Montag, 16. September 2019

Wagniskapital Vollgeladen in 10 Minuten - Elektrobus lässt Daimler grübeln

Hybridbus von Daimler: Die Stuttgarter setzen eher auf Hybridantrieb und nicht auf den reinen Batteriebetrieb

Batteriebetriebene Busse könnten zum Milliardengeschäft werden. Doch Branchenriesen wie Daimler bleiben lieber bei Hybridantrieben. Nun sorgt der E-Bus-Spezialist Proterra für Furore: Er holt namhafte Investoren an Bord - und nimmt Anleihen bei Tesla.

Hamburg - Der Chef des Unternehmens ist ein ehemaliger Mitarbeiter des Elektroauto-Pioniers Tesla Börsen-Chart zeigen , die Akkus der Elektrobusse lassen sich wie bei Tesla binnen Minuten vollladen: Diese Argumente öffnen auch bei namhaften Geldgebern die Schatullen.

Das legt ein Bericht des US-Magazins Bloomberg Businessweek nahe. In dieser Woche, schreibt Businessweek, hat der amerikanische Elektrobus-Hersteller Proterra rund 40 Millionen Dollar von Wagniskapitalgebern erhalten. Zu den Investoren zählen der Wagniskapitalgeber Kleiner Perkins Caufield & Byers, GM Ventures, der Investitionsarm von General Motors Börsen-Chart zeigen, sowie Tao Invest, ein Fonds der US-Milliardärsfamilie Pritzker.

Die Tesla-Connection war dabei sicherlich hilfreich, denn bisher war Proterra nur echten Kennern der Nutzfahrzeugbranche ein Begriff. Seit zehn Jahren arbeitet der Nutzfahrzeugspezialist am "Bus von morgen", das Unternehmen aus South Carolina stellt nur ein einziges Modell her.

80 Leute kann der Proterra-Elektrobus leise und emissionsfrei befördern, das allerdings nicht allzu weit: Die Akkus des 850.000 Dollar teuren Busses sind nach rund 80 Kilometern Fahrt leer.

Nach 10 Minuten ist der Bus vollständig geladen

Dafür lassen sie sich innerhalb von nur 10 Minuten vollständig laden - mit einer eigenen Ladesäule, die 600.000 Dollar kostet. 50 Busse hat das Unternehmen bisher in den USA verkauft, heißt es in dem Bericht. Doch die Amerikaner sind ehrgeiziger: In diesem Jahr wollen sie ihren Umsatz verdoppeln. Nach der erfolgreichen Finanzierungsrunde haben sie auch genügend Reserven, um kräftig wachsen zu können.

Proterra-Chef Ryan Popple will noch in diesem Jahr die Produktion eines billigeren und effizienteren neuen Busmodells starten. Zudem hat Popple auch die Produktivität erhöht: Die Fertigung eines einzelnen Busses dauert nunmehr 1000 Stunden statt zuvor 4000. Mit solchen Effizienzmaßnahmen hat Popple Erfahrung: Bei Tesla arbeitete er mehrere Jahre als Finanzanalyst und sorgte dafür, dass der Elektroautohersteller seine Lieferketten deutlich verschlankte.

Proterras Haupt-Verkaufsargument gegenüber den Kommunen sind die niedrigen Betriebskosten: Die Stromkosten für die E-Busse liegen laut Popple zwischen 5000 und 10.000 Dollar. Ein Dieselbus verbraucht jährlich Treibstoff von rund 50.000 Dollar.

Noch ist Proterras Umsatz winzig

Eine wirklich große Gefahr für die großen Player der Busbranche ist Proterra aber noch nicht: Bislang hat das Unternehmen gerade mal 50 Busse an US-Kommunen verkauft. Im vergangenen Jahr hat Proterra mit seinen Elektrobussen 13 Millionen Dollar umgesetzt, in diesem Jahr will Popple den Umsatz verdoppeln.

Dennoch verspricht der weltweite Markt für Elektrobusse hohe Wachstumsraten. Laut einer von Businessweek zitierten Studie werden weltweit 9,2 Milliarden Dollar mit batteriebetriebenen und Oberleitungs-Elektrobussen umgesetzt. In den kommenden vier Jahren sollen sich die globalen Umsätze auf 19,5 Milliarden Dollar verdoppeln - und ein Großteil des Wachstums soll von den rein batteriegetriebenen Bussen ausgehen.

Doch große Player wie Daimler Börsen-Chart zeigen , MAN Börsen-Chart zeigen oder auch Volvo Börsen-Chart zeigen müssen da noch nachholen. Jahrelang haben die Branchenriesen auf Hybridantriebe, Gasmotoren und Brennstoffzellen gesetzt. Rein batteriebetriebene Busse haben sie noch kaum im Angebot.

Chinesische Hersteller hingegen haben sich schon vor Jahren auf Elektrobusse konzentriert. Sie bieten bereits vergleichsweise günstige Busse mit hohen Reichweiten an, wie manager magazin online bereits vor zwei Jahren berichtete.

Der chinesische Hersteller BYD etwa, zu dessen Investoren auch Warren Buffett zählt, gab vor wenigen Wochen einen Rekordauftrag bekannt: Gleich 2000 Elektrobusse soll das Unternehmen an die chinesische Stadt Hangzhou liefern. Von solchen Bestellungen ist Proterra noch weit entfernt - die globalen Busriesen aber auch.

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