Weltgrößer Autobauer entwickelt reine Batterieautos Toyota setzt Top-Leute auf Elektroauto-Blitzstart an

Echte Chefsache: Toyota-Chef Akio Toyoda persönlich leitet die neue Elektroauto-Sparte des Konzerns

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Zu teuer, zu geringe Energiedichten, der benötigte Strom zu wenig sauber: Alles andere als begeistert zeigte sich der weltgrößte Autohersteller Toyota bislang bei Elektroautos, die ihre Energie ausschließlich aus der an Bord mitgeführten Batterie beziehen. Die Japaner haben schließlich den Hybridantrieb perfektioniert, der Verbrauch und Schadstoffausstoß von Benzinmotoren durch eine zeitweise Elektromotor-Unterstützung deutlich senkt. Allenfalls Plugin-Hybride, deren Akkus ein paar Dutzend Kilometer rein elektrischer Fahrt ermöglichen, haben die Japaner bislang im Angebot.

Reine E-Autos, so erklärten die Japaner bisher, seien höchstens für Kurzstrecken geeignet. Saubere Langstreckenfahrten sollten Wasserstoffautos wie der Mirai bewältigen, den Toyota Ende 2014 auf den Markt brachte. Dessen Brennstoffzelle wandelt Wasserstoff in elektrische Energie um, eine Tankladung reicht für 350 bis 400 Kilometer Autobahnfahrt, wie manager-magazin.de vor einem Jahr bei einer Testfahrt zeigte.

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Doch nun wendet sich auch Toyota von der reinen Wasserstoff-Lehre auf der Langstrecke ab und legt eine für japanische Verhältnisse rasante Kehrtwende bei Batterie-Elektroautos hin. Vor knapp einem halben Jahr erklärte Toyotas oberster Hybrid-Ingenieur gegenüber dem Magazin Forbes, dass sein Unternehmen künftig Batterien einen größeren Stellenwert einräumen wolle. Vor ein paar Tagen vermeldeten die Japaner, dass sie dank einer neuen Analysemethode die Reichweiten von Lithium-Ionen-Akkus wohl bald um 10 bis 15 Prozent steigern können.

Toyoda kommandiert seine besten Kräfte ab

Nun gibt Toyota offiziell die Gründung einer eigenen Elektroauto-Sparte bekannt. Wie ernst es die Japaner damit meinen, zeigt auch ein Blick in deren Management - denn das Führungsquartett der neuen Sparte kommt aus der allerobersten Etage bei Toyota.

Geleitet wird die neue Sparte von Unternehmenschef Akio Toyoda persönlich. Ihm zur Seite stehen die Unternehmens-Vizepräsident Mitsuhisa Kato und Shigeki Terashi, die beide führende in Toyotas Forschungs- und Entwicklungsabteilung innehaben. Kato etwa wurde öfters als Toyota-Entwicklungsvorstand bezeichnet. Das Entwicklungsteam der neuen Elektroauto-Abteilung leitet Kouji Toyoshima, der Chefingenieur des Hybridmodells Prius.

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manager-magazin.de / Wochit

Sehr viel höher könnte Toyota seine E-Mobil-Einheit also kaum ansiedeln. Frühere Versuche der Japaner mit reinen Elektroautos waren nicht gerade von riesigen Verkaufserfolgen gekrönt. Gerade mal ein paar tausend Stück setzen die Japaner von der reinen Batterieversion des Kompakt SUVs RAV4 ab, für die Tesla Motors Antriebsstrang und Akkus lieferte. Ein paar hundert Stück baute Toyota von der Elektroversion seines Minimobils iQ. Doch den Schritt von der Testflotte zur Serienproduktion schaffte das Stromwägelchen nie. Zu gering waren sowohl Reichweite (nicht mal 100 Kilometer) und Spitzengeschwindigkeit (gerade mal 125 km/h).

Nur drei Jahre Entwicklungszeit für neues E-Modell

Nun sollen Toyotas Top-Manager und Ingenieure im einen zweiten Toyota-Anlauf Richtung Elektroautos wagen - im Schnelldurchlauf. Denn bis 2020, so heißt es in Medienberichten, wollen die Japaner ein Elektroauto mit mindestens 300 Kilometern Alltagsreichweite im Handel haben.

Die Japaner sind dabei später dran als die Konkurrenz. Volkswagen etwa hat im Sommer den großen Wandel Richtung Elektroauto verkündet und vor kurzem seine detaillierten Pläne für die Kernmarke VW vorgestellt. Bis 2020 wollen die Wolfsburger eine Art Elektro-Nachfolger des Golf mit 500 Kilometer Reichweite bringen - zu Preisen, die laut VW-Oberstrategen Sedran kaum mehr über jenen für vergleichbare Dieselautos liegen werden.

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General Motors bringt in wenigen Wochen sein Elektroauto Bolt zu den Händlern, das Schwestermodell von Opels Ampera-e. Der Bolt wird rund 35.000 Dollar kosten und kommt auf eine Alltagsreichweite von 300 Kilometer. Die Renault-Nissan-Allianz setzte früh auf Elektroautos und pimpte kürzlich die Batterie des Kompakt-Stromers Leaf in Richtung Langstreckentauglichkeit. Und selbst Hyundai, bislang ebenfalls ein Elektrokost-Verächter, hat nun eine rein batteriegetriebene Version des Modells Ioniq am Start.

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Getrieben wird die plötzliche Elektroauto-Begeisterung der Autohersteller von sich ändernden gesetzlichen Rahmenbedingungen - nicht nur in den USA, sondern vor allem in Europa und China. Diese begünstigen rein batteriegetriebene Elektroautos, die notwendige Tank-Infrastruktur für Wasserstofffahrzeuge fehlt noch großteils. Das erkennen auch die Toyota-Strategen, und deshalb schwenken sie um. Denn weltgrößter Autohersteller wird man nur, wenn man produziert, was der Markt von einem fordert. Und das konnte Toyota in den vergangenen Jahrzehnten ziemlich gut.

Dem Wasserstoff bleiben die Japaner aber trotzdem treu. Schon jetzt, also gerade mal zwei Jahre nach dem Start des Mirai, kündigen sie die zweite Generation des Mirai an - für 2020. Und eine Milliarde Dollar investieren die Japaner in die Forschung am autonomen Fahren. Denn unter Geldmangel leidet Toyota nicht. Seit Jahren ist der Konzern der profitabelste Massenhersteller der Welt.

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