Toyota kappt Hybrid-Absatzziele Billiges Benzin - das beste Argument gegen den Prius

Von mm-newsdesk
Neuer Prius: Toyota kappt die Verkaufserwartungen für den Plugin-Hybrid

Neuer Prius: Toyota kappt die Verkaufserwartungen für den Plugin-Hybrid

Foto: Christian Frahm

Toyota hat wegen der gesunkenen Nachfrage nach umweltschonenderen Autos die weltweiten Verkaufsziele für das neue Prius-Modell zurückgeschraubt. Weil Benzin billiger geworden sei, blieben spritsparende Modelle häufiger bei den Händlern stehen, teilte der weltgrößte Autohersteller am Mittwoch mit. Deswegen strebt der japanische Konzern für das zum Jahresanfang auf den Markt kommende Prius-Modell mit Hybrid-Antrieb nur noch einen Jahresabsatz von 300.000 bis 350.000 Fahrzeugen an. Für das Vorgängermodell hatte Toyota mit 300.000 bis 400.000 angepeilten Verkäufen die Latte etwas höher gelegt.

Toyota dominiert weltweit den Markt für Hybridfahrzeuge, die sowohl per Batterie als auch von einem Verbrennungsmotor angetrieben werden können. Der Ölpreisverfall hat seit dem vergangenen Jahr auch die Benzinpreise sinken lassen. Deshalb entscheiden sich etwa auf dem weltgrößten Automarkt USA immer mehr Käufer für Benzin schluckende Geländewagen.

Auch Autofahrer in Deutschland profitieren vom Ölpreisverfall. Die Tankrechnung Deutschlands falle im Vergleich zum Vorjahr um 10,5 Milliarden Euro niedriger aus, erklärte der Mineralölwirtschaftsverband (MWV) in Berlin. Demnach wurden in diesem Jahr 2,9 Milliarden Euro beim Tanken von Benzin eingespart und 7,6 Milliarden Euro an den Diesel-Zapfsäulen.

Die Tankstellen hätten die gesunkenen Einkaufspreise für Benzin und Diesel und damit die niedrigen Ölpreise "eins zu eins an die Verbraucher weitergegeben", erklärte MWV-Hauptgeschäftsführer Christian Küchen. Im bisherigen Jahresverlauf sei der Benzinpreis im Bundesdurchschnitt im Vergleich zu 2014 von 1,48 Euro je Liter auf 1,36 Euro gesunken; der Dieselpreis von 1,34 Euro auf 1,17 Euro pro Liter. In den vergangenen Tagen kostete Diesel an vielen Tankstellen nur noch rund einen Euro.

Schwankungen durch Preiskampf der Tankstellen

Die starken Preisschwankungen an den Zapfsäulen seien "eine unschöne Begleiterscheinung" für die Autofahrer, ergänzte Küchen. Grund dafür sei der harte Konkurrenzkampf der Mineralölgesellschaften.

Wie die Wochenzeitung "Die Zeit" unter Berufung auf eine Analyse der Leuphana Universität Lüneburg berichtete, ist Aral für fast die Hälfte aller Benzinpreiserhöhungen im abendlichen Berufsverkehr nach 18 Uhr verantwortlich. Shell folge dicht darauf; die Anbieter Esso, Total und Jet schlössen sich später an - wobei Jet die Spritpreise am geringsten anhebe.

Am Dienstag war der Ölpreis auf den tiefsten Stand seit fast sieben Jahren gefallen. In London sank der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent erstmals seit 2009 unter die 40-Dollar-Marke (37 Euro). In New York wurde ein Fass der US-Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) zur Lieferung im Januar zwischenzeitlich zum Preis von unter 37 Dollar gehandelt.

Grund für den Ölpreisverfall ist vor allem die Entscheidung der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) vom Freitag. Die Opec hatte entschieden, ihre Fördermenge nicht zu drosseln. Der Preis für Rohöl auf den Weltmärkten ist in den vergangenen anderthalb Jahren um mehr als 60 Prozent gefallen.

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Gabriele Widmann, Rohstoffexpertin bei der Deka Bank, rechnet in den kommenden Monaten nicht mit einer Erholung der Ölpreise. Wahrscheinlicher sei eine "Seitwärtsbewegung" der Preise mit "großen Abwärtsrisiken", schätzte die Expertin. Neben der Entscheidung der Opec spiele auch die Wirtschaft in China eine Rolle für den Verfall des Rohstoffpreises. Das Wachstum in China orientiere sich weg von der "Industrielastigkeit" und der damit verbunden hohen Nachfrage nach Öl hin zu einem stärkeren Fokus auf Dienstleistungen, ergänzte Widmann. Bis der Ölpreis wieder die 70-Dollar-Marke pro Barrel erreichen werde, vergingen eher Jahre denn Monate.

ts/Reuters/AFP
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