Japan ruft zu globalem Kraftakt auf Ein einzelner Fabrikbrand trifft die Autoindustrie empfindlich

Die Hoffnung auf eine schnelle Lösung der Chipkrise in der Autoindustrie schwindet. Toyota und Nissan schicken Arbeiter, um eine Fabrik des Lieferanten Renesas nach einem Brand wieder flottzukriegen - nicht das erste Unglück, das den Mangel verschärft.
Bild aus besseren Tagen: Chipfabrik von Renesas im japanischen Hitachinaka (Archivbild von 2011)

Bild aus besseren Tagen: Chipfabrik von Renesas im japanischen Hitachinaka (Archivbild von 2011)

Foto: KAZUHIRO NOGI/ AFP

Die japanische Regierung ruft um internationale Hilfe. Anlagenbauer aus Japan und Übersee sollten schnellstmöglich Maschinen und Teile liefern, um eine durch Feuer am vergangenen Freitag beschädigte Chipfabrik von Renesas Electronics wieder in Gang zu bringen.

"Wir können Unternehmen nicht zum Handeln zwingen, aber wir können sie dazu auffordern", erklärte ein Beamter des Wirtschaftsministeriums der Nachrichtenagentur Reuters. "Mehr als ein paar" Firmen habe man kontaktiert - ein ungewöhnlicher Akt der Staatshilfe bei Produktionsproblemen eines einzelnen Unternehmens. Wie "Bloomberg" am Mittwoch berichtete , haben Toyota und Nissan schon von sich aus Arbeiter zum Aufräumen ins Werk in Hitachinaka nordöstlich von Tokio abgestellt.

Der Wiederaufbau hat höchste Priorität, die Autokonzerne als Großkunden von Renesas führen ein Rennen gegen die Zeit. Zwei Drittel der dort produzierten Mikrochips sind für die Autoproduktion bestimmt. Renesas-Chef Hidetoshi Shibata gab am Sonntag das Ziel aus, in einem Monat wieder zu produzieren. Einige der sieben zerstörten Beschichtungsmaschinen im verräucherten Reinraum zu ersetzen, dürfte nach Angaben einer Firmensprecherin aber mehrere Monate dauern.

"Es ist schon bemerkenswert, dass jetzt so viel von einer einzelnen Fabrik abhängt", erklärt Fitch-Analyst Roman Schorr gegenüber "Bloomberg". Das Werk liefere normalerweise 6 Prozent der globalen Chipproduktion für die Autoindustrie - doch dort herrscht ohnehin schon Mangelwirtschaft. Mit dem raschen Wiederaufschwung der Autoproduktion seit Ende 2020 und dem gleichzeitigen Boom in der Elektroindustrie können die Lieferanten nicht Schritt halten. Die deutsche Bundesregierung hatte bereits in Taiwan interveniert, wo der Chipriese TSMC das Gros der Halbleiterwafer für Autos produziert.

Zum Ungleichgewicht kommt auch noch Unglück

Toyota und andere asiatische Autokonzerne wie Hyundai sahen bislang wie relative Krisengewinner aus, weil sie sich eine teure Lagerhaltung mit Teilevorräten für drei bis vier Monate leisten - im Gegensatz zu westlichen Konkurrenten, die alles auf eine schlanke Just-in-time-Logistik gesetzt haben und deshalb schon zu Jahresanfang außerplanmäßige Werkspausen einlegen mussten. Doch zum Ungleichgewicht im Markt kam auch noch Unglück hinzu: Erst legte der Stromausfall infolge des Extremfrosts in Texas im Februar eine Chipfabrik von Infineon lahm und auch Toyota musste ein tschechisches Autowerk stoppen - und nun noch das Feuer in Japan, offenbar wegen einer elektrischen Überspannung in einer der Maschinen.

Schon bevor das Feuer am Freitag ausbrach, hatte Renesas-Chef Shibata "Bloomberg" gesagt, die Autoindustrie werde mindestens noch bis zur Jahresmitte mit einem begrenzten Chipangebot zu kämpfen haben. Aktuell deute alles darauf hin, dass sich diese Situation auch bis in das zweite Halbjahr hinein fortsetzen dürfte. Auch der deutsche Autozulieferer Bosch warnt nun seine Kunden: Der Brand bei Renesas Electronics führe zu einer zusätzlichen Verknappung in der Lieferkette. Das schwäbische Unternehmen arbeite mit Hochdruck daran, die Auswirkungen so gering wie möglich zu halten, teilte es am Montag mit.

Marktbeobachter gehen davon aus, dass den Autobauern in diesem Jahr Erlöse im Umfang von 60 Milliarden Dollar (ca. 50 Milliarden Euro) wegen des Chipmangels entgehen werden. Millionen Fahrzeuge, für die eine Nachfrage bestünde, können nicht gebaut werden.

ak/Reuters, dpa-afx
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