Samstag, 6. Juni 2020

Europa nicht betroffen US-Autovermieter Hertz meldet Insolvenz an

Der US-Autovermieter Hertz flüchtet sich in der Corona-Krise in die Insolvenz

Der Autovermieter Hertz Börsen-Chart zeigen hat in der Corona-Krisein den USA Gläubigerschutz nach Kapitel 11 des US-Insolvenzrechts angemeldet . Ein Stillhalteabkommen mit den Gläubigern war zuvor ausgelaufen, um Staatshilfe hatte sich das mehr als 100 Jahre alte Unternehmen nach eigenen Angaben vergeblich bemüht.

Der Rückgang von Reisen habe zu einem "plötzlichen und dramatischen" Einbruch bei Umsätzen und Buchungen geführt, teilte das Unternehmen mit Sitz in Estero im US-Bundesstaat Florida am Freitagabend (Ortszeit) mit. Während der wegen der Krise erforderlichen Umstrukturierungen würden die Geschäfte weitergeführt. Das Unternehmen habe mehr als eine Milliarde Dollar (920 Millionen Euro) an Barbeständen, um den Betrieb aufrecht zu erhalten. Internationale Operationen des Autovermieters in Europa, Australien oder Neuseeland seien von dem Insolvenzantrag nicht betroffen. Größter Aktionär des börsennotierten Unternehmens ist der milliardenschwere Investor Carl Icahn mit 39 Prozent.

In der Mitteilung hieß es, Hertz habe bereits Maßnahmen eingeleitet, als sich die Krise im März abgezeichnet habe. So sei damals beschlossen worden, weltweit 20.000 Mitarbeiter weltweit zu beurlauben oder zu entlassen - rund die Hälfte aller Beschäftigten. Auch die Zahl der Fahrzeuge und Standorte wurde verringert. So seien Teile der 500.000 Fahrzeuge umfassenden Flotte verkauft und Neubestellungen storniert worden. Man beabsichtige dennoch, Kunden weiterhin die gleiche Qualität anzubieten und Lieferanten sowie Arbeitnehmer zu bezahlen, versichert der Konzern. Auch Treueprogramme sollten weitergeführt werden.

Erst Anfang der vergangenen Woche war der bisherige Executive Vice President Paul Stone (50) mit sofortiger Wirkung zum neuen Präsidenten und Vorstandschef von Hertz berufen worden. Stone, der zuvor auch das Nordamerika-Geschäft verantwortete muss nun als ersten den Weg aus der Krise finden. Seine Vorgängerin, Kathryn Marinello, die seit 2017 an der Spitze des Unternehmens stand, bleibt dem Unternehmen nur noch in beratender Funktion erhalten, um den Übergang zu gewährleisten.

Hertz ist einer der größten Leihwagenfirmen weltweit und vermietet Fahrzeuge unter anderem auch unter den Firmennamen Dollar und Thrifty. Mit dem nun erfolgten Schritt in den Gläubigerschutz ist der Konzern eines der größten Opfer der Corona-Krise, die in den USA bisher vor allem Einzelhändler in die Insolvenz getrieben hat. Doch das Autovermiet-Geschäft war schon vorher durch neue Konkurrenten wie den Fahrdienst Uber unter Druck geraten. Der größte deutsche Autovermieter Sixt Börsen-Chart zeigen hatte sich kürzlich mit maßgeblicher Hilfe der Staatsbank KfW eine 1,5 Milliarden Euro schwere Kreditlinie besorgt, gibt sich aber zuversichtlich, angesichts der Schwierigkeiten von Konkurrenten wie Hertz, Avis und Europcar gestärkt aus der Krise hervorzugehen.

Konkurrenz setzte Hertz schon vorher zu

Die wichtigsten Gläubiger hatten Hertz bis zum Freitag Zeit gegeben, nachdem das Unternehmen im April fällige Zahlungen an die Kreditgeber schuldig geblieben war. Die monatlichen Leasing-Verpflichtungen sind gestiegen, weil die Restwerte der Fahrzeuge in der Krise sinken. Auf der Bilanz von Hertz lasten allein rund 14 Milliarden Dollar an Kreditpapieren, die mit der Mietwagen-Flotte besichert sind (ABS). Mit dem Geld wurden Autos gekauft und an Hertz verleast. Auch andere Kredite und Anleihen hängen daran, dass Hertz seine Leasingraten pünktlich bezahlt. Allein im ersten Quartal schrieb Hertz 356 Millionen Dollar Verlust.

Der Konzern hatte in den Verhandlungen angeboten, pro Monat bis zum Jahresende 30.000 Autos zu verkaufen, um fünf Milliarden Dollar in die Kasse zu bekommen. Doch der Gebrauchtwagenmarkt ist in der Krise ebenfalls zusammengebrochen. Zuletzt hatten sich auch die Hoffnungen auf eine Unterstützung der US-Regierung für Autovermieter zerschlagen. Die Wurzeln von Hertz reichen ins Jahr 1918 zurück. Damals war Walter Jacobs auf die Idee gekommen, zwölf Ford "Model T" auf Zeit an Kunden zu verleihen.


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Die Corona-Krise hat die US-Wirtschaft schwer in Mitleidenschaft gezogen. Erst vor rund einer Woche hatte die 118 Jahre alte Warenhauskette J.C. Penney Insolvenz angemeldet. Nach den Insolvenzanträgen der Ladenketten Neiman Marcus und J. Crew war J.C. Penney das bisher größte Corona-Opfer im US-Einzelhandel. Für die Firma arbeiten rund 85 000 Menschen. J.C. Penney hat noch über 800 Läden, von denen viele das Herzstück amerikanischer Einkaufszentren sind.

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Seit der Zuspitzung der Coronavirus-Pandemie in den USA im März haben bereits mehr als 38 Millionen Menschen mindestens zeitweise ihren Job verloren - so viele wie nie zuvor in solch kurzer Zeit. Die USA befinden sich wegen der Pandemie in einer schweren Wirtschaftskrise. Präsident Donald Trump drängt die US-Bundesstaaten zu einer möglichst schnellen Lockerung der Schutzmaßnahmen, um die Wirtschaft vor der Präsidentschaftswahl im November wieder in Gang zu bringen.

dpa/rtr//akn

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