Fotostrecke

Elektromobilität: Deutsche Autobauer erhöhen das Tempo für ihre Tesla-Fighter

Foto: Tesla

Tesla verdreifacht Verlust, doch malt rosige Zukunft 2016 wird das härteste Jahr, das Elon Musk je erlebt hat

Verlust verdreifacht? Egal, dafür verdoppeln wir jetzt die Auslieferungen, zeigen bald ein neues Auto und machen Gewinn. Mit diesen Versprechen hält Tesla-Chef Elon Musk seine Aktionäre vorerst bei der Stange. Doch es ist nur ein kleiner Etappensieg in seinem härtesten Jahr.

Alles andere als gewöhnlich - das ist das Grundverständnis des Elektroauto-Herstellers Tesla. Kein anderer Autohersteller würde es wagen, seinen Autos einen "Wahnsinns-Modus" einzubauen. In der stärksten Variante der Elektrolimousine Model S gibt es dafür einen Schalter. Wird er umgelegt, beschleunigt der Wagen in 2,9 Sekunden auf 100 km/h.

Für einen kräftigen Kursanstieg der Tesla-Aktie  braucht es aber nicht mal einen solchen Hebel. Da reichen ein paar ambitionierte Ankündigungen von Tesla-Chef Elon Musk aus. Damit gelingt ihm ein erster Etappensieg, obwohl er seine Versprechen in der Vergangenheit längst nicht immer halten konnte. Die wahren Härteprüfungen stehen Tesla noch in diesem Jahr bevor - in geballter Form.

Erstaunlich ist die Euphorie der Aktionäre schon deshalb, weil Musk für das vergangene vierte Quartal nur wenig Erfreuliches zu berichten hatte. Von Oktober bis Dezember 2015 stieg der Verlust auf 320 Millionen Dollar, das ist fast das Dreifache im Vergleich zum Vorjahreszeitraum und mehr, als Analysten erwartet hatten. Der Umsatz stieg um 27 Prozent auf 1,2 Milliarden Dollar - auch das lag unter den Erwartungen.

Fotostrecke

Aktuelles Reichweiten-Ranking: So weit kommen die Elektroautos

Foto: Renault

Doch damit hielt sich Musk in seinem Brief an die Aktionäre nicht allzu lange auf - lieber gab er einen optimistischen Ausblick auf das laufende Jahr. Im ersten Quartal will Tesla 16.000 Wagen seiner beiden Baureihen "Model S" und "Model X" ausliefern. Ganze 90.000 Stück sollen es im laufenden Jahr werden und damit um 80 Prozent mehr als noch 2015. Denn im vergangenen Jahr lieferte Tesla 50.658 Fahrzeuge an seine Kunden.

Musks Jahr der Großprojekte

"Wir planen ein noch schnelleres Auslieferungswachstum als letztes Jahr", versicherte Musk in einem Schreiben. Zudem kündigte er an, dass Tesla in diesem Jahr einen positiven Cash-Flow erzielen und profitabel sein wolle.

Diese Versprechen waren offenbar genau die Worte, die Investoren hören wollten. Seit Jahresbeginn hat die Tesla-Aktie  um mehr als 30 Prozent nachgegeben. Nach der Bekanntgabe der Zahlen legte der Kurs an der New Yorker Börse um bis zu 13 Prozent zu und liegt nun wieder bei 160 Dollar.

Fotostrecke

IT-Riesen brechen ein: Die fallenden Engel der Wall Street

Foto: Jens Büttner/ picture alliance / dpa

Das Vertrauen seiner Aktionäre hat sich Musk damit offenbar erneuert - und er kann es in diesem Jahr besonders gut gebrauchen. Denn 2016 hat sich Musk für Tesla viel vorgenommen: Die Kalifornier müssen nicht nur beweisen, dass sie das Zeug zum Großserienhersteller haben. Auch die weltgrößte Batteriefabrik wollen sie zum Laufen bringen, und den ersten großen Schritt in Richtung Massenmarkt gehen. Musk muss nun beweisen, dass er seinen großen Visionen und Versprechungen auch Taten folgen lässt - und das wird alles andere als einfach.

Verzögerungen könnten viel Geld und Vertrauen kosten

Denn schon jetzt bezweifeln Beobachter, dass Tesla etwa seine stolze Wachstumsprognose mit 90.000 verkaufen Wagen im Jahr 2016 halten kann. Mit gutem Grund: Denn Musks Auslieferungs-Ankündigungen erwiesen sich zuletzt als zu vollmundig. So sollte Tesla im vergangenen Jahr ursprünglich 55.000 Fahrzeuge ausliefern, letztlich wurden es um 10 Prozent weniger.

Das hatte auch mit dem mehrfach verschobenen Start des Elektro-SUVs Model X zu tun. Der Wagen mit den auffälligen Flügeltüren sollte ursprünglich im Frühjahr 2015 starten, offiziell vorgestellt wurde das Auto aber erst im Herbst vergangenen Jahres.

Bis Ende 2015 lieferte Tesla gerade mal 208 Model X-Wagen aus. Ein Grund für die Verzögerungen waren die hochklappenden Fond-Türen, wie auch eine Klage von Tesla gegen einen deutschen Zulieferer belegt. Nun soll die Produktion auf 800 bis 1000 Stück pro Woche hochgefahren werden - wenn alles klappt wie geplant.

Fotostrecke

Elektro-SUV: Das ist Teslas Model X

Foto: Marcio Jose Sanchez/ AP/dpa

Die schleppende Fertigung könne zu Lieferschwierigkeiten führen und noch mehr Geld verbrennen, warnt bereits der Autoexperte Brian Johnson von der Großbank Barclays. "Das ruft die Risiken der aggressiven Wachstumsambitionen für die nächsten Jahre zurück ins Gedächtnis", warnt Johnson.

Die Konkurrenz wacht langsam auf

Dabei stehen bei Tesla schon die nächsten Großprojekte an. In Nevada baut das Unternehmen eine riesige Batteriefabrik. Die "Gigafactory" soll Tesla in Zukunft einmal profitabel machen, kostet aber zunächst viel Geld. Einigen Berichten zufolge liegt Tesla dabei nicht ganz im Zeitplan, auch Rohstoff-Engpässe drohen. Beides bestreitet das Unternehmen allerdings.

Fix angekündigt hat Tesla seine nächste Etappe in Richtung Massenmarkt: Ende März will das Unternehmen, die bislang nur die Limousine "Model S" in größerem Stil verkauft, mit dem "Model 3" einen für die breitere Bevölkerung erschwinglichen Stromer vorstellen. Er soll mit etwa 35.000 Dollar weniger als die Hälfte der Premium-Modelle kosten und 2017 den Massenmarkt entern.

Fotostrecke

Elektromobilität: Deutsche Autobauer erhöhen das Tempo für ihre Tesla-Fighter

Foto: Tesla

Allerdings macht General Motors (GM) mit einem ähnlichen Angebot Konkurrenz. GM will Tesla mit dem Chevrolet Bolt EV zuvorkommen - mit einer Reichweite von 320 Kilometern und einem Preis von rund 30.000 Dollar nach Abzug staatlicher Vergünstigungen ein ernstzunehmender Wettbewerber. In Europa will Opel mit einem ähnlichen Modell auf Tesla-Jagd gehen. Barclays-Analyst Johnson sieht trotzdem gute Chancen für Musks Offerte: "Das Model 3 könnte das Interesse an Tesla Ende März wieder entfachen."

Musk riskiert seinen Ruf

Anlaufprobleme bei der Model X-Produktion, eine Riesenbaustelle in der Wüste von Nevada, und eine erstarkende Konkurrenz: Das ist eine ganze Menge Gegenwind für den Milliardär Musk, der sein Vermögen mit dem Bezahldienst Paypal gemacht hat und nebenher noch das Raumfahrtunternehmen SpaceX führt.

Musk hat einen Ruf zu verlieren. Er ist ein Superstar der Tech-Szene und wird mit Steve Jobs, Henry Ford und Thomas Edison verglichen. Das nutzte ihm auch bei Tesla: Obwohl der Elektroauto-Hersteller regelmäßig hohe Verluste einfuhr, wurde das Unternehmen an der Börse jahrelang als innovativer Fahnenträger der E-Mobilität gefeiert.

Dabei hat Musk oft genug deutlich gemacht, dass ihm der Aktienpreis relativ egal ist. Mit seinen Ansagen hat er viel Mut zum Risiko bewiesen. Vieles davon hat er auch eingehalten. Als er etwa vor drei Jahren den Aufbau eines eigenen Netzes an Schnellladesäulen ankündigte, hielten das viele für eine Utopie. Heute stehen hunderte Supercharger in Europa, den USA und auch China - und machen so Langstreckenfahrten mit Teslas Elektroauto viel komfortabler.

Tesla braucht Prognose-Punktlandung

Doch zuletzt hat er die steigenden Risiken bei Tesla gerne mit immer gewagteren Zukunftsvisionen beiseite geschoben. Rasche Gewinne hat er Investoren ohnehin nie versprochen, sondern eben immer schwindelerregende Wachstumszahlen. Bisher haben ihm Investoren geglaubt.

Fotostrecke

Die größten Märkte für Elektroautos: Deutschland verliert den Anschluss

Foto: REUTERS

Doch allzu viele Prognose-Fehltritte kann sich Musk nicht mehr erlauben, wenn er weiter ernstgenommen werden will. Vielleicht funktioniert Tesla wirklich anders als die traditionelle Autobranche. Vielleicht ist Musk aber auch einfach nur ein besserer Verkäufer als alle seine Konkurrenten. Doch auch er wird seinen Aktionären häufigere Punktlandungen bei Absatzprognosen liefern müssen, wenn er nicht ihr Vertrauen verlieren will. Denn aus eigener Tasche seine Visionen zu finanzieren - das schafft selbst Multi-Milliardär und Tausendsassa Musk nicht.

mit Material von dpa/Reuters