Volkswagen-Tochter Traton fährt Investitionen in Elektro-Lkw hoch

Volkswagen-Nutzfahrzeugtochter Traton wettet auf einen Durchbruch für Elektro-Lkw und stockt ihre Investitionen dafür deutlich auf. Bis 2025 sollen 1,6 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung fließen.
"Traton wird elektrisch, Schritt für Schritt", sagt Vorstandschef Matthias Gründler

"Traton wird elektrisch, Schritt für Schritt", sagt Vorstandschef Matthias Gründler

Foto: Dan Boman 2020

Die VW-Nutzfahrzeugholding Traton will in den kommenden Jahren mehr Geld in die Entwicklung von Elektroantrieben stecken. Bis 2025 seien nun statt einer Milliarde Euro zusammengenommen 1,6 Milliarden für Forschung und Entwicklung in diesem Bereich vorgesehen, teilte Traton am Montag mit. Die Ausgaben für konventionelle Antriebe werden eingedampft, 2025 soll weniger als ein Fünftel der Investitionen in der Produktentwicklung auf diese Antriebe entfallen. "Traton wird elektrisch, nicht von heute auf morgen, aber Schritt für Schritt", sagte Vorstandschef Matthias Gründler (55) .

Derzeit seien Diesel-Lkw noch deutlich wirtschaftlicher als Elektro-Nutzfahrzeuge, merkte Gründler an. Das werde sich aber schon in wenigen Jahren ändern. Ab Mitte des Jahrzehnts rechnet er damit, dass elektrisch angetriebene Lastwagen günstiger im Betrieb seien als die Diesel-Maschinen. Dann werde der "Tipping Point" erreicht sein, sagte Gründler. Wasserstoff-Lastwagen dürften sich in den nächsten zehn Jahren jedoch ebenfalls am Markt etablieren, wenn auch eher in Nischenbereichen wie bei Fernreisebussen, die in den Haltepausen nicht ausreichend geladen werden könnten.

Die Traton-Gruppe gehört mit ihren Marken MAN, Scania und Volkswagen Caminhões e Ônibus zu den führenden Nutzfahrzeugherstellern. Bei der schwedischen Scania sollen 2025 rund 10 Prozent der abgesetzten Fahrzeuge in Europa mit Elektroantrieben fahren, 2030 dürfte jedes zweite von Scania verkaufte Fahrzeug einen E-Antrieb haben. Bei MAN sollen 2025 die Hälfte der neuen Busse einen alternativen Antrieb haben. 2030 würden mindestens 60 Prozent der Lkw für den Lieferverkehr und 40 Prozent der Lkw für den Fernverkehr emissionsfrei sein, so die Planungen des Münchener Konzerns.

Die Traton-Aktie  lag am Vormittag leicht mit 0,3 Prozent im Minus bei 23,84 Euro. Das Papier hat sich in den vergangenen Monaten vom Einbruch der Nutzfahrzeugmärkte in der Corona-Krise merklich erholt, auch weil es vor allem bei den zwischenzeitlich darniederliegenden Auftragseingängen wieder besser aussieht. Vor einem Jahr war das Papier nur rund 11 Euro wert gewesen. Allerdings haben längerfristig orientierte Anleger kaum Freude an der Aktie - Volkswagen hatte beim Börsengang im Juni 2019 rund 10 Prozent der Anteile für 27 Euro das Stück verkauft.

cs/dpa-afx/Reuters