Kulturkampf bei Lkw-Bauer Traton Betriebsratschef verlässt MAN blitzartig

Mit sofortiger Wirkung verlässt MANs langjähriger Betriebsratschef Athanasios Stimoniaris den Lkw-Bauer. Als Grund werden persönliche und gesundheitliche Motive genannt. Der Blitzabschied hat eine Vorgeschichte.
Sofortiger Abgang: Der langjährige Betriebsratschef des Lkw-Herstellers, Athanasios "Saki" Stimoniaris

Sofortiger Abgang: Der langjährige Betriebsratschef des Lkw-Herstellers, Athanasios "Saki" Stimoniaris

Foto: Fotostand / Wagner / imago images

Inmitten der Sanierung und der personellen Neuausrichtung scheidet bei dem zur Volkswagen-Tochter Traton gehörenden Lkw- und Bushersteller MAN der langjährige Betriebsratschef Athanasios Stimoniaris (50) aus. Wie MAN heute in einer Mitteilung erklärte , verlässt Stimonaris aus "persönlichen Gründen" das Unternehmen - und zwar ab sofort. Die bei solchen Anlässen übliche Danksagung fiel ebenso kurz aus wie die Abschiedsfrist, aber immerhin dankt der MAN-Vorstand seinem Betriebsratschef "für die geleistete Arbeit und wünscht ihm für seine Zukunft alles Gute".

Stimoniaris antwortete auf eine Anfrage von manager magazin vorerst nicht. Der Traton-Betriebsrat erklärte in einer Stellungnahme, dass Stimoniaris sich nach "reichlicher Überlegung" zusammen mit seiner Familie entschieden habe, das Unternehmen zu verlassen. Dies sei ihm nicht leicht gefallen. In dem Schreiben wird auch angedeutet, dass gesundheitliche Gründe beim Ausscheiden von Stimoniaris eine Rolle gespielt haben könnten. Stimoniaris habe in den vergangenen Monaten "die Zukunft des Unternehmens und der Beschäftigten über seine eigene Gesundheit gestellt", heißt es darin. Der Betriebsrat danke Stimoniaris "von ganzem Herzen für den herausragenden persönlichen Einsatz", meinte die stellvertretende Betriebsratsvorsitzende am Standort München, Irmgard Maucher.

Stimoniaris war zuletzt mehrfach und ziemlich öffentlich mit dem MAN-Vorstand andeinandergeraten. Der 50-Jährige hatte den Tarifvertrag zur Restrukturierung des kriselnden Traditionsunternehmens mit MAN-Chef Andreas Tostmann (59) ausgehandelt. MAN streicht bis Ende kommenden Jahres 3500 Arbeitsplätze - deutlich weniger als ursprünglich geplant. Tostmann und Traton-Chef Matthias Gründler (55) hatten eigentlich 9500 der weltweit 36.000 Arbeitsplätze abbauen wollen, sich nach einer Klage des Betriebsrats vor dem Arbeitsgericht aber auf den geringeren Abbau geeinigt. Werke im österreichischen Steyr und in Plauen wurden verkauft.

Kräftige Unstimmigkeiten zur MAN-Sanierung

Es ist im Volkswagen-Konzern selten, dass Betriebsräte Knall auf Fall das Unternehmen verlassen. Doch Stimoniaris' Abgang ist ein deutlicher Hinweis darauf, mit welchen harten Bandagen der Streit um die Sanierung bei Traton derzeit geführt wird. manager magazin hatte vergangene Woche ausführlich über den Kulturkampf bei Traton berichtet . Stimoniaris spielte darin eine wichtige Rolle: Er lag mit dem MAN-Management über Kreuz. Das ist einer der Gründe, warum die Sanierung nicht vorankommt. Stimoniaris gehörte neben den Aufsichtsräten von Traton und MAN auch dem Kontrollgremium von Volkswagen an.

Stimoniaris ließ sich in dem Betriebsratschreiben mit Abschiedsworten zitieren: Er dankte der Belegschaft, der Gewerkschaft IG Metall und den Betriebsräten. "Gemeinsam konnten wir die schwierigen Phasen der MAN immer wieder in anständige Perspektiven für die Menschen in unserer MAN verwandeln", so Stimoniaris. "Ich werde im Herzen auch in Zukunft ein MANler bleiben und hoffe, ihr behaltet mich in guter Erinnerung.“

Bis zur Neuwahl des Vorsitzes werde Irmgard „Irmi“ Maucher die Geschäfte des Betriebsrats am Standort München führen, heißt es in dem Schreiben. Nur etwas findet sich in all den freundlichen Abschiedsworten nicht: Ein Dank in Richtung Traton-Vorstand für die Zusammenarbeit.

wed/Reuters
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