Montag, 22. April 2019

US-Nanny für Volkswagen Bei VW herrschte zum Teil "verdorbene Unternehmenskultur"

Volkswagen-Logo auf VW-Auto.

Bei der Aufarbeitung des Dieselskandals hat der VW-Konzern laut dem von der US-Justiz eingesetzten Oberkontrolleur noch einen langen Weg vor sich. "Wir haben bei Volkswagen einen Drei-Jahres-Marathon vor uns und keinen Sprint über sechs Monate", sagte US-Aufpasser Larry Thompson dem "Handelsblatt" vom Dienstag (bezahlpflichtig). Er wurde im Frühling von der US-Regierung als Aufpasser bei Volkswagen eingesetzt und soll die Wolfsburger kontrollieren, damit sich Verfehlungen wie im Dieselskandal nicht wiederholen können.

Der VW-Konzern muss nach Ansicht von Thompson an seiner Unternehmenskultur arbeiten, um künftig völlig integer und gesetzeskonform zu sein. "Bei Volkswagen gab es bei einigen Mitarbeitern eine verdorbene Unternehmenskultur. Sie war nicht von Offenheit und Ehrlichkeit geprägt", sagte Thompson der Zeitung. Für den US-Juristen sei es bis heute unerklärlich, warum es überhaupt zum Dieselbetrug kommen konnte. "Volkswagen ist doch immer ein erfolgreiches Unternehmen gewesen." Aus wirtschaftlicher Sicht seien die Betrügereien überhaupt nicht nötig gewesen.

Eine Schlüsselrolle komme beim Aufbau einer neuen Unternehmenskultur dem Topmanagement zu. "Es ist wichtig, dass der Vorstand von oben den richtigen Ton angibt und das Vertrauen der Mitarbeiter erwirbt", sagte Thompson. Compliance und Integrität müssten im Konzern dieselbe Bedeutung bekommen wie Entwicklung, Produktion und Vertrieb. Volkswagen war am zweiten Weihnachtsfeiertag nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

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