Mittwoch, 27. Mai 2020

Autobauer kämpfen gegen Corona Tesla zeigt seine Arbeiten an Beatmungsgeräten

Tesla-Fertigung in Kalifornien: Der Elektroautohersteller beteiligt sich am Kampf gegen Corona.

In den USA schießen die Corona-Infektionen in die Höhe und wie in vielen anderen Brennpunkten der Pandemie fehlen auch auf US-Intensivstationen die dringend benötigten Beatmungsgeräte. Abhilfe sollen Autohersteller schaffen. Ford, General Motors und Tesla hatten versprochen, in die Produktion der in den USA "Ventilators" genannten Geräte einzusteigen, solange die Automobilproduktion ruht. Die Kalifornier haben nun in einem Video den Prototypen ihres Geräts präsentiert.

"Wir versuchen Beatmungsgeräte aus Autoteilen herzustellen, um die Medizingeräteindustrie zu unterstützen, ohne dabei auf ihre Lagerbestände zurückzugreifen", erklärte einer der am Projekt beteiligten Ingenieure im Video. Im Prototypen stecken nach Tesla-Angaben zahlreiche Teile aus den Regalen des E-Autoherstellers, unter anderem Touchscreen, Infotainment-Rechner und Steuergeräte aus dem Model 3.

"Es gibt noch viel zu tun, aber wir geben unser Bestes, um sicherzustellen, dass wir einigen Menschen da draußen helfen können", erklärte einer der Entwickler. Einen Zeitplan, wann das Gerät produziert werden soll oder in welchen Stückzahlen es verfügbar wäre, gab Tesla im Video nicht bekannt. Zudem ist unklar, ob die Geräte nach dem Hochlauf der Produktion überhaupt noch gebraucht werden - dies bezweifelte auch Firmenchef Elon Musk auf Twitter.

Autohersteller als Zulieferer der Medizinindustrie

Musk ist für seine geschickten Marketingstrategien bekannt. Es ist bestimmt kein Zufall, dass die Ingenieure bei der Präsentation des Prototyps bei jeder sich bietenden Gelegenheit erwähnen, welches der Bauteile des Beatmungsgerätes ursprünglich aus dem Model 3 stammt.

Die Möglichkeiten der Autohersteller, Beatmungsgeräte in großen Stückzahlen herzustellen, gilt ohnehin als begrenzt. "Die Automobilproduktion eines OEM hat technologisch nur sehr entfernt mit der Herstellung von Beatmungsgeräten zu tun", sagt Rolf Janssen, Automobil- und Produktionsexperte der Unternehmensberatung Roland Berger. "Zudem dauert der Umbau einer Produktionslinie, auf der bisher Autos gefertigt wurden, mindestens sechs Monate."

Trotzdem kann die Autoindustrie die Hersteller von Beatmungsgeräten unterstützen. Eine Möglichkeit sei die Fertigung bestimmter Einzelteile, die für eine neue Maschine oder aufgrund des Abrisses von Lieferketten in der Medizinbranche fehlten, so Janssen. So unterstützen beispielsweise die Formel-1-Manufakturen von McLaren, Mercedes-AMG und Williams in Großbritannien die Hersteller von Beatmungsgeräten durch Werkzeugbau oder die Hilfe bei der Beschaffung von Rohteilen und Materialien.

cr/spon

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