Donnerstag, 19. September 2019

Das erste türkische "Volksauto" wird wohl ein Elektro-SUV "Das wird ein Auto für die Türkei, nicht für Übersee"

Auto-Bestseller nach Neuzulassungszahlen: Das sind die Lieblingsautos der Türken
Fiat

2. Teil: "Der türkische Industrieminister ist da sehr engagiert"

Berichten zufolge soll ein Prototyp des Wagens bereits 2019 vorgestellt werden, in den Verkauf soll der Wagen bereits 2021 kommen. Stimmt dieser Zeitplan so noch?

Das wurde in der türkischen Presse nicht ganz korrekt berichtet. Ich habe vom Chef des Konsortiums, Gürcan Karakas, gehört, dass der Wagen im Jahr 2021 vorgestellt wird. Anfang 2022 soll das Auto dann auf den Markt kommen.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat das Nationalauto-Projekt selbst angekündigt und macht kräftig Werbung für das Prestigeprojekt. Getragen wird das Projekt aber von einem Konsortium von fünf privatwirtschaftlichen türkischen Unternehmen. Wie weit ist der türkische Staat in die Entwicklung des türkischen Nationalautos involviert?

In der Türkei spielt der Staat eine große Rolle - bei der wirtschaftlichen Entwicklung und in anderen Bereichen. Schon der Begründer der Republik Türkei, Mustafa Kemal Atatürk, hat alle politischen Veränderungen durch den Staat in das Volk getragen. Aber beim Nationalauto investiert der türkische Staat nicht in das Projekt selbst. Er unterstützt die Investoren, er wird die Rahmenbedingungen schaffen. Aber er ist nicht Teilhaber, investiert keinen einzigen Cent und hat auch keine Entscheidungsgewalt in dem Projekt.

Wie treiben Politiker das Projekt voran?

Der türkische Industrieminister ist da sehr engagiert. Er spricht zum Beispiel mit den Investoren und fragt nach, welche Probleme wir haben. Mich fragte er etwa, ob wir als Zulieferer dieses Projekt etwas stärker unterstützen können. Es ist kein Befehl, aber eine Bitte vom Industrieminister. Das ist bei uns in der Türkei wichtig und etwas, woran wir uns halten werden. Es werden auch immer mehr private Investoren angesprochen. Der Staat wird dieses Projekt immer öffentlich unterstützen und Präsident wird Werbung dafür machen.

Wie viele Leute arbeiten bereits für "Turkey's Automotive Initiative Group", die Holding des nationalen Auto-Projekts?

Der Generalmanager der Holding ist Gürcan Karakas, ein langjähriger Bosch-Manager, der früher auch im Vorstand unseres Autozulieferer-Verbands saß. Er hat lange in Deutschland gearbeitet, hält sich aber fern von Journalisten und ist sehr sparsam mit seinen Angaben. Auch für mich als Präsident des türkischen Autozulieferer-Verbandes ist nicht klar, wie viele Leute da derzeit tätig sind. In der jetzigen Anfangsphase, schätze ich, werden es rund 50 Mitarbeiter bei der Holding sein. Aktuell stellen sie neue Mitarbeiter ein.

An dem Projekt sind fünf große türkische Unternehmensgruppen als Konsortiumspartner beteiligt. Was tragen sie bei und wieviel werden sie investieren?

Von den fünf Gründungsmitgliedern des türkischen Nationalauto-Konsortiums haben zwei Unternehmen Erfahrungen mit der Automobilindustrie. Die Anadolu-Group und BMC betreiben Autowerke in der Türkei und wissen, wie man Fahrzeuge produziert. Die anderen drei Konsortiumsmitglieder kommen aus der Elektronik- und Mobilfunkbranche. Sie werden neue Technologien zuliefern. Ein Auto ist heutzutage ja auch ein Computer und Entertainmentwerkzeug. An Bord ist etwa der Mobilfunkprovider Turkcell, die viel Erfahrung mit Telekommunikation und Vernetzung haben. Zu den Investitionen ist noch nichts offiziell bekannt. Das haben die Unternehmen untereinander abgesprochen, und dazu haben sie auch auf Tagungen noch nichts verlautbart.

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