Uber, Lyft, Gett - der Run auf Mitfahrdienste Warum jetzt alle Autobauer auf Uber machen

Uber: Jeder - auch die Autobauer - will ein Stück vom Ridesharing-Kuchen abhaben

Uber: Jeder - auch die Autobauer - will ein Stück vom Ridesharing-Kuchen abhaben

Foto: LUCY NICHOLSON/ REUTERS

Uber, Lyft und jetzt Gett.com. In der Automobilbranche ist ein regelrechter Hype um sogenannte Ridesharer ausgebrochen. Am Dienstag verkündigte Volkswagen seinen Einstieg beim Fahrdienstvermittler Gett.com. 300 Millionen Dollar ist den Deutschen der Einstieg bei dem Uber-Konkurrenten wert. VW-Chef Matthias Müller sprach prompt von einem ""Meilenstein auf dem Weg zu ganzheitlichen Mobilitätslösungen".

Wenige Stunden später legte Toyota nach. Die Japaner, die bereits seit längerem mit Uber kooperieren, engagieren sich nun auch finanziell bei dem umstrittenen Startup. Wie hoch ihre Beteiligung ausfällt, dazu äußerten sie sich allerdings nicht.

Dass angesichts der Digitalisierung und der neuen Mitfahrdienste (Ridesharing) sich in Sachen Mobilität einiges ändern wird, ist den Autobauern schon seit Jahren klar. Entsprechend tummeln sich viele bereits seit Jahren in dem Sektor. Gingen Partnerschaften mit Digital-Playern ein, experimentierten, beteiligten sich oder übernahmen gleich die Mehrheit an kleineren Start-ups.

Andere scheuten angesichts von Absatzproblemen in Europa vor teuren Engagements bislang zurück. Wagten sich nur in Trippelschritten in neue Geschäftssegmente vor, um sich in dem schnellebigen Umfeld alles offen zu halten.

Spätestens seit Apples Einstieg beim chinesischen Uber-Konkurrenten Didi Chuxing und GMs Lyft-Investment scheint allerdings Bewegung in die Sache gekommen zu sein. Zumindest ist das Verhalten vieler Autobauer zuletzt deutlich entschlossener geworden.

Daimler dreht den Geldhahn auf

Car2Go: Auch Daimler zeigt in Sachen digitaler Mobilitätskonzepte in letzter Zeit verstärkt Präsenz

Car2Go: Auch Daimler zeigt in Sachen digitaler Mobilitätskonzepte in letzter Zeit verstärkt Präsenz

Foto: DPA

So hat Daimler, die zusammen mit Europcar bereits seit Jahren mit Car2Go einen sogenannten FreeFloat Mietwagenservice betreiben, bei dem Kunden Fahrzeuge innerhalb bestimmter Bezirke spontan mieten und später einfach innerhalb der Zonen wieder abgeben können, seine Marketingaktivitäten für seine Mobilitätsplattform Moovel zuletzt deutlich verstärkt.

Das Angebot, das Kunden den schnellsten und bequemsten Weg von A nach B aufzeigt und ihnen idealerweise auch noch die elektronische Bezahlung dafür ermöglicht, hatte lange auch aufgrund fehlender Werbung dafür, ein Schattendasein im Konzern geführt. Das soll sich nun offenbar ändern.

Erklärtes Ziel von Moovel, die unter anderem auch Fahrten über die Daimler-eigene Mytaxi-App vermitteln: Das Amazon der Mobilität werden - und auch bei der Nutzung fremder Mobilitätsangebote als Gatekeeper mitverdienen.

BMW will Kunden zu Fahrern machen

BMW: Auch die Bayern versuchen, sich alle Türen offen zu halten - und experimentieren eifrig in den USA

BMW: Auch die Bayern versuchen, sich alle Türen offen zu halten - und experimentieren eifrig in den USA

Foto: Andreas Gebert/ dpa

Konkurrent BMW hingegen, die mit DriveNow ebenfalls auf einen hauseigenen Mietwagenservice setzen und diesen nun auch unter dem Namen ReachNow in die USA ausgeweitet haben, hat sich anders als Toyota oder GM bislang nicht an einem Ridesharer vom Formate Ubers oder Lyft beteiligt.

Allerdings hat der Konzern was Mobilität angeht, jede Menge eigene Pläne: So soll BMW-Kunden in den USA über eine Software ermöglicht werden, ihren eigenen Mini an andere Fahrer zu vermieten - und das auch abzurechnen.

Darüber hinaus hält sich BMW alle Möglichkeiten in Sachen Mobilität offen, ist beispielsweise eine Partnerschaft mit dem Mitfahrt-Vermittler Flinc eingangen und ist an dem Parkflächen-Vermieter Parkmobile beteiligt.

GM setzt auf Uber-Konkurrenten

Lyft: GM hat sich mit einer halben Milliarde Dollar bei dem Uber-Konkurrenten eingekauft

Lyft: GM hat sich mit einer halben Milliarde Dollar bei dem Uber-Konkurrenten eingekauft

Foto: AP/dpa

Der US-Autobauer GM hatte unterdessen im Januar eine halbe Milliarde Dollar in den Uber-Konkurrenten Lyft gesteckt - die bislang umfangreichste Investition eines klassischen Autoherstellers in ein Mobilitäts-Start-up. Für dieses Investment erhielt GM einen Platz im Lyft-Aufsichtsrat.

Für die Amerikaner logischer Schritt einer unausweichlichen Etwicklung: Die Zukunft der individuellen Mobilität sehe GM als "zusammenhängend, nahtlos und autonom", erklärte GM-Präsident Dan Ammann anlässlich des Investments.

Im Januar fiel dann auch noch der Startschuss für den hauseigenen Carsharingdienst Maven, über den Kunden in mehreren US-Städten Wagen mieten können.

In Deutschland betreibt die GM-Tochter Opel in Zusammenarbeit mit dem Startup Tamyca indes weiter die private Carsharing-Plattform "CarUnity", über die Privatleute auch ihren eigenen Wagen vermieten können. Der 2014 gestartete Opel-eigene Freefloat-Carsharing-Service Spotcar erwies sich indes als Flop. Er machte nach wenigen Monaten wieder dicht.

VW setzt auf Gett.com - bereits ein etablierter Spieler

Gett.com: Das VW-Investment gehört bereits zu den etablierteren Spielern auf dem Markt für Mitfahrdienste

Gett.com: Das VW-Investment gehört bereits zu den etablierteren Spielern auf dem Markt für Mitfahrdienste

Foto: Gett

Auch Volkswagen war, was die Entwicklung neuer Mobilitätskonzepte anging, bis zum aktuellen Gett-Einstieg eher vorsichtig. Der Konzern sammelte Erfahrungen mit dem noch ziemlich konventionellen Carsharer Quicar, bei dem Kunden noch an fixe Abhol- und Abgabe-Stationen gebunden sind. Zusammen mit einem niederländischen Partner 2013 übernahm VW den Carsharer Greenwheels. Schließlich experimentierte VW in China mit Corporate-Carsharing unter dem Label VRent - ein Modell, bei dem Mitarbeiter eines Gebäudekomplexes Zugriff auf einen gemeinsamen Fuhrpark haben.

Das bereits 2010 gegründete neue Investment Gett.com, in das VW nun 300 Millionen Dollar investiert, ist einer der älteren Spieler auf dem Markt. Die Firma vermittelt ähnlich wie das umstrittene US-Unternehmen Uber Fahrdienstleistungen auf Abruf, ähnlich wie Daimlers Mytaxi-App aber auch Taxifahrten.

In New York lieferte sich Gett.com über längere Zeit mit Uber einen regelrechten Preiskampf und einen Konkurrenzkampf um die Fahrer. Im Großteil von Manhattan bietet die Firma Fahrten zu einem Flatrate-Tarif von zehn Dollar an und sorgte damit für Aufsehen.

Audi setzt auf digitalen Luxus

Vom Concierge vor die Haustür gestellt: Audi On Demand

Vom Concierge vor die Haustür gestellt: Audi On Demand

Foto: Audi

Bei der VW-Tochter Audi wird ebenfalls fleißig getestet. Unter anderem mit Piloten wie "Audi Unite" in Stockholm. Dort können sich bis zu fünf Personen für ein oder zwei Jahre ein Auto teilen - vom Kleinwagen bis zur Oberklasselimousine A8.

Unter "Audi Select" in Berlin setzt der Konzern hingegen mehr auf das Auswahlprinzip: Hierbei teilen sich nicht mehrere Personen ein Auto, sondern ein Kunde kann innerhalb eines Jahres bis zu drei verschiedene Audi-Modelle fahren.

Im Januar steckten die Ingolstädter zudem 28 Millionen Euro in das Autovermietungsportal Silvercar, das sich auf die Anmietung von Autos - genauer gesagt silberne Audis - an Flughäfen spezialisiert hat. Ein Modell, das unter dem Label "Audi shared fleet" nun auch auf Unternehmen ausgeweitet werden soll.

Über das Angebot "Audi on demand" können sich Kunden einen vollgetankten Audi in ausgewählten US-Städten auch vom Concierge direkt vor die Tür liefern lassen.

Auch Peugeot ist auf Uber-Konkurrent scharf

Peugeot: Nach harten Sparrrunden will auch PSA jetzt digital aufholen

Peugeot: Nach harten Sparrrunden will auch PSA jetzt digital aufholen

Foto: BENOIT TESSIER/ REUTERS

Auch der französische Autobauer PSA gibt in Sachen Digitalisierung neuerdings Vollgas. So wollen die Franzosen neben ihrem Engagement bei der Private-Carsharing Plattform Koolicar und dem Elektroauto-Carsharing Projekt "Autolib" ihre Fühler nun auch ins Ridesharing ausstrecken. Wo und wie hoch genau die Franzosen sich engagieren wollen, ist noch offen. Auch in den Onlinehandel setzt der Konzern große Hoffnungen.

An Entschlossenheit scheint es aber nicht zu mangeln. PSAs kürzlich veröffentlichtes "Push-to-pass"-Programm, liest sich wie eine digitale Auto-Agenda.

Fiat sucht Kontakt zu den ganz Großen - und macht in winzig klein

Fiat 500: Die Knutschkugel ist für den Carsharer Enjoy in Italien unterwegs

Fiat 500: Die Knutschkugel ist für den Carsharer Enjoy in Italien unterwegs

Foto: Fiat

Auch Fiat Chrysler (FCA), die zuletztmit ihrer Google-Kooperation bei selbstfahrenden Fahrzeugen für Schlagzeilen sorgten - ist im Mobilitätsgeschäft aktiv. In ausgewählten italienischen Städten kooperiert Fiat mit dem Energiekonzern Eni beim Freefloat-Carsharing-Angebot Enjoy.

Auch Ford tut etwas in Sachen Mobilität, wenn auch deutlich verhaltener als viele Konkurrenten. In Deutschland beispielsweise betreiben die Amerikaner bereits seit rund drei Jahren in Kooperation mit Flinkster einen eigenen Carsharingdienst. Die Autos sind an festen Standorten anmietbar und lassen sich per App öffnen.

Die Konkurrenz ist längst da

Apple: Auch der Tech-Konzern hat mittlerweile seine Finger im Ridesharing-Geschäft

Apple: Auch der Tech-Konzern hat mittlerweile seine Finger im Ridesharing-Geschäft

Foto: JOE RAEDLE/ AFP

Aber die Autobauer sind längst nicht die einzigen, die darauf setzen, dass Ridesharing die Zukunft ist.

So ist der Autovermieter Sixt bereits vor längerem bei der Hamburger Ridesharing-App Wundercar eingestiegen, bei der auch mehrere BMW-Manager persönlich investiert sind.

Und auch Apple - der Angstgegner deutscher Autokonzerne - ist kürzlich auf den Ridesharing-Zug aufgesprungen. In einer für die Amerikaner typischen Größenordnung. Nämlich mit einer Milliarde Dollar beim chinesischen Uber-Rivalen Didi Chuxing (einst Didi Kuaidi), auf die längst auch Größen wie der chinesische Onlinehändler Alibaba und Tencent setzen.