Tödlicher Roboterauto-Unfall Arizona verbietet Uber Roboterauto-Tests, kritisiert "Versagen"

Mitarbeiter der US-Behörde NTSB untersuchen das Uber-Roboterauto, das einen tödlichen Unfall verursachte

Mitarbeiter der US-Behörde NTSB untersuchen das Uber-Roboterauto, das einen tödlichen Unfall verursachte

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Selbstfahrende Autos: Wie weit die Hersteller beim autonomen Fahren sind

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Arizonas Gouverneur Doug Ducey galt bisher als großer Freund selbstfahrender Autos. Im Dezember 2016, als Kalifornien dem Fahrdienst-Vermittler Uber Tests seiner Roboterwagen untersagte, hieß er Ubers Testfahrzeuge ausdrücklich willkommen - "mit offenen Armen und breiten, offenen Straßen", wie er es damals ausdrückte.

Doch nach dem tödlichen Unfall eines Uber-Roboterautos stoppt nun der Gouverneur höchstpersönlich weitere Selbstfahrversuche von Uber auf Arizonas Straßen. Er habe seine Verkehrsbehörden angewiesen, die Erlaubnis von Uber zum Einsatz autonomer Fahrzeuge auf öffentlichen Straßen auszusetzen, erklärte Ducey nun in einem Brief an Uber-Chef Dara Khosrowshahi.

Und er sparte dabei auch nicht mit Kritik an dem Fahrdienstvermittler. Die Videobilder des Unfalls seine "verstörend und alarmierend" gewesen, so Ducey. Der tödliche Unfall seine ein "unbestreitbares Versagen bei der Einhaltung" von Arizonas "Erwartungen" an die öffentliche Sicherheit gewesen. Uber selbst hatte nach dem Unfall den Betrieb seiner Roboterautos vorläufig auf Eis gelegt.

Die Polizei hatte nach dem Unfall vom 18. März, der die Debatte über die Sicherheit des autonomen Fahrens neu anfachte, Videoaufnahmen von den letzten Sekunden vor dem Zusammenstoß mit einer Fußgängerin in der Stadt Tempe veröffentlicht. Diese scheinen zu belegen, dass sich die Fahrerin des Uber-Autos offenbar auf die Selbstfahrfunktion des Wagens verließ. Die 49-Jährige Fußgängerin erlag nach dem Unfall im Krankenhaus ihren Verletzungen.

Gravierende Probleme bei Ubers Roboterauto-Programm

Das Video werfe "viele Fragen über die Fähigkeit von Uber auf, in Arizona weiter zu testen", schrieb Ducey. In den USA sind die einzelnen Bundesstaaten für die Regulierung der öffentlichen Straßen zuständig, autonome Fahrzeuge sind bislang nur in einigen wenigen zugelassen. Arizona hatte sich dabei zuletzt neben Kalifornien als besonders technologiefreundlich hervorgetan - der Bundesstaat hofft, so Hightech-Konzerne anlocken und Arbeitsplätze in der zukunftsträchtigen Branche schaffen zu können.

Zuletzt hatten US-Medien ein erschreckendes Bild des Uber-Testprogramms für selbstfahrende Fahrzeuge gezeichnet. Laut einem Bericht der "New York Times"  kämpften das Roboterwagen-Programm des Fahrdienst-Vermittlers bereits seit Monaten mit erheblichen Problemen. Die selbstfahrenden Fahrzeuge hätten unter anderem Schwierigkeiten bei Baustellen und neben Sattelschleppern gehabt, schrieb die Zeitung am Wochenende unter Berufung auf interne Unterlagen von Uber. Außerdem hätten menschliche Sicherheitsfahrer häufiger als angestrebt die Kontrolle übernehmen müssen.

Ähnlich lautet der Tenor des US-Wirtschaftsmagazin Fortune  über das Testprogramm. Seit mehr als 12 Monaten versagten Ubers Roboterautos öfter und schwerwiegender als die selbstfahrenden Autos der Konkurrenz, heißt es bei Fortune. Im Dezember 2016 habe ein selbstfahrendes Uber-Testfahrzeug etwa eine rote Ampel in San Francisco überfahren - aufgrund einer Fehlfunktion des Selbstfahr-Systems, wie Uber später zugeben musste.

Wie das Internet-Magazin Recode im März berichtete, zeigte ein interner Uber-Bericht, dass die Uber-Sicherheitsfahrer deutlich häufiger eingreifen mussten als bei Testprogrammen der Konkurrenz. Und nur ein paar Tage vor dem Crash in Arizona, bei dem ein Uber-Roboterwagen bei einer nächtlichen Testfahrt eine Frau tötete, hatte ein weiteres Uber-Fahrzeug einen Unfall: In Pittsburgh fuhr ein Uber-Fahrzeug im Selbstfahr-Modus in ein anderes Fahrzeug - wobei noch nicht klar ist, wer an dem Unfall schuld ist.

Hoher Druck für Uber-Ingenieure

Diese Berichte weisen laut Fortune auf tiefgreifende interne Probleme bei Ubers Roboterauto-Testprogramm hin. Doch Uber ist laut New York Times  im Herbst dennoch dazu übergegangen, die Roboterwagen nur mit einem Sicherheitsfahrer statt mit zwei Mitarbeitern an Bord auf Testfahrten loszuschicken. Die zweite Person war dafür zuständig, die Fahrzeugdaten zu überwachen.

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Testgebiete für selbstfahrende Autos: An diesen Orten können Ihnen Roboterautos entgegenkommen

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Die Firma habe angestrebt, zum Dezember einen kommerziellen Fahrdienst mit selbstfahrenden Autos an den Start zu bringen, hieß es. Das Ziel habe für Druck gesorgt. Außerdem hätten die Verantwortlichen den neuen Uber-Chef Dara Khosrowshahi bei einem für April geplanten Besuch in Arizona mit einer reibungslosen Fahrt beeindrucken wollen. Khosrowshahi soll nach seinem Amtsantritt im vergangenen September erwogen haben, die Roboterwagen-Entwicklung bei Uber einzustellen.

Vor einigen Tagen veröffentlichte die Polizei Videoaufnahmen des tödlichen Unfalls in Arizona. Die von den Fahrzeugkameras aufgezeichneten Sequenzen werfen die Frage auf, warum die Sensoren die Fußgängerin, die ein Fahrrad schob, nicht rechtzeitig bemerkt zu haben scheinen. Der Wagen bremste der Polizei zufolge nicht ab und versuchte auch nicht, auszuweichen. Dabei hätte der Laserradar des Autos sie eigentlich schon auf der benachbarten Fahrspur einwandfrei erfassen müssen. Zudem scheint der Mensch am Steuer unmittelbar vor dem Aufprall nicht auf die Straße zu achten, sondern auf etwas unterhalb des Armaturenbretts zu schauen.

Videoaufnahmen des Roboterauto-Unfalls - Achtung, explizites Bildmaterial:

Tempe Police Department

In einer ersten Reaktion eines Konkurrenten zeigte sich der Chef der Google -Schwesterfirma Waymo überzeugt, dass seine Wagen die Lage besser gemeistert hätten. "Wir sind sehr sicher, dass unsere Technologie robust und in der Lage wäre, mit einer solchen Situation fertig zu werden", sagte John Krafcik bei einem Auftritt auf einer Konferenz des US-Autohändlerverbandes.

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Ein Uber-Sicherheitsfahrer schlief sogar am Steuer ein

Bei Waymo wurde die Entwicklung der Google-Roboterautos gebündelt, die seit 2009 auf der Straße sind. Die Firma hatte Uber vor einem Jahr in einer Klage vorgeworfen, bei ihr gestohlene Laserradar-Technologie zu verwenden. Uber hatte dies stets bestritten, die Klage wurde jüngst außergerichtlich beigelegt.

Arizona hat lockerere Vorschriften für den Betrieb selbstfahrender Autos als zum Beispiel Kalifornien, wo detaillierte Berichte über Unfälle und die Übernahme der Kontrolle durch Sicherheitsfahrer verlangt werden. Waymo ist ebenfalls nach Arizona gegangen, um den ersten Fahrdienst ganz ohne Menschen am Steuer zu starten.

Allerdings mussten Waymos Sicherheitsfahrer nach Angaben aus Kalifornien im Schnitt nur alle 9000 Kilometer ins Geschehen eingreifen. Uber betrieb seine Roboterwagen in Kalifornien noch nicht lange genug, um dort seine Zahlen melden zu müssen. In Arizona habe der Fahrdienstvermittler Probleme gehabt, das interne Ziel von knapp 21 Kilometern (13 Meilen) zu schaffen, schrieb die "New York Times".

In Arizona müssen keine Zahlen zur Abschaltung der Technik an Behörden gemeldet werden. Zugleich schränken Entwickler von Roboterautos ein, dass solche Werte sehr stark von der Schwierigkeit der Route abhängen - und sich auch verschlechtern, wenn man die Technik bei Tests bewusst an ihre Grenzen bringt.

Dem Bericht zufolge hatten sich einige Uber-Mitarbeiter Sorgen um die Sicherheit gemacht, als entschieden wurde, die selbstfahrenden Autos mit nur noch einer Person an Bord auf die Straße zu schicken. Ein Sicherheitsfahrer sei entlassen worden, nachdem er am Steuer eingeschlafen sei. Ein anderer sei dabei gesehen worden, wie er beim passieren einer Kreuzung auf einem imaginären Schlagzeug gespielt habe, hieß es unter Berufung auf informierte Personen.

mit Material von AFP/dpa-afx