Dienstag, 2. Juni 2020

Japans Autoriese baut Top-Management um Toyota zieht Europäer aus höchstem Führungskreis ab

Didier Leroy schaffte es als erster Europäer in Toyotas innersten Zirkel - nun gibt er seinen wichtigsten Posten ab

Er führte über drei Jahre lang den schönen Berufstitel Chief Competitive Officer (CCO) - und muss nun ein Stück weit Platz machen für einen jüngeren Manager: Der Franzose Didier Leroy, 62, hatte es als erster Europäer in Toyotas innersten Führungskreis geschafft, der bei dem japanischen Autoriesen auch als der Bund der "Sieben Samurai" bekannt ist.

Nun ist Leroy sein seit 2016 von ihm geführtes Wettbewerbsressort los, er kann aber weiterhin im Hintergrund die Fäden ziehen. Zwar baut der japanische Autoriese sein Management kräftig um: Wie Toyota vor Kurzem mitteilte, legen Leroy und der für die Fahrzeugentwicklung zuständige Vizepräsident Moritaka Yoshida ihre Ämter zum 31. März nieder.

Machtlos wird Leroy aber dadurch nicht, wie die Branchenzeitung "Automobilwoche" berichtet. Denn Leroy bleibt weiterhin Mitglied im "Board of Directors", behält seine Rolle als Chairman von Toyota Europe und seine Aufgaben als Präsident für Geschäftsplanung und Operationen.

Leroys Aufgaben als CCO soll künftig Shigeki Terashi übernehmen - der Manager bleibt Mitglied im obersten Toyota-Führungskreis. Zudem hat Toyota einen neuen Finanzdirektor berufen, den 51-jährigen Kenta Kon.

Yoshidas Nachfolger als Technologie-Vorstand heißt Mashahiko Maeda, ist ebenfalls 51 Jahre alt und gehört wie Kon zu den jüngsten Vorständen des japanischen Autoherstellers.

Toyoda sucht den Kronprinzen

Die Personalrochaden in der Führungsebene begründete Toyota-Präsident Akio Toyoda landestypisch etwas verklausuliert: Toyota müsse sich die grundlegende Haltung bewahren, "aufrichtig, nicht irreführend und offen zu sein". Toyoda wurde aber auch ziemlich deutlich: Er kritisierte, dass Toyotas Wettbewerbsfähigkeit und die strikte Kostendisziplin des Konzerns zuletzt schwächer geworden seien. Der Autobauer habe sich von seinen "Kern-Charakteristika" entfernt. Nun müsse sich Toyota wieder auf seine Stärken besinnen und schlechte Gewohnheiten ablegen.

In anderen Worten: Die Manager haben ihren Job wohl nicht zur vollen Zufriedenheit Toyodas erledigt. Noch ein Faktor schien bei dem Umbau aber eine Rolle zu spielen: Ein notwendiger Generationswechsel.

"Ich habe festgestellt, dass es für mich wichtig ist, mit der nächsten Generation zu kommunizieren," so Toyoda. Er wolle dafür künftig mehr Zeit aufwenden.

Zugleich kündigte der oberste Toyota-Chef an, auch weitere Führungsebenen abzuschaffen. So soll es künftig die Titel Executive Vice President nicht mehr geben, alle Inhaber dieser Posten sollen demnach als "Director", also in etwa als Betriebsleiter, bezeichnet werden.

Toyota überarbeitet seine Managementstruktur schon seit Jahren. So wurde die Anzahl der Direktoren von 27 auf elf reduziert und die Titel des Geschäftsführers und des Generaldirektors wurden aufgehoben.

In seinem elften Jahr als Toyota-CEO scheint der 63-jährige Toyoda erpicht darauf zu sein, die Unternehmenskultur zu drehen - und ein paar jüngere potenzielle Nachfolger in echte Führungspositionen zu bringen.

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