Freitag, 22. November 2019

Tschechischer Ministerpräsident verrät "Volkswagen vor großer Investition in der Türkei"

Ist die Entscheidung gefallen? Die Chancen für die Türkei, stehen angeblich gut, dass Volkswagen dort ein neues Werk baut

Hat der tschechische Ministerpräsident Andrej Babis Pläne von Volkswagen öffentlich gemacht? Auf einer Pressekonferenz sagte der Politiker in dieser Woche, dass Volkswagen eine große Investition in der Türkei plane. Zuvor hatte Babis den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan zu einem Gespräch getroffen. "Die Tschechische Republik ist ein wichtiger Hersteller von Autoteilen... Wir sind dabei in einer führenden Position und würden sicherlich gerne kooperieren", sagte Babis.

Bislang hat sich Volkswagen nicht öffentlich festgelegt, wer den Zuschlag für ein neues Werk erhält. Seit Monaten sucht der Wolfsburger Autokonzern einen Standort für ein Mehrmarken-Werk für Osteuropa. Im Rennen waren Medienberichten zufolge letztendlich noch die Türkei und Bulgarien: Zuletzt hieß es jedoch schon, die Türkei habe den Zuschlag erhalten. Eine Bestätigung von Volkswagen gibt es bisher allerdings nicht. Jedoch ist aus Unternehmenskreisen zu hören, dass sich die Planungen konkretisiert hätten, jedoch noch nicht finalisiert seien. Angesichts der sich häufenden Indizien, dürfte mit einer baldigen Bekanntgabe der Entscheidung zu rechnen sein.

VW-Chef Diess soll sich schon mit Erdogan getroffen haben

Auch Reuters berichtete in der vergangenen Woche, dass die Türkei gute Chancen habe, den Zuschlag zu erhalten. Der Wolfsburger Autobauer sei weitgehend bereit, eine Milliarde Euro in dem Land zu investieren, sagten zwei Insider der Nachrichtenagentur. Derzeit werde mit den Behörden noch über die in der Türkei geltende Verbrauchssteuer für Pkw verhandelt.

Steuerliche Fragen, die zuletzt noch offen waren, seien weitgehend geklärt, berichtet Reuters unter Berufung auf zwei Insider. "Es gibt keine Hindernisse mehr dafür, dass die Investition in der Türkei getätigt wird", sagte einer der beiden. Unternehmenskreise in Wolfsburg bestätigten unterdessen, dass sich Konzernchef Herbert Diess bereits vor einigen Woche mit Erdogan getroffen habe, um die Pläne zu erläutern. Die Verhandlungen selbst seien mit den Fachministerien, insbesondere dem Industrieminister, in der Türkei geführt worden.


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Eine Entscheidung für die Türkei gilt indes als politisch umstritten. Die EU wirft Erdogan vor, die freie Meinungsäußerung und die Demonstrationsfreiheit zu beschneiden. VW sieht zwar Demokratiedefizite, hält dem aber entgegen, dass das Land seit Jahren als Kandidat für einen möglichen EU-Beitritt gelte. Ministerpräsident Stephan Weil (SPD), der im Aufsichtsrat von VW sitzt, hatte noch im Juli betont, dass ganz egal wie die Entscheidung ausfalle, es "eine wirtschaftliche Entscheidung und keine politische Aussage" sein werde.

rtr/akn

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