Montag, 16. September 2019

Neuer Ärger für Fahrdienstvermittler Thailand will Uber verbieten

Uber-Service in Bangkok: Bei Touristen beliebt, doch dem Fahrdienst droht das Verbot

Uber hat den Einsatz einer umstrittenen Software gegen Behörden verboten. Konzernchef Kalanick versucht die Wogen zu glätten und verspricht Aufklärung. Doch zugleich droht dem Fahrdienstvermittler neuer Ärger in Thailand.

Neuer Ärger für Uber: Aktuell gehen Thailands Verkehrsbehörden massiv gegen den Fahrdienstvermittler vor und arbeiten an einem Verbot des Service durch die Militärregierung. Uber bietet in Thailand seit 2014 seine Fahrdienste an - offenbar in Wildwestmanier, wie dies in der Vergangenheit in vielen Ländern zu Beginn die Praxis war.

Die Fahrer seien nicht registriert, nicht versichert und auch die Bezahlung sei nicht geregelt, zitieren die englischsprachigen Nachrichtenagenturen Reuters und AP einen Sprecher der Behörde. Ermittler hatten in den vergangenen Tagen in thailändischen Großstädten Dutzende Fahrer mit empfindlichen Strafen überzogen.

Das stellt insofern eine Kehrtwende dar, als thailändische Behörden Uber und andere Anbieter bislang weitgehend unbehelligt ließen - auch weil sie sich unter Einheimischen und Touristen einer wachsenden Beliebtheit erfreuten.

Den Berichten zufolge arbeiten die Behörden parallel an einer eigenen Taxi-App namens "Taxi OK", mit der Kunden staatlich zugelassene Taxis rufen sollen können. "Mit diesem Projekt verbessern wir die Taxi-Standards und bauen Vertrauen durch Sicherheit und Verlässlichkeit auf", wird ein Sprecher zitiert der Transportbehörde zitiert

Uber vermittelt über Smartphone-Apps und das Internet Fahrten. Das Unternehmen ist in vielen Ländern aktiv und vor allem etablierten Taxiunternehmen ein Dorn im Auge. Mittlerweile sind private Uber-Fahrer ohne Lizenz zur Personenbeförderung in vielen Städten verboten, so etwa in Deutschland.

Uber will geheime Software nicht mehr gegen Behörden einsetzen

Zuletzt sorgte Uber für Negativschlagzeilen, weil das Unternehmen in den USA mit einer geheimen Software aufflog, die es gegen Behörden und Strafverfolger einsetzte. Der Fahrdienstvermittler hat jetzt versprochen, diese Software nicht mehr gegen Behörden zu verwenden.

Uber habe eine Untersuchung eingeleitet, wie die Technologie namens "Greyball" bislang genutzt worden sei, schrieb Uber-Sicherheitschef Joe Sullivan in einem Beitrag auf der Internetseite des Unternehmens. "Außerdem untersagen wir ausdrücklich die Nutzung der Software, um Aktionen der örtlichen Behörden auszuspähen."

Uber macht bisher keine Angaben dazu, in welchen Städten genau zum "Greyballing" gegriffen wurde - und welche Behörden jetzt dazu mehr Informationen haben wollen. Die Aufklärung könnte sich indes schwierig gestalten: Dem "Wall Street Journal" zufolge führte Uber 2015 die Regel ein, alle E-Mails nach sechs Monaten zu löschen - auch um sie nicht offenlegen zu müssen.

Vermutlich viele Emails gelöscht, Beweisführung dürfte schwierig werden

Uber hatte die Nutzung der Software in der vergangenen Woche eingestanden, nachdem die "New York Times" darüber berichtet hatte. Das Unternehmen hatte dabei in einem Statement eingeräumt, dass die Software nicht nur eingesetzt werde, um potentiell gewalttätige Kunden, sondern auch um Behördenmitarbeiter oder Strafverfolger zu identifizieren, die versucht hatten, gegen einen regelwidrigen Betrieb des Dienstes in ihrer Stadt vorzugehen.

Theoretisch könnte die Software auch gegen allzu kritische Kunden eingesetzt werden - die dann über die App des Kunden und andere Techniken ebenfalls identifiziert und aussortiert werden könnten - sprich, die dann einfach kein Auto mehr bekommen.

Der Fahrdienstvermittler steht aber auch aus anderen Gründen massiv unter Druck. So wirft die Google-Schwesterfirma Waymo ihrem ehemaligen Top-Entwickler und heutigem Uber-Roboterwagenchef Anthony Levandowski in einer Klage vor, er habe vor seinem Abgang tausende vertrauliche Dokumente heruntergeladen. Uber bestreitet, gestohlene Technologie zu nutzen und kündigte an, den Streit vor Gericht auszufechten.

Es wurden auch Vorwürfe laut, die Unternehmenskultur diskriminiere Frauen. Gründer und Chef Travis Kalanick machte zudem eine schlechte Figur in einem Video, in dem er mit einem Uber-Fahrer stritt. Inzwischen kündigte er an, eine starke Nummer zwei zu suchen und sich ändern zu wollen.

mit Nachrichrichtenagenturen

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