Dienstag, 25. Februar 2020

Die ganze Tour im Toyota Mirai zum Nachlesen Der weite Weg zum Wasserstoff

Zwei Tage im Toyota Mirai: Das haben unsere Redakteure bei der Wasserstoff-Expedition erlebt
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4. Teil: Wettfahrt gegen Weltrekordler

13.55 Uhr: Hier ein wenig Hintergrundwissen: Unsere Wettbewerber Hansjörg von Gemmingen und Fabian Becker sind Weltrekordhalter. Im Sommer fuhren die beiden vom Starnberger See in Bayern ins spanische Tarifa nahe Gibraltar, von dort ans Nordkap und wieder zurück nach Bayern. 14.000 Kilometer haben sie dabei in 14 Tagen zurückgelegt und halten daher den Elektroauto-Fahrrekord mit der geringsten Ladezeit. In der Wettfahrt mit uns geht es aber ums Durchhalten: Mit komplett geladenen Akkus sollten die beiden Tesla Model S, mit denen wir um die Wette fahren, in etwa so weit kommen wie wir mit unserem Wasserstoff-Mirai.

Team Toyota Mirai: Mit zunächst 90 Sachen gen Süden

14 Uhr: Ein Blick in unsere Live-App zeigt: Der Toyota Mirai und der Tesla von Hansjörg von Gemmingen ("Tesla P") liegen ungefähr gleichauf. Der Tesla von Fabian Becker ("NoMieV") hat sich abgesetzt. Allerdings wird der NoMieV-Tesla auch zwischenladen, und wir haben gute Chancen, ihn beim Boxenstopp wieder einzuholen.

14.05 Uhr: Von Berlin aus sind es 445 Kilometer bis ins bayerische Geiselwind - wo wir eine von deutschlandweit 20 Wasserstoff-Tankstellen finden und unsere Tesla-Begleiter einen Schnelllader. Diese Entfernung stellt den Mirai auf eine Probe: Um diese Distanz zu schaffen, müssen wir unser Autobahntempo ziemlich drosseln und fahren mit 90 km/h. Hansjörg Gemmingens Tesla Model S hat bereits 180.000 Kilometer abgespult, seine Batterie ist also nicht mehr ganz frisch - und soll noch 450 Kilometer mit voller Ladung schaffen. Fabian Becker darf mit seinem Model S einmal an einem Supercharger zwischenladen.

14:15 Uhr: Ein knappes Zehntel der Strecke nach Geiselwind haben wir bereits geschafft - mit moderatem Fahrstil. Der Tempomat steht aktuell bei 90 km/h, ein einziges Mal haben wir auf 100 km/h beschleunigt - aber nur kurz. Derzeit zeigt uns der Bordcomputer einen Verbrauch von 0,8 Kilogramm Wasserstoff auf 100 Kilometer an. Wenn wir diesen Schnitt halten, dann kommen wir mit den 4,4 Kilogramm Wasserstoff im Tank des Mirai auch problemlos nach Geiselwind.

Team Tesla Model S (ohne Aufladen): Fahrer Hansjörg von Gemmingen spart zunächst im Windschatten von Lastwagen Energie
Weites Netz: Wasserstofftankstellen in Deutschland (zum Vergrößern bitte auf das Bild klicken)
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Weites Netz: Wasserstofftankstellen in Deutschland (zum Vergrößern bitte auf das Bild klicken)

14:15 Uhr: Unsere beiden "Gegner" in den Teslas gehen die Wettfahrt vom Fahrstil her sehr unterschiedlich an. Fabian Becker ("NoMiE") ist nach den ersten 15 Minuten an uns vorbeigezogen und liegt deutlich vorne - kein Problem für ihn, er darf ja nachladen. Das können wir mangels Infrastruktur (siehe Grafik links) nicht. Hansjörg von Gemmingen ("Tesla P") hing lange in unserem Windschatten, hat uns aber vor 10 Minuten überholt. Windschatten fahren können wir aber auch - wir hängen uns für eine Weile hinter einen Lkw bei 88 km/h.

14.35 Uhr: Bei klarer Spätherbstsonne durchqueren wir auf der A9 das Naturparkzentrum Hoher Fläming rund 70 Kilometer südwestlich von Berlin. Die ersten Windparks haben wir bereits gesichtet - und sie erinnern uns daran, dass man den Treibstoff für unser Auto auch sehr umweltfreundlich per Elektrolyse herstellen könnte. Doch noch sind solche mit Ökostrom betriebenen Anlagen rar. Immerhin gibt es bereits die ersten Wasserstoff-Tankstellen, die ihren Kraftstoff nach diesem Verfahren selbst vor Ort herstellen. Kostendeckend ist das allerdings nicht, hat man uns erklärt.

14.45 Uhr: Der Großteil des industriell genutzten Wasserstoffs wird in Deutschland jedoch aus Erdgas gewonnen. Diese Art der Erzeugung ist die derzeit wirtschaftlichste, heißt es in der Industrie. Zu diesem Thema befragen wir um 16 Uhr noch einen Experten von Shell. Der soll uns auch erklären, warum es in Deutschland noch immer so wenige Zapfsäulen für Mirai und Co. gibt.

14.50 Uhr: Große Erleichterung im futuristischen Cockpit des Mirai: Wir haben jetzt 20 Prozent unserer Strecke geschafft, verbraucht haben wir aber erst rund 12,5 Prozent der Tankfüllung. Vielleicht geben wir ja nochmals Gas - oder Wasserstoff, um präzise zu sein - und überholen Hansjörg von Gemmingen. Doch wir müssen uns da etwas disziplinieren. Überholmanöver werden wir wie bei Fahrradrennen erst am Ende starten, wenn der Akku des Tesla schwächer und schwächer wird.

15.05 Uhr: Wer wissen will, wie der Mirai von außen und innen aussieht: Wir haben ein paar Bilder dazu vorbereitet.

15.20 Uhr: Als angenehm für unsere Langstreckenfahrt erweist sich der adaptive Tempomat, den Toyota dem Mirai unter die Haube gepackt hat: Damit fahren wir recht sparsam hinter den Lkws. Was wir allerdings vermissen, ist eine präzisere Angabe der Restreichweite oder des restlichen Tankinhalts. Auf der Anzeige lässt sich dieser nur in Achtel-Schritten ablesen - da wäre es schön, wenn wir die verbleibenden Wasserstoff-Kilos im Tank oder Prozentzahlen sehen könnten.

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