Sonntag, 15. September 2019

Japans Autoriese soll trotz Rekordgewinn kräftig sparen Toyota, die sieben Samurai - und ein "Kampf auf Leben und Tod"

Toyota-Chef Akio Toyoda

2. Teil: Wie Toyota zum "muskelbepackten Unternehmen " werden soll

Die bisherigen Kostensenkungsprogramme seien nicht tief genug gegangen, erklärte der 62-jährige Firmenchef nun. Der Betriebsgewinn wäre ohne die besonderen Effekte aus den günstigen Wechselkursen und Kostensenkungen wohl gefallen.

"Nur das Fett blieb übrig", erklärte Toyoda. In den künftigen Geschäftsjahren müsse Toyota wieder "ein muskelbepacktes Unternehmen werden, um die Herausforderungen der neuen Wettbewerber meistern zu können".

Toyoda fordert seine Mitarbeiter nun dazu auf, keine unnötigen Meetings mehr abzuhalten oder überflüssigen Papierkram zu produzieren. Entscheidungen in Meetings sollen künftig innerhalb einer Stunde fallen, versprach Toyotas Finanzchef Koji Kobayashi, einer von Toyodas sieben Spar-Samurai. Bisher, so Kobayashi, fühlten sich viele Meetings eher wie die "Sitzungen eines Parlaments" an.

Und auch Modellvarianten sollen wohl künftig auf ihre Notwendigkeit überprüft werden, ließ Toyoda durchklingen. Sämtliche Fahrzeugspezifikationen sollen nämlich überprüft und optimiert werden. Für alle Arbeitsstellen gebe es die Aufforderung, die Fixkosten "fundamental" zu überprüfen, erklärte Toyoda.

Welcher Markt das Spar-Diktat treibt

Klingt so, als würde es der Chef richtig ernst meinen. "Wir müssen uns einen Sinn für die Krise bewahren", erklärte Toyota laut anderen Berichten mehrfach bei der Konferenz. Die könnte für Toyota tatsächlich nicht allzu weit weg sein. Denn Toyotas wichtigster Markt sind nach wie vor die USA, wo die Profitabilität zuletzt sank - und wo Branchenexperten in diesem Jahr mit Verkaufseinbrüchen rechnen.

In China, dem größte Einzelmarkt für Toyotas Rivalen Volkswagen und nach wie vor Wachstumsgarant, hat Japans Autoriese nach wie vor einen vergleichsweise kleinen Marktanteil. Und Toyotas weitere Hauptmärkte, der Heimatmarkt Japan und Europa, versprechen für die kommenden Jahre auch keine großen Sprünge.

Toyodas Überlegung ist die des vorsichtigen Kaufmanns: Falls die Krise kommt, dürfte ein frühzeitig auf Diät gesetzter Autoriese Toyota besser für die mageren Zeiten gerüstet sein als viele Konkurrenten. Ob er mit seinem Spar-Appell bei allen Mitarbeitern durchdringt, muss sich aber noch zeigen. Allzu hart macht er es seinen Mitarbeitern erstmal nicht: Denn eine Milliarde Euro an Einsparungen innerhalb eines Jahres ist noch lange kein brutales Spardiktat bei einem Konzern mit über 300.000 Mitarbeitern - und 10 Millionen produzierten Fahrzeugen pro Jahr. Da haben die Opelaner schon deutlich mehr knapsen.

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