Deutlich weniger Produktion Chip- und Corona-Schock von Toyota

Zum Chipmangel kommt nun auch noch eine Corona-Infektionswelle in Asien. Toyota leidet trotz seiner Vorratshaltung an akutem Teilemangel. Die Produktion wird drastisch gekürzt.
Roboterarme greifen ins Leere: Produktion des Toyota Prius im Werk Tsutsumi

Roboterarme greifen ins Leere: Produktion des Toyota Prius im Werk Tsutsumi

Foto: FRANCK ROBICHON/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Der Autohersteller Toyota macht wegen des Engpasses an Halbleitern weltweit deutliche Abstriche bei der Produktion. Im September peile der weltgrößte Autobauer nur noch eine Produktion von rund 500.000 Fahrzeugen an, bestätigte ein Konzernsprecher am Donnerstag einen Bericht der japanischen Tageszeitung "Nikkei" . Weltweit seien 14 Fabriken von der Kürzung betroffen. Bislang hatte Toyota offiziell eine Produktion von etwas unter 900.000 Autos als Ziel genannt. Für das im März endende Geschäftsjahr gilt weiterhin ein Absatz von 8,7 Millionen Autos weltweit als Ziel.

"Nikkei" berichtete, ab Anfang September würden Produktionslinien auch in japanischen Toyota-Werken wie Takaoka vorübergehend stillgelegt. Auch die Produktion in Nordamerika, China und Europa werde wahrscheinlich um zehntausende Autos gesenkt. Ein Insider berichtete der Nachrichtenagentur Reuters, ein Toyota-Joint Venture im chinesischen Guangzhou habe bereits in diesem Monat eine Fertigungslinie eingestellt.

Toyota war bisher besser als andere Autobauer durch die Chip-Krise gekommen, weil der Konzern seit Jahren große Vorräte an Teilen wie Halbleitern aufgebaut hatte. Mit ihrem "Plan zur Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebs" reagierten die Japaner 2011 auf Logistikprobleme nach dem Tsunami, der Nuklearkatastrophe von Fukushima sowie der Flut in Thailand. Die meisten westlichen Industriekonzerne vertrauten bis zur aktuellen Krise auf reibungslose Lieferketten, die teure Lager überflüssig machten. Mit zunehmender Dauer des Mangels erschöpfen sich jedoch auch die Vorräte von Toyota.

Covid-Fälle legen Werke in Thailand lahm

Der Konzern hatte bereits davor gewarnt, dass die Engpässe anhalten würden. In Thailand musste der Konzern im vergangenen Monat die Produktion in drei Werken aussetzen, weil die Teileversorgung pandemiebedingt stockte. Zu viele Mitarbeiter konnten wegen der Zunahme an Covid-19-Fällen nicht mehr arbeiten. Von Juli bis Anfang August mussten laut "Nikkei" bereits einige Montagelinien in japanischen Werken wie Tahara gestoppt werden, weil eine Infektionswelle in Vietnam die Lieferung von Teilen einschränkte. Außerdem verwies Toyota auf Probleme wegen steigender Materialpreise.

An der Börse Tokio rutschte der Aktienkurs von Toyota  am Donnerstag um 4,4 Prozent ab, der stärkste Tagesverlust seit Dezember 2018. Der Leitindex Nikkei wurde dadurch auf ein Siebenmonatstief heruntergezogen. Auch die Aktien deutscher Hersteller gaben zum Handelsstart deutlich nach. Papiere von Daimler , Volkswagen  und BMW  verloren am Morgen mehr als 3 Prozent.

Der Mangel an Halbleitern bremst auch bei Volkswagen die Pkw-Produktion aus. Das VW-Stammwerk Wolfsburg könne nach der Sommerpause in der kommenden Woche nur eingeschränkt wieder starten, erklärte ein VW-Sprecher am Donnerstag. Auf allen Fertigungslinien werde nur in einer Schicht produziert, es werde Kurzarbeit beantragt. "Die anhaltend eingeschränkte Liefersituation bei Halbleitern sorgt weiter herstellerübergreifend für erhebliche Störungen in der weltweiten Fahrzeugproduktion."

ak/Reuters