Mittwoch, 1. April 2020

Mit Tesla-Autopilot in den Unfalltod Die Hybris des Elon Musk

"Lenksystem in der Betaphase": Tesla-Chef Elon Musk wird nach dem Unfalltod des Fahrers eines autonom gesteuerten Tesla sicher einige Fragen beantworten müssen

Der streitbare Himmelsstürmer und Tesla-Chef Elon Musk hat schon viel versprochen - und es dann doch nicht gehalten. Der tragische Tod eines Tesla-Fahrers, dessen Autopilot in einer einfachen Verkehrssituation versagt hat, holt die Diskussion um autonomes Fahren auf die Erde zurück.

Eines steht ebenso fest: Dieser Unfall wird die Entwicklung von selbstfahrenden oder gar fahrerlosen Autos nicht stoppen. Das widerspricht schlicht der menschlichen Natur, deren unumstößliche Konstanten Neugierde und Vorwärtsdrang sind.

Trotzdem ist der Unfall Anlass zum Innehalten. Und zur Kritik.

Der von der Autoindustrie und ganz besonders von Tesla-Chef Elon Musk geschürte Hype um neue Formen der Mobilität und das autonome Fahren machen Menschen eines schnell vergessen: Technik ist und bleibt anfällig - erst recht, wenn Menschen sie bedienen.

Bei aller Begeisterung: Angezeigt ist ein wenig mehr auch innere Distanz zu den Visionen und Versprechen der großen Erneuerer und Weltverbesserer, zu denen Elon Musk sich durchaus zählt.

Der in Tesla-Autos verbaute "Autopilot" suggeriert schon vom Namen mehr als er tatsächlich kann. Dass Musk das System genau so und nicht etwa "Assistent" benennt, wie es andere Autobauer tun, entspringt genau dieser Hybris.

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Dass das Tesla-System aus Kameras, Radar- und Ultraschallsensoren einen riesigen weißen Lkw nicht vom Himmel unterscheiden kann, wirkt angesichts der vollmundigen Visionen eines Elon Musk geradewegs grotesk.

Im Land der unbegrenzten Schadenersatzklagen reiben sich findige Juristen schon jetzt die Hände: Als Elon Musk im Herbst den "Autopiloten" vorstellte, räumte er ein, das Lenksystem befinde sich noch in einer "Beta-Testphase" und die Software habe Probleme, Fußgänger und Radfahrer zu erkennen.

Wenn einzelne Unfälle infolge verrutschter Fußmatten und dann verklemmter Gaspedale einen Autokonzern wie Toyota in den USA Milliarden kosten, darf man gespannt sein, wie US-Behörden nun mit dem Fall Tesla umgehen werden.

Sollte am Ende dieser Entwicklung ein etwas vorsichtigerer und bescheidenerer Elon Musk stehen, hätte der Unfall des Tesla-Fahrers tatsächlich schon viel bewirkt.

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