Toyota greift zu Lyft trennt sich von Roboterwagen-Sparte

Die Konsolidierung in der Roboauto-Sparte setzt sich fort: Nach Konkurrent Uber gibt auch der Fahrdienstvermittler Lyft das schwierige Geschäft mit autonom fahrenden Autos auf.
Hände ans Steuer: Lyft lässt vom autonomen Fahren doch lieber die Finger

Hände ans Steuer: Lyft lässt vom autonomen Fahren doch lieber die Finger

Foto: Alastair Sharp/ REUTERS

Der Fahrdienst-Vermittler Lyft gibt die Entwicklung eigener Roboterwagen-Technologie auf. Die Sparte mit dem Namen Level 5 wird für 550 Millionen Dollar (455 Millionen Euro) an eine Tochterfirma von Toyota verkauft, wie die Unternehmen am späten Montagabend mitteilten. Der große Lyft-Konkurrent Uber war bereits im vergangenen Jahr aus der Entwicklung eigener Technologie zum autonomen Fahren ausgestiegen.

Lyft-Mitgründer John Zimmer (37) betonte, mit der Kostensenkung um rund 100 Millionen Dollar im Jahr werde man schneller die Gewinnzone im operativen Geschäft erreichen. Vom Kaufpreis sollen 200 Millionen Dollar gleich überwiesen werden und die restlichen 350 Millionen Dollar über einen Zeitraum von fünf Jahren.

Die Toyota-Tochter Woven Planet erhält unterdessen im Gegenzug Zugriff auf Flottendaten von Lyft, um die Entwicklung ihrer selbstfahrenden Autos zu beschleunigen. Woven Planet baut derzeit in Japan eine eigene kleine Stadt, genannt Woven City, in der intelligente Häuser, autonome Fahrzeuge und andere Mobilitätsprodukte miteinander vernetzt sind und in denen auch Toyota-Mitarbeiter leben sollen. Die Lyft-Sparte passt da gut ins Konzept.

Tesla weit abgeschlagen hinter Waymo

In den vergangenen Monaten hatte sich die Auslese unter Entwicklern selbstfahrender Autos bereits beschleunigt: Die GM-Firma Cruise übernahm den Konkurrenten Voyage, der mehrere Senioren-Wohnsiedlungen in den USA mit Robotaxi-Diensten versorgte. Das Start-up Zoox wurde von Amazon gekauft, die Uber-Sparte ging an die Roboterauto-Firma Aurora.

Für Aufsehen sorgte zudem im Januar der Egokampf zwischen Tesla-Chef Elon Musk (49) und John Krafcik (59), der damals die aus Googles Autoprojekt hervorgegangene Alphabet-Tochter Waymo leitete. Mit vollem autonomen Fahren habe der Ansatz von Tesla nichts zu tun, erklärte Krafcik im Interview mit dem manager magazin. "So funktioniert das in der Praxis nicht", wies er die Annahme zurück, Tesla könne die Sammlung von Daten aus dem Betrieb seines "Autopilot" genannten Assistenzsystems nutzen, um eines Tages echte Robotaxis zu entwickeln. Dafür brauche man schon Hardware wie Sensoren, mit denen Waymo weit voraus sei. Das wollte Musk nicht auf sich sitzen lassen und konterte, "zu meiner Überraschung hat Tesla bessere Hard- und Software zur künstlichen Intelligenz als Waymo".

Dabei steht Tesla in der jüngsten Rangliste, die Guidehouse im Frühjahr 2020 veröffentlichte , tatsächlich nur auf Platz 18 - von 18. Waymo dagegen belegt Platz eins und führt mit großem Abstand nicht nur nach der Zahl der fahrerlos zurückgelegten Meilen (längst mehr als 20 Millionen), sondern auch nach der fehlerfrei zurückgelegten Strecke.

mg/dpa-afx, AP