. Heute importiert er Autos nach Japan. Nicht irgendwelche Autos: Gardiner ist Generalimporteur von Caterham, dem britischen Hersteller von offenen Sportwagen; Autos, die aussehen, als sei irgendwann zwischen Glenn Miller und Frank Sinatra die (mechanische) Armaturenbrett-Uhr stehengeblieben.

Caterham baut nur 500 Stück pro Jahr, per Hand, in einer Werkstatt in Dartford, Kent. Ein Fünftel davon geht nach Japan, und es könnten viel mehr sein. In der zweiten Januarwoche war Gardiners Kontingent für 2017 schon ausverkauft.

Das Ultrawitzige daran: Gardiner importiert den leichtgewichtigen Caterham 7, ausgerüstet mit 0,6-Liter-Motor, als Kei Car. Irgendwelche Handelshemmnisse? "Null", sagt Gardiner. "Die Regeln in Japan sind die einfachsten der Welt. Einfuhrbarrieren? Blödsinn." In Amerika muss man sich den Caterham als Selbstbausatz besorgen und mit einem anderweitig beschafften Motor bestücken, um haushohe Einfuhrbarrieren zu umgehen.

In Japan ist Einfuhr kein Problem", bestätigt auch Jaguar-Land-Rover-Chef Hansson. "Hart wird es erst, wenn es ans Verkaufen geht." Japan hat sieben Autohersteller von Weltformat, "und sie sind alle ziemlich gut. Wer hier verkaufen will, muss bringen, was nicht jeder hat". Premium- und Luxusfahrzeuge vor allem.

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